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Der Orient · 1850-09-07 · Heft 36 (7.9.1850) · p. Seite 141

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 36 (7.9.1850)
Date
1850-09-07
Page
Seite 141 (sequence 1)
Language
German
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LAU Berichte, Studien und Kritiken Elfter )rs Abonnment auf in Jahr ist 5 Thlr. Narr abonnirr bei allen öbl, Postämtern und dien solid. Buchhandringen auf ein Jahr. fuc jüdische Geschichte und Literatur Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Won dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. '» Leipzig, dm 7. September 1S50. Inhalt. Deutschland Aus dem GH. Posen. Sendschreiben in Betreff der freien Gemeinden. Kritik der Meisel'- sheir Gutachten. Eisenach. Berichtigung von Dr. Heß. Der hebr. Gottesdienst ist verpönt trotz der Grundrechte. — Oefterreich. Prag. Auszeichnungen. Brisker. Fischt. Geburtstagsfeier des Kaisers. Die Gemeindewahre». Die Beitrittssumme. Mahren. Die Freiheit zur Intoleranz. Wien. Bilder aus dem modernen Treiben. — LB. d. Or. Deutschland. Aus »dem Herzogthum Posen, im Aug. briefliche Mittheilung.) Mein lieber Amitti! Du klagst jjimt Theil mit Recht über die Lässigkeit der Rabbinen ittis dem Gebiete der jüdisch-theologischen Wissenschaft. Bewert die Anklage mich trifft, hätte ich mancherlei Hatschuldigungen dagegen aufzubringen, die, wie ich .glaube, auch für den größten Theil meiner Amtsbrüdev gelten, doch davon ein andres Mal. Jetzt will ich nur über den Gegenstand mich aussprechen, den Du ^vorzugsweise als der Besprechung bedürftig bezeichnest, j Die immer mehr zunehmende Verbreitung der „Freien Gemeinden" nach ihren verschiedenen Richtun- Wn und Selbstbenennungen, sagst Du fti ein Ereigniß, welches die Aufmerksamkeit auch des jüdischen Volksleh- Ms in hohem Grade in Anspruch 'nehme. Du siehst Drin, wenn ich Dich recht verstehe, eine Vermittelung Dö schroffen Gegensatzes zwischen Zudenthum und Chri- Wenthnm, gleichsam einen Schritt zur Erfüllung jüdischer -Weissagung und Hoffnung, meinst, daß von Seiten der Mrtreter jüdischer Lehre ein ernstlicheres Eingehen auf M neue Lehre, wenn nicht gar ein Entgegenkommen DM ihre Verbreiter und Bekenner stattsinden muffe, wunderst Dich endlich aus dicftm Grunde darüber, daß Mf ein Gesuch der Freien Gemeinde in Stettin, wel- Hes Du im Orient Nr. 12 gelesen hast und das, in Dchst brüderlichem, liebevollem Tone gehalten, nur um D'n Mitgebrauch der dortigen Synagoge am Sonntage bat, von Seiten der dortigen jüdischen Gemeinde, an ihrer Spitze Dr. M., ein abschläglicher Bescheid gegeben worden sei. — Du fügst allerdings hinzu, daß Du die dortigen örtlichen Verhältnisse als die Stellung beider unterhandelnden Gemeinden zur übrigen Bevölkerung, zum Staate und zu ihren eigenen Mitgliedern, nicht kennest und insofern der Verweigenmgsgrund diesen ent» uommen sei, Nichts dagegen habest, grundsätzlich aber dürfte eine solche Annäherung eher anzubahnm, als ihr auszuweichen sein. So Deine Ansicht, Du wünschest die meinige zu hören. Zunächst, was den bercgten, bestimmten Fall in Stettin betrifft, so hat Hr. Dr. M. in einer Flugschrift, die Du jetzt wohl schon gelesen haben wirst, derOeffentlichkeit über seinen Schritt Rechenschaft abgelegt. Gestehen muß ich, daß darin die Klngheitsgründe als da sind: Besorgniß wegen des völligen Uebertritts mancher, nicht ganz zuverlässiger Mitglieder seiner Gemeinde, Rücksichten gegen die alten Kirchen und den Staat die vorwiegendsten sind. Es mag dieses in der Eile, mit welcher der Gegenstand behandelt werden mußte, da Dr» M. noch vor der Abstimmung in seiner Gemeinde die Flugschrift gedruckt wünschte, seinen Grund haben. Auch die Herren Oberrabbiner Frankel und Rabbinatsasseffor Sachs stützen sich in ihren, der Flugschrift beigedruckten Gutachten mehr auf diese Vorsichtsmaßregeln und berühren das Grundsätzliche nur flüchtig« Es verdient übrigens, beiläufig bemerkt,'dankbare Anerkennung, daß diese Herren ihr Wort nicht zmückgehalim und darmf 36

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