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Der Orient · 1850-08-24 · 34 (24.8.1850) · p. Spalte 533-534

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Journal
Der Orient
Volume
1850
Issue
34 (24.8.1850)
Date
1850-08-24
Page
Spalte 533-534 (sequence 3)
Language
German
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533 Kritiken. Das Sefer Ha-Jaschar von Js. Kaufmann. 534 deren tapferer Führer, Berek, mit manchem Ehrenzeichen geschmückt, in der Schlacht fiel. In den Befreiungskämpfen Igj3—15 fochten in dem österreichischen Heere allein 1700 Juden; 35 Offieiere jüdischer Abkunft starben rühmlich auf dem Schlachtfelde bet Waterloo, wo auch viele jüdische Aerzte und Chirurgen ausgezeichnete Dienste leisteten. —- In der Viedicin-, Astronomie, Mathematik erreichten, ja, nach Maßgabe des gegenwärtigen erhöhten Standpunktes dieser Wissenschaften — übertrafen sie ihre großen Vorbilder im mittelalterlichen Spanien. Doktoren und Professoren, ihrem Bekenntnisse oder doch mindestens ihrer Geburt und Abkunft nach Juden, machten sich in jedem Zweige menschlichen Wissens bemerklich. Die rabbinische Theologie nahm ein wissenschaftliches Gepräge an; die semitischen Sprachen und Literaturen wurden von deutschen Juden mit ruhmvollem Erfolg bearbeitet. Zahlreiche Dichter eiferten Hartwig Wessely nach und bereicherten das neuhebräische Schriftthum mit mancher edeln Schöpfung. Aber auch Ln der Sprache Göthe's und Schillers haben Israeliten in gebundener und ungebundener Rede ihre Stimme mit Talent vernehmen lassen; es fehlt nicht an genialen Tonkünstlern und Malern. Mit Einem Worte, die Juden der Zerstreuung sind in Deutschland in eine völlig neue Phase ihres Volkslebens getreten." Man sieht, daß der Verfasser, obwohl er, dem Glauben nach, nicht mehr dem Judenthume angehöct, doch diesem fortdauernd sein lebhaftes Interesse zuwendet. Es ist dies eine Erscheinung, die in Europa nicht vereinzelt dasteht. Zu Herrn Da Costa kn Holland können wir z. B. Herrnd'Jsraeli in England, Fräulein Fanny Lewald in Deutschland und Herrn Leon Gozlan in Frankreich als christliche Schriftsteller mit einer ähnlichen Vorliebe für die Glaubensgenossen ihrer jüdischen Väter zählen. 18) "»DD, das Buch foont rechten Lebenswandel, angeblich von Rabbenu Tam, nach den ältesten und korrektesten Ausgaben zum ersten Male iu'ö Deutsche übertragen. (Im Original und in Uebersctzung.) Von Isaak Kauffinanu. Ff. a. M» 1850, 8. Das Buch hr-Iaschar, ein Religionsbuch im Sinne des Chobot Ha-Lebabot von Bach ja Ibn Bakoda, wie der Verfasser ausdrücklich itm Vorworte sagt, ist unter den Israeliten von jeher sehr verbreitet gewesen, wie die sehr vielen Ausgaben beweisen, und es ist verdienstlich von Hrn. K., daß er nun eine hochdeutsche Uebersetzung davon besorgt, damit dieses schöne Buch auch in unserer Zeit einen Kreis der Leser finde. Dem Inhalte nach kann dieses aus 18 Abschnitten bestehende Buch nicht als eine Sittenlehre des Judemhums bezeichnet werden, da es große Partien gerade auf Gegenstände verwendet, die durchaus nicht dahin gehören. Um dieses klar zu machen gebe ich hier den übersichtlichen Inhalt der ersten Abschnitte. 1) Die Ansichten des Iudenthums über die Weltschöpfung und den Schöpfer, Zweck dieser Schöpfung und Einprägung, daß nur Gott aber nicht die Welt ewig. Die Schöpfung des Menschen, seine Bestimmung in Bezug auf die Weltfchöpfung, die ethische Folgerung daraus. 2) Die wahre Religion, welche dem Werf. noch in folgenden 3 Punkten besteht: a) in einem reinen guten Herzen, b) in der Ansicht, daß außer Gott alles mangelhaft und c) daß Gott allein vollkommen ist. AE dieser Trias werden alle Phasen der thätigen Religion entwickelt. 3) Der Glaube aus der Erkenntniß und die Erkenntniß aus der Liebe, Scheu vor dem Höchsten und Einsicht. Der Unglaube. Ansichten über Gott und Mensch im Glauben. 4) Das Verhalten des Gläubigen, die Führung des Frommen. Dazu auch Entfernung von antireligiösen Schriften. Die in diese Hodogetik gehörenden Sittenge,setze. 5) Die fünf Kardinaltugenden: Liebe, Ehrfurcht, Einsicht, Weisheit und Glaube und Analyse derselben. 19 Beweise für die Unsterblichkeitslehre und daß es Lohn und Strafe giebt. 6) Oie zur Religiosität führenden Sitten und die Laster, welche davon den Menschen abwenden. Anleitung für die Askese. 7) über die Buße. 8) Die verschiedenen Weisen der Gotteserkenntniß. — In diesem Sinne geht es weiter und es folgt noch eine Eschatologie, so daß die Bezeichnung Religionslehre, im weitesten Sinne gefaßt, am richtigsten ist. Der Styl dieser Religionslehre ist populär und doch elegant, der Verf. sagt auch im Vorworte, daß er nur darum neben den vielen Religicnslehren, namentlich neben Chobot Ha-Lebabot auch eine verfaßt, weil jene noch immer zu gelehrt und philosophisch gehalten waren; aber trotz dieses populären Styls schreibt der Verf. nicht ohne Schwung, oft sogar bis zur Poesie sich erhebend, und obgleich er namentlich nur des Dach ja Ibn Bakoda (öfter) und des frODTl (Absch. 13) erwähnt, aus Letzterem ein Stück anführend, so merkt man doch durch das ganze eine sehr große Belesenheit, wie auch der Verf. übrigens dies auch öfter sagt. Citate kommen übrigens noch vor unter dDPT» *U3tt oder wo bald Moralsentenzen und^.Philosopheme, bald Verse aus Tochachot u. dgt. angeführt werden, und aus der ganzen Haltung, aus dem Style wie aus den Citaten des Buches merkt man gleich, daß der Verfasser in einem Lande gelebt haben müsse, wo noch eine blühende literarische Kultur war, und zwar muß er nach Maimonides und zu einer Zeit gelebt haben, als die traurigen Zeitverhältnisse schon zum Mysticismus trieben und man des häufigen Abfalles wegen gegen die Philosophie auf? zutreten begonnen. Und in Betracht, daß Jos. Ia'abez in seinem Or ha-Chajim (p. 23) und Abr. Saba' kn seinem Zeror Ha-Mor (par. Nizabim) dessen bereits als allbekanntes Buch von nicht unbedeutender Autorität gedenken, so scheint es um c. 1300 schon verfaßt gewesen zu sein. Dem großen Religionswerk von Jona Gerondi, das ^2 geheißen und von welchem rrüN , mitMin , DNVn "»DD nnwnn, die gedruckt, nnvnn nu ">M unb-mmn "»M (cilirt in Scha'ar ha - Teschuba) nur Theile sind, scheint das Ha-Jaschar, wenn man beider Gedankengang beachtet, vorge- 34'

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