Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1850-08-24 · Heft 34 (24.8.1850) · p. Seite 135

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 34 (24.8.1850)
Date
1850-08-24
Page
Seite 135 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2360092-2360634-2360669--7148-3535941
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

heute faktisch eme her PlMtzer ähnliche Marktordnung; doch wird diese leicht Wfgehohen tverhm,, da m.ait daftlLK mit der Ertheilnjlg von Bürgerdefteten an Juden nicht zögert, und diese Ertheijungen m keine andern, als die gewöhnlichen Bedingungen knüpft. Auch hier bestand ehemals ein sogenannter gerichtlicher Transakt zwischen der Bürgerschaft und den Juden, wodurch letztere im Handel mit mancherlei Waaren äußerst beschränkt wurden.. Leicht kann ich zu einer Abschrift dieses Transaktes gelangen, der. den augenscheinlichen Beweis liefert, der Judenhaß habe weit öfter in Materiellen Ursachen als in Vorurtheilen gewurzelt. In Schopka nächstMelnik schwankte die Wahl zum Gemeinderathe trotz mehrmaligen Abstimmens' zwischen dem Pfarrer und dem Handelsmanne, Herrn EmanuelPick.. Nachdem cndllch die öffentliche Abstimmung für den wahrhaft humanen Herrn. Pfarrer entschieden hatte, wurde die Berwaltzmg der reichen Gemeindekasse einstimmig an Hrn. P ick übertragen,. Ueberhaupt schwindet der Judenhaß in Nordböhmen immer mehr, und nur der unbedeutende Ort M. macht hierin eine komische Ausnahme. Dort sollen, wie das Gerücht sagt, die Einwohner keine Juden in ihrer Gemeinschaft dulden wollen, ja sie sind fest entschlossen, sobald sie die vielen geleisteten Vorschüsse an die Ju- Werden zrrrückgczahlt haben, keinem Juden mehr in dem Haust eines christlichen.Besitzers ein Omrrier zu Mmjethen. Doch, hat es damit noch gute Weile^ Schließlich will, ich Ihnen,., eine lustige. Anekdote erzählen: Unlängst reiste ein hiesiger Handelsmann in eine der sächsischen Grenze nahe FabrikSstadt. Dort inrgekvmmen, ließ er sich im Gasthanfe ein Glas Wein reichen, das er ruhig an sturem Tische schlürfte, wo sich jedoch bald, als an cinem Sonntage, mehrere Bürger und einige höhere Angestellte der Fabriken einfanden. Ein Anwesender schimpfte weidlich über Konstitution, Emaneipation und wie gewöhnlich über die Juden, und wandte sich endlich an den Reisenden mit der Frage: „Run, werden die Juden nicht zum Andenken an diese Befreiung ein neues Passah gründen; ist diese Befreiung doch fast wunderbarer, als jene aus Egypten?" „Keineswegs sind diesmal so wie! Wunder geschehen," erwiderte der Jude,, „fccmj dort, erzählt die Bibel., habe kein Hund seine: Zu-ige. hie- KjMp Jsra.els. ansgesteckt.," W.. Bst Großbritannien. Lon-yn, 6. Allgust. Im Unterhause, stellte gesternder Generalanwall die in Betreff des Nothschild'- schen Falles angekündLgien Resolutionen, nämlich : 1) daß der Baron nicht, berechtigt ist, während irgend einer Debatte im. Hause, zu stimmen oder zu sitzen, bevor er den AbschwdnmMidm der. gesetzlich vcrgeschricbenen Form geleistet hat; nnd. 2) daß daS HauS in der nächsten Session die . Form jenes Eides in Betracht ziehen wird mit Rücksicht auf dje jüdischen Uuterthanen Ihrer Majestät. Der Gtneralanwalt erklärte zunächst, daß beide Resolutionen getrennt seien, so daß es einem jeden Mitgliede freistehe, dieselben einzeln zu verwerfen oder anzunehmen. Wie das Gesetz gegenwärtig stehe, sei. der vorliegende Fott folgender: Einer, der sich zum jüdischen Glauben bekenne, sei zum. Parlamentsmitgliede gewählt worden und habe weder Sitz noch Stimme, so langer nicht den Abschwörungöcid in einer Form geleistet habe, in welcher ein gewissenhafter Jude ihn leisten könne. Dessenungeachtet sei der Sitz nicht leer und es gäbe keine rechtmäßige. Gewalt im Hanse, welche ihn für leer erklären oder eine neue Wahl ausschreiben lassen könne. So sei durch die bloße Form einiger Worte, die nie dazu bestimmt gewesen Juden auszuschließen, der betreffende Mann verhindert, seinen Sitz einznnehmen, und seine Kommittenten seien seiner Dienste im Parlamente verlustig. Dies sei der widersinnige Zustand des Gesetzes, und es liege dem Hause ob, sobald wie möglich in der nächsten Session einem selchen Zustande ein Ende zu machen. Der Verbesserungsantrag Hume's unterscheide sich nicht wesentlich von den Resolutionen, nur enthalte er den absoluten Ausspruch , daß der Baron seinen Sitz einnehmen könne.. Znm Schluß rühmt der Redner daS angemessene Verhalten, die Festigkeit und die Mäßigung-, welche Hr. v. Rothschild im ganzen Verlauft dieser Angelegenheit gezeigt habe. Hr: Hume,behauptet, das Haus dürft nicht in der Art über die Frage' zum voraus absprechen, daß es erkläreHr: von Rothschild sei nicht zu Sitz und Stimme berechtigt.. -Er stellt-seinen Verbesserungsantrag,-des Jnhaltsdaß, da der Baron" Rothschild die Eide auf das Alte Testament, indem dies für sein Gewissem am meisten bindende Form sei,, geleistet und auch dem.Abschworungseid mit Auslassung der Worte:., „auf der: wahren Glauben eines Christen" abgelegt habe^ und da> Zweifel über die rechtliche Kraft dieser Eidesleistung entstanden seien, eö angermsftri jst, in der nächsten Session ein Gesetz , zur. Erklärung des Gesetzes.. emzuführen - und daß das. Haus dann, den, Gegenstand der Eide, mit Bezug auf die Veränderungen,, die sie. seit ihrer. Einführung erlitten., in Betracht ziehen wird. Hr. Anstey unterstützt den. Verbesserungsautrag. Hr., D'Jsr.aeli. erklärt, er habe bisher, nicht an der Debatte theilgenommen, weil sie streng rechtlicher Natur gewesen sei., Anders stehe es mit. den vorliegenden Resolutionen, die. man aus dem Standpunkte des Rechts und aus den der. Politik betrachten könne. Die. mißliche Lage,-in welcher sich das Haus gegenwärtig, befinde, habe es. der. Negierung zu verdanken. Für die Resolutionen könne er seine Stimme nicht akgeben. Die erste enthalten, eine Erklärung des Gesetzes,, ein; solches Verfahren sei eben

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.