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Der Orient · 1850-09-07 · Heft 36 (7.9.1850) · p. Seite 142

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 36 (7.9.1850)
Date
1850-09-07
Page
Seite 142 (sequence 3)
Language
German
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142 ihre Amtsgenofsen unterstützt haben, während ein anderer Rabbiner^ den man bisher bei allen religiösen Streitfragen stets in den ersten Reihen kämpfend erblickte, ans ein Ersuchen um seine Erklärung brieflich eine Antwort erthcilte, die eben Nichts weiter sagte, als: „Es brennt ja nicht in meinem Hause, ich brauche nicht zu löschen". — Jndeß zur Hauptsache. Ich glaube, daß Du Recht darin habest, wenn Du meinst, die Sache verdiene einen Platz in der jüdisch-wissenschaftlichen Presse und da deren bisherige Wortführer auf sich warten lassen, so habe ich Nichts dagegen einzuwenden, daß Du diese meine Ansicht in die Oeffcntlrchkeit bringest, ist sie unreif, so ruft sie vielleicht reifere hervor, das ist Gewinn genug. — Es wird vor Allem'darauf ankommcn festzustellen, was wir unter einer „Freien Gemeinde" zu verstehen haben. Bei den so außerordentlich verschiedenen, ja sich widersprechenden Auffassungen, welche der Begriff „frei" zulaßt, bei der Unsicherheit, welche bei den Vertretern der Fr. G. selbst sich hcrausstellt, ist das keine leichte Aufgabe. Die einzelstehende Erklärung der Fr. G. zu Stettin darf hier nicht maßgebend sein, und hat auch Dr. M. daS Widerjüdische in derselben nachgewiesen. Fassen wir aber die Frage allgemeiner. Kann das Judentum als solches eine Annäherung an die Fr. G. anstreben, so muß meines Dafürhaltens, bei Beantwortung derselben von folgenden 2 Annahmen ausgegangen werden. Entweder die Fr. G. betrachtet Religion überhaupt nur als ein Erzeugniß des Menschen, etwa wie die Seelenlehre und nimmt keinen Einfluß eines überweltlichen Geistes auf dieselbe an, wonach also Religion ihr weiter Nichts bedeutet als jede andere Wisseuschast oder Kunst und „frei" soviel heißt wie „reinmenschlich"; pder sie räumt den religiösen Regungen des menschlichen Gemüthes doch eine höhere Bedeutung, eine göttliche Abstammung ein, die sie als zu irgend einer Zeit stattgesunden und nur jetzt verunstaltet oder mangelhaft sich darstellend setzt, wonach also „frei" nur soviel heißen würde wie „nicht mehr gebunden an den Formen irgend einer überlieferten Religion." Hierbei wäre aber U,och recht gut denkbar, daß sie aus dem, was allen Religionen gemeinschaftlich oder in einer einzelnen das Bessere ihr schiene eine neue schaffen oder gefunden haben wollte. Im ersteren Falle müßte das Judentum als auf die geschichtliche Wahrheit der Offenbarung am Sinai begründet jede Annäherung unbedingt zurückweisen; im andern aber, da die Verhandlungen darüber noch nicht geschlossen sind, erst abwartm wie weit die Fr. G. seinen Religionswahrheiteu Rechnung trage. Eine Verständigung hierüber anzubahnen oder herbeizusühren ist Sache der Wissenschaft und ihrer Vertreter, nicht aber der Gemeinden. Der erstere Fall scheint aber guch von keiner Fr. Gem. zugegeben zu werden, schon der Umstand, daß man gern in Räumen zusammenkommt, . welche ausschließlich religiösen Zwecken gewidmet sind läßt dieses glauben. Wäre es aber der Fall, würden die Fr. G. für unnötig. halten einen Unterschied zn machen zwischen solchen Bestrebungen des Menschengeistes, durch welche er sich in Verbindung mit dem Geiste des Weltalls, mit Gott. fühlt und sich zu setzen fufy und solchen, durch welche er seine alltäglichen, persönlichen, häuslichen und gesellschaftlichen Angelegenheiten ordnet; so würde hiermit schon eine gähnendeKluft zwischen ihnen und dem Judenthume sich austhueu, da dieses den Grundsatz ütnn fot anpn p „Es ist zu'unterscheidcu das Heilige und das Gemeine" in alle Wege festhalten muß. Es ist demnach ganz in seinem Rechte, wenn es der Vorschrift des Schulchan Aruch (Orach Chajim 151) gemäß Alles, mit der Religion nichtig Zusammenhänge Stehende, wenn auch nicht ihr geradezu Widersprechende, demnach auch die Versammlung da freien Gemeinden, aus dem Innern der Synagoge verweist. Macht daS Bekenntnis) der Fr. G. aber'Anspruch' darauf, Religion zn sein, und ist das Judenthum noch, nicht zu der Ueberzeugung gelaugt in ihm die Religio» ausschließlich zu scheu, wie das wohl vielfach beansprucht wird, kann es sich daher nicht entschließen als ein? Religion in ihm. aufzugchen , so steht es als eine Religion einer andern gegenüber mit» hat nicht mit die Ausgabe der Selbstverteidigung (Apologetik), sondern sc-; gar die des Angreifens (Polemik), auf die es uillcschadet aller Duldung im Leben bei sich zu Hause und rauf dem Gebiete der Wissenschaft nicht verzichten kan». Du wirst aber zugeben, daß die Zulassung eüm nichtjüdischen Gottesverehrnng in einem der jüdisch» (Religion lediglich geweihten Hause mehr sage« will »!s : ftc d u ld en, daß das vielmehr heiße ihr Vorschub! leisten. Kanu aber die jüdische Religion, ohne sich selbst zu verleugnen einer andern Vorschub leisten? Dir > Synagoge, welche die freie Gemeinde in sich aufnimmt, s verliert sie nicht ihren eigenen Charakter, hört sie nicht? damit aus für ihr Dasein, ihre Bedeutung zn kämpfen? — Versuchen wir'S an einigen Sätzen worin das Bcff'enntniß der Fr. G. von dem des Judenthums abweicht deutlicher nachzuweisen. Die Bekcnntnißschristm der Fr. G., soweit sie mir bisher zu Gesichte gekommen sind, stellen .mit ziemlicher Übereinstimmung den Grundsatz auf: Jeder auf Ansehen; (Autorität) gegründete Glauben sei zu verwerfen. Das Judentum könnte dem insoweit beistimmen, als es keinem Menschen als Menschen ein solches Ansehen i» Sachen des Glaubens und Wissens zugesteht. Jusofm ' es aber eine einmalige, für alle Zeiten giltige .©ctf tesoffenbaruug bekennt, die Fr. G. hingegen eine p, ti g e, in der Entwickelung des Menschmgeistes ft kundgebende lehrt, muß jenes in dieser eine GegneM. sehen, gegen die eine Nachgiebigkeit.um so mehr eiB Anerkennung gleich käme, als es dieser ja nur eben darauf ankommt jedes Feststehende (Positive) aufgegeben z"

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