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Der Orient · 1850-08-31 · Heft 35 (31.8.1850) · p. Seite 139

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 35 (31.8.1850)
Date
1850-08-31
Page
Seite 139 (sequence 5)
Language
German
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— 139 — unbenben Form geleistet/ alle Erfordernisse eines Deputaten erfüllt hat. Die Sache ist so einfach, daß die Gegner nur mit Spitzfindigkeiten den Beschluß des Unterhauses eskamotixen, denselben zu einem puren Unsinn stempeln mußten, um den Eintritt Rothschilds einstweilen zu verhindern. — Dem Abj urationsei d , an. dem Rothschild scheiterte, wird noch obendrein Die streng-rechtliche Giltigkeit bestritten. Alderman Salomon (ein Jude) hat dieses Nechtsbedenken in einer hesondern 'Schrift ausführlich entwickelt. Auch gab es noch den Ausweg, daß Rothschild den parlamentarischen Eid in der für Ka tho li ken vorgeschriebenen Weise, wo die Worte „auf den wahren Glauben eines Christen" nicht Vorkommen, hätte leisten können, und es ist in der That kein Grund aufzufinden, warum bei Juden die hochkirchliche und nicht die katholische Eidesformel Anwendung finde? So viel, glauben wir, ist jedenfalls klar, daß wer im Princip für die Zulassung war, keinen Grund hatte, sich hinter diese Rechts- I'krupel zu verschanzen. Wäre es also Lord Russell Ernst gewesen, die bisher von ihm verfochtene Religionsfreiheit jetzt durch zu setzen, so käme es nicht darauf, die erste Resolution, wonach der Sitz Rothschilds „unausgefüllt ist", mit Hilfe der Tories zum Beschluß zu machen. Aber Lord Palmerston unterschrieb ja am 2. August in Gemeinschaft mit Rußland ein Instrument, das die verbriefte Nationalität Schleswig-Holsteins vernichtet; dieser reaktionären Koneession in der auswärtigen mußte ein Seitenstück in der innern Politik gegeben werden. Lord Russell, der feierlich seine Solidarität mit der Palmerstonsschen erklärte, mußte den Tories konnivicen, nachdem Palmecston eine so inhaltschwere Koneession an Rußland gemacht. Wahrhaft ergötzend bei dieser Debatte war die innere Ohnmacht der Gegner der Religionsfreiheit. Dieselbe Tory- Partei, welche jetzt gegen Rothschild den exklusiv christlichen Staat vertheidigt, verfocht vor 21 Jahren gegen die Katholiken den exklusiv anglikanischen Staat. Sie hatte seitdem das Unglück, von ihren Führern oft verlassen zu werden. Als O'Connel gewählt wurde, stand noch Robert Peel an der Spitze der Tories, erklärte sich aber plötzlich gegen deren Unduldsamkeit für die Emancipation der Katholiken. Der spätere torystische Führer, Lord Bentinck, stimmte trotz der lebhaftesten Vorstellung seiner Partei, für die .Emanoipation.der Juoen.. Die,Tories erwählten später Hrn. D'Jsraeli zu ihrem Führer. Hier waren sie aus dem Regen in die Traufe gekommen. Dieser geniale Romantiker ist jüdischer Abstammung und glaubt sich gegen die „heilige abrahamitische Ra?e zu versündigen, wenn er gegen die Judenemancipation stimmen sollte." — Sir Robert In gl is ist nun gegenwärtig in dieser Frage der torystische Führer. Dieser verdankt sein Mandat dem Entschlüsse Peel's für die Emancipation der Katholiken zu stimmen. Die orthodoxe Universität Oxford, deren Vertreter R. Peel gewesen, wählte ihn deshalb nicht wieder, sondern den R. Jnglis, als den würdigen Repräsentanten, ihrer Intoleranz, Sir R. Jnglis wurde auch bald der heftigste Gegner der Katholiken-Emancipation. Die Katholiken und die Quäker im Unterhaufe hörten nun jetzt aus dem Munde desselben Mannes fast dieselben Argumente gegen die Juden, welche er früher gegen sie aufgetrscht. Daher der geringe Eindruck, den R. Jnglis trotz seiner Beredsamkeit in dieser Sache erreicht hat. Reynolds., der Katholik,, und B right, der Quäker, sprachen als ehemalige Knechtschaftsgenossen, für Rothschild gegen Jnglis, und das machte nothwendig Effekt. Daß Rothschild nicht schon jetzt im Unterhause sitzt, ist nur das Werk des kurzathmigen Liberalismus, der Unentschiedenheit Rüssel's. Jndeß die Sache ist nicht aufgehoben, sondern aufgeschoben. Der Sitz Rothschilds ist nach dem letzten Beschluß weder leer noch ausgefüllt, und das Haus hat sich gebunden, in der nächsten Saison die Frage definitiv zu Gunsten Rothschilds zu entscheiden. Eine kleine Genugrhuung finden wir in dieser einstweiligen Zurückweisung Rothschilds, daß die Mammonkönige der City, welche bei der Wahl Rothschilds wohl noch andere Interessen, als Religionsfreiheit, mitverfolgen, sich ein wenig ereifern und beugen müssen. Nur Schade, daß man hier den Sack schlägt und trifft nicht — Rothschild, sondern die gute Sache der Freiheit. Frankfurt a. <©., 14. Arrg. Auch die hiesige jüdische Jugend stellte ihr bescheidenes Kontingent unter daS vielleicht zum letzten Mal entfaltete Panier deutscher Freiheit. Zwei junge Männer verließen das Oderland und eilten nach dem Eiderstrand den fernen deutschen Brüdern zur Hilfe. Wir wollen ihnen nicht wie den Griechen: ,,mit, oder auf dem Schilds" Nachrufen, sondern wollen sie gerne, mögen sie mit, oder ohne Epaulettes heimkehren, wieder freundlich aufnehmcu. — Zn den Stndirenden an der berliner Universitat, welchen am 3. August für Lösung der Preis-, aufgabcn der Preis zucrkannt wurde, gehört auch ein jüdische Student der Medicin, Hr. Ludwig Pick aus Krotoschin. — Dr. Leubu scher, Privatdocent cm der Berliner Universität ist zum Direktor des neueröffneten Cholera-Hospitals ernannt worden. Es wird wahrscheinlich in weitern Kreisen bereits bekannt sein, wie in der jüngsten Zeit zwischen dem würdigen Rabbinatöassessor Herrn Oettinger zu Berlin und dem Prediger Dr. Holdheim eine Kontroverse über die gemischten Ehen entstand. H. schrieb in Folge dessen eine Broschüre unter dem Titel: ,,Gemischte Ehen zwischen Inden und Christen. Die Gutachten der Berliner Rabbinatöverwaltung und des Königsbergers Konsifiorinms beleuchtet von Dr. Samuel Holdheim". Diese Broschüre ist nicht nur ein Konglomerat der gravirendsten Persönlichkeiten und pfäffischer Kunstgriffe, sondern eine noch nie von einem Juden derart versuchte Verleumdung des Talmuds und des rabbinischen JudmthumS. Es ist dies derselbe Holdheim, der das Fleisch

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