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Der Orient · 1850-08-24 · 34 (24.8.1850) · p. Spalte 531-532

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Journal
Der Orient
Volume
1850
Issue
34 (24.8.1850)
Date
1850-08-24
Page
Spalte 531-532 (sequence 2)
Language
German
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531 Kritiken. Israel und die Heiden. Bon Js. da Costa. 532 J Spanien. Etwas später trat ein neuer östlicher Bestandteil dazu: die Sarazenen brachen, herein, nahmen als Sieger von der Halbinsel Besitz, die nur Schritt für Schritt allmälig von den Christen zurüüerobert wurde." — Die Juden nun, schon in den Zeiten der Römerherrschaft als Ansiedler bekannt, und die bei der maurischen Invasion ihre Hand mit im Spiele gehabt haben sollen, bildeten Ln dem ohnehin stark orientalisirten Lande nur einen morgenländischen Grundstoff mehr, und zwischen ihnen und der übrigen, spanischen Gesellschaft bestand keine solche Volksantipathie, die sie unter den anderen Nationen so sehr isolirte. „Die Juden sammelten nicht nur Reichthümer, sondern stiegen stufenweise zu den höchsten Staatswürden hinan und machten bedeutende Fortschritte in den verschiedenen wissenschaftlichen Gebieten. Oie hohen Schulen von Cordova, Toledo, Barcelona und Granada wurden von ihnen in Massen besucht, und sie wetteiferten mit den Arabern, das Licht der Wissenschaft zu unterhalten, während das Mittelalter in tiefster Nacht lag. Wie man auch über ihre Erfolge in der spekulativen Philosophie urtheilen mag — unbestritten bleibt ihnen das Verdienst, zu den praktischen und Erfahrungs- Wissenschaften das Ihrige rühmlich beigcsteuert zu haben. Sie waren fleißige Reifende in allen Theilen der damals bekannten Erde; kompilirten Reisebeschreibungen, die sicü in jüngster Zeit als höchst nützlich erwiesen, und brachten Vocra'the von ausländischen Produkten und orientalischen Arzneien in die Heimat zu bedeutender Bereicherung der vaterländischen Pharmakopöe. In der Arznclkunde erlangten sie eine solche Gewandtheit, daß sie ihnen gewissermaßen als Monopol zusiel. Sie machten große Fortschritte in der Mathematik, namentlich in der Astronomie, ohne deswegen das Feld des Schönen unangebaut liegen zu lassen: vielmehr lebte der alte Ruhm der hebräischen Muse wieder auf. In der That, es war das goldene Zeitalter der neueren jüdischen Literatur." Nachdem der Verfasser die berühmtesten Namen dieser Periode: IbnEsra, Maimom'dls, Ieh. Ha-Levi, el-Charisi u. A., aufgeführt, beschreibt er das traurige Ereiguiß der Vertreibung der Juden von der Halbinsel, wo sie seit Jahrhunderten so herrlich geblüht hatten, um dann auf die weiteren Schicksale der Sefardiner zu kommen, die sie bei ihrer Zerstreuung über die verschiedenen europäischen Länder erfuhren. Urberall, wie gesagt, zeichneten sich die Sefardiner vor den übrigen Juden aus. Das Gedächtniß ihrer früheren Größe in Spanien bewahrten sie in dem Schatze der in ihrer Gesammtgemeinde eignenden Sagen, als kostbares Kleinod, das ihnen gehörte. „In welchem Lande auch sie sich ansässig machten, sprachen sie unter sich die spanische Sprache, die in den Familien von Geschlecht zu Geschlecht fortrrbte. Manchem Scfardi war die heilige Schrift in der spanischen Übersetzung geläufiger, als in der hebräischen Ursprache, und viele schrieben noch lange nach jener unseligen Austreibung Prosa und Verse in spanischer oder portugiesischer Sprache, mochten sie in Italien, den Niederlanden, England, Afrika, Kvnstantinopel, selbst in Jerusalem ihren Wohnsitz aufgeschlagen haben. Der Gebrauch dieses Idioms im Hause, im Umgänge mit ihresgleichen, in der Liturgie, in ihrer Privat-Korrcspondenz, ft ihren kaufmännischen, Büchern, bei Todes- und Heirathsan, \ zeigen, erstreckte sich bis zum Anfang dieses Jahrhunderts."»! 1 Unter den neueren sefardisch-wiffenschaftlichen Summitä-! len bespricht da Costa besonders Manaffe den Israel, Uriel ) | da Costa, Benedikt Spinoza, Thomas de Pmedo. Aber wr-! f der hier, noch dort, wo er in dem vierten und letzten Theilr l seines Buches die Beziehungen des Judenthums zu der nicht- § jüdischen Welt seiner Betrachtung unterwirft, dringt er tiei | fei* als unter die Oberfläche. Wer eine gründliche Würdsi j gung der geistigen Bestrebungen der Iudenheit in der Neuzeit sucht, muß sich nach anderen Gewährsmännern Umsehen. So kommen seine Bemerkungen über „Mendelssohn und seine f Zeitgenossen" nicht über das Gemeinplätzige hinaus; und an demselben Uebel leidet seine ganze Untersuchung über die j jetzige Lage der Juden in Deutschland. Wir geben nachstehende Probe aus diesem Kapitel: i „Der Stoß, der von Frankreich am 24. Februar 1848 ausging, rheilte sich Deutschland mit und brachte hier längst gehegte Entwürfe, Theorien und Verschwörungen zum Ausbruch. Es ist bekannt, daß durch das revolutionäre Prinzip die Emancipation der Juden in ihrem vollen Umfange zugleich mit der gänzlichen Auflösung des deutschen Bundestages ins Leben, traten. Eben so bekannt ist der bedeutende Anthril der liberalen Juden aller Farben an den jüngsten Bewegungen in Böhmen und Ungarn. Viele Zeitungen in Oesterreich und Preußen werden von Juden redigier. Juden von der ultra-radikalen Partei saßen in der Rcicheversammlung zu Frankfurt und kn der Nationalversammlung zu Berlin. Unter den Frankfurter Abgeordneten bemerken wir Dr. Riesser, Dr. Welt, Cohen (v?), Hartmann, Kuranda. Eines der heftigsten Glieder der äußersten Linken in der preußischen Kammer war Dr. Iacobi. Dr. Jellinek und Dr. Becher in Wien büßten ihre politische Ueberschwenglichkeit mit dem Leben. — Aber nicht blos auf diesem Gebiete gewahren wir die Symptome von Leben und Thatkraft unter den Juden. In Deutschland und Polen, wie in Frankreich, haben sie seit der Revolution von 1789 bewiesen, daß der kriegerische Geist der Makkabäer in den Enkeln nicht ganz erstorben sei! Bereits um Las Ende des vorigen Jahrhunderts bildete sich untcc dem Banner Kosciuszko's eine Schaar jüdischer Freiwilligen, 1) Eben so erben auch die deutschen Juden in Anrenka die deutsche Sprache auf ihre Kinder und Enkel viel häufiger fort, als die dortigen deutschen Christen, was man zumTheil dem Umstande beimißt, daß sie sich in der Regel nur mit ihren Stammesgenoffen und nicht mit Anglo-Amerikanern verheiralhen. D. R. 2) Mit alleiniger Ausnahme von Moritz Hartmann gehörten diese Männer jedoch sämmtlich der gemäßigten, ami« radikalen Richtung an. D. R.

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