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Der Orient · 1850-09-07 · Heft 36 (7.9.1850) · p. Seite 144

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 36 (7.9.1850)
Date
1850-09-07
Page
Seite 144 (sequence 7)
Language
German
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144 Müsse bet Gemeinde mit der Josefstabt Mit werbe, stellten sie die Bemerkung vor, baß man nicht im Stande sei, bis zum 29. August die notwendigen Stimmzettel- Blanqucts zu vervollständigen, und au ihre Adressen zu befördern. Im hingeworfenen Style fand sich noch in der Eingabe des Konskriptions-Konnte die Bemerkung, daß die Bewohner der Joscfstadi noch nicht Wählerund wählbar seien, weil die Verhandlung mit der Josefstädter Gemeinde noch nicht geschlossen sei. Der Herr Bürgermeister Wanka, welcher als rechtlicher und auch kluger Mann beiden Parteien recht thun wollte, übergab diese Eingabe dem Kreispräsideicten, ricth aber,,zur Vermeidung einer Überstürzung" dm Wahltag auf den 3L. zu verschieben. Der Herr Kreispräfident Graf Merkandin, findet aber die Eingabe des Stadwerordrieten-Kollegiums durchaus nicht gerechtfertigt. Er bestimmt, daß sechs Diurnisten zur Ausfertigung der Stimmzettel und die nöthige Polizeimannschaft zur Austragung derselben zur Verfügung gestellt werde, und daß es bei der Wahl am 29. zu verbleiben habe. Den Einwand hinsichtlich des noch nicht beendet sein sollenden Anschlusses findet er ganz unstatthaft, denn vermöge §. 2 der Gemeindeordnung ist der Anschluß bereits entschieden , und auch das Bcitragsverhältniß zur gemeinschaftlichen Gemeindekassa in §. 4 der genannten Ordnung gelost.. Was die noch bestehenden Differenzen über die Ziffer betrifft, werden diese nötigenfalls von der Regierung entschieden werden, geben aber durchaus keine Ursache zur Vertagung der Wahl, sondern es werden die aus der Josesstadt gewählten Stadtverordneten sich so lange der Teilnahme an der Gemeindekassen-Verwaltung enthalten, bis die oft erwähnte Differenz ausgctragcn sein wird. Mit Vergnügen erkennen wir in diesem Ausspruche, daß unserm Kreispräsideuten daran gelegen ist, das Wort unsers Monarchen in der Wirklichkeit wahr zu machen. Was die BeitritLosumme betrifft, so erlauben wir uns zu bemerken, daß wir schon vor einiger Zeit in einem sehr gelesenen Blatte uns dahin ausgesprochen, daß sie wohl 70,000 Gulden betragen wird. Wir haben nachträglich erfahren, daß diese Summe von Seite des Josefstädter Komilö's beantragt wurde (obzwar die Stadtgcmeinde 110,000 Gulden verlangt), nur aber sind wir nicht mit der Art der Eintreibung einverstanden. Es wurde in Vorschlag gebracht, daß jedes Gemeindeglied das Fünffache seines Gemeindebeitrages zu erlegen habe. Wer da weiß wie ungleich, wie unverhältnißmäßig die Gemeindebeiträge repartirt sind, der wird die Unzweckmäßigkeit und Ungerechtigkeit dieses Antrages bald einsehen. Es wäre eine Wohlthat wenn sich ein eigenes Konnte zur gerechten Rcpartirung des Anschlußbeitrages bilden würde, und mit dieser — freilich nicht leichten — Arbeit der früher selbstständig bestandenen Verwaltung der Israel. Gemeindekasse der würdigste Schlußstein gesetzt werde. Einer veröffentlichten Anzeige von S-eite des Bürgermeisters entnehmen wir noch, daß in den Kirchen aller Konfessionen vorder Wahl am 29. ein feierlicher Gottesdienst stattfindcn wird, daß Pöllerschüsse die Wahl verkünden, überhaupt dieser Tag feierlich begangen wird. Die Nationalgarde wird die Wache am Ringe beziehen, und an allen Wahlorten werden Abtheilungen der Nationalgarde den Dienst versehen. W. Bl. Aus Mahren, Aug. Die Freiheit, welche das Ministerium den Gemeinden überläßt, sich mit den Judengemeinden zu vereinigen oder nicht, wird nun vom Judenhasse tüchtig außgebeutet. Jedes Lnmpennest will den Bestand seines Ghetto's erhalten. Jndeß wird die Zeit auch diesen zähen Judenhaß besieget!, wenn nur das starre Gesetz nicht dazwischen tritt. Wir wollen nun die Gemeinden aufzähten, wo die Vereinigung der Inden mit der Stadtgemeinde nicht zu Stande gekommen und die Juden sich als besondere Gemeinde zu konstituiren haben. 1) Rausnitz bei Brünn. Die Inden haben sich als eigene Gemeinde konstituirt und einen eigenen jüdischen .Bürgermeister, Hrn. 8 ö w e n t h a l, gewählt. 2) Pr er an , eine durch Judenkrawatt berüchtigte Stadt- Hier hat sich die Jndengemeinde als eine besondere konstituirt. 3) Ei b e n sch ü tz. Hier hat sich die jüd. Gemeinde besonders konstituirt und einen eigenen Gemeinderath und Bürgermeister gewählt. Wien, 20. Aug. Die hiesige Gemeinde ist immer im Steigen begriffen, und geht damit tun, einen großartigen Cmtrattempcl zu errichten. — Vor Kurzem hielt ein jüd. Geistlicher um Audienz bei Sr. Majestät dem Kaiser an, um Höchstdensilben einige Pamphlets zu überreichen. Der Obersthofkämmerer machte den Petenten aufmerksam, daß eine Anzahl unglücklicher Mütter und Kinder bereits vorgemerkt fei, und daß er, um den Geistlichen vorzulaffen, den Anwalt einer unglücklichen Familie streichen müßte. Diese Vorstellung blieb ohne Erfolg, da dem jüdischen Geistlichen die Eitelkeit höher als ein einfacher Akt der Humanität stand. Er wurde vorgelassm, und da Se. Majestät auf diesen Gelehrtenbesuch nicht vorbereitet waren, so wurden die überreichten Pamphlets einfach znrückgelegt, ohne daß deren Annahme in den Zeitungen genannt wurde. Diese ganze Antichamber- Scene aber erregte viel Skandal und veranlaßt manches harte Urtheil über die zudringlichen und arroganten Juden. — Ueber die Versammlung jüdischer Bischöfe werde ich Ihnen nächstens berichten. — Verlag von C. 8. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.

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