Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 34 (24.8.1850)
- Date
- 1850-08-24
- Page
- Seite 136 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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136 nicht besonders konstitutionell und dürfe mir kn Fallen der äußersten Noth'angewendet werden. Die zweite Resolution binde bte Politik des Hauses für die nächste Session; dies sei unpolitisch und lasse sich nur in den dringendsten Ausnahmcfätten rechtfertigen. Sei eine Abänderung des Gesetzes nöthig, so möge man sie in verfasstrngsmäßiger Weise vornehmen. Niemand sei ein wärmerer Freund der Emancipation der Juden als er, und er hoffe, daß man bald den Abkömmlingen einer Raye, die'als heilig anerkannt sei, und die sich zu einer göttlichen Religion' bekennt, volle Gerechtigkeit angedeihen lassen werde. Nach einer langen Debatte, an welcher Sir N. Jnglis, Roeluli, Reynolds, Wood und Gulburn theilnahmen, wird Hrn. Humes Verbcsftrungsantcag angenommen. Personalchronik und Miseellen. Brody. Da jetzt der Grundbesitz gesetzlich den Israeliten zugänglich geworden, so beginnen nun unsere Glaubensgenossen endlich sich, auch diesem Zweige zuzuwendcn. Ich rede nicht von den Reichen, die herrschaftliche Güter erwerben und die Güter daher mehr als Handel ansehen, sondern von denen, die sich einen kleinen. Besitzstand erwerben und selbst bearbeiten. Um auch der ärmeren Klasse das möglich zu machen , regen Einige die Gründung eines ,,Vereins zu Förderung des Ackerbaues unter den Inden" an, wie dergleichen Vereine auch in Deutschland schon lange vorhanden sind. * * * Ungarn. Nach Berichten ans dcnTheißgegcnden geben sich die Israeliten daselbst dem Ackerbau hin und sollen Brachfelder bereits urbar von ihnen gemacht werden. Das verwüstete Land kann auch fleißige Hände brauchen. * » * Pesth. Der israel. Dr. I. Hirsch ler ist als Landesoculist im Pesther und Grauer Komitat mit dem Standorte Pesth angestellt worden. — Der israel. Wundarzt Jos. Pollak ist als Assistent bei der hiesigen Ceutral-Jmpfanstalt mit einem Gehalte von 20 fl. monatlich von der Regierung angestellt worden. Der in ganz Oesterreich bekannte Augenarzt Dr. H. Low (Jsr.) hat aus Italien die Aufforderung erhalten, sein erfundenes Instrument für Staaropcrationen dem allgemeinen Gebrauche' zugänglich zu machen. Die gesetzliche Gleichberechtigung arbeitet nun unermüdlich der gerechten'Anerkennung vor. Leipzig. : Hier sind vier Israeliten ans Galizien und Polen an der Cholera gestorben. Die meisten der jüd. Fremden haben sich nach den Badeorten begeben. Jetzt ist die Cholera bereits fast verschwunden. * * -* Lemberg. Der lat. Erzbischof von Baraniczki entschuldigt sich in den Zeitungen, daß er in Brody bei der Durchreist freundlich gegen die Juden gewesen und die Tora geküßt , d. h. er sucht diese ungeheuren Verbrechen zu leugnen. Wir hätten nimmer dem.Hrn. Baraniezki solche Erbärmlichkeiten zugetrauet. Verachtung dem Verachtung gebührt. 4 * Preßburg. Da der hiesige jüdische Vorstand für seine Gemeinde der schlechteste in Ungarn ist, so ist es kein Wunder, daß die Gemeinde erbärmlich und intolerant» Die Einverleibung der Jndengemeinde und die Emancipation des Schloßberges, die Zertrümmerung der Schranken des Zunftwesens , kurz alle Segnungen der Verfassung suchen unsere Vorsteher und die Spießbürger zu vereiteln. Möge hier die Regierung kräftig einschreiten l , * ♦ O fen. Die alten Zunftschranken, die bis alö durch das Kreuz geheiligt, alle Juden abgewiesen, fallen nun auch hier mt in Wien und anderswo. Inden werden zum Meisterrecht zugelassen. 4' ■ s ' 4 Prag. Der Hauptgegenstand unserer Tagesfrage ist jetzt die Wahl der Stadtverordneten, eines Collegiums, wo wir bis jetzt nur sehr schlecht vertreten waren. Da unsere Judenstadt, jetzt Franz-Josefstadt genannt, dieses Terrain städtischer Vertretung nicht, ganz Judenfeinden überlassen will, so hört man bereits als Kandidaten nennen Dr. Gitschin, Landau, v. P o r t h e i m, Dr. Przibram u. a. m. Wenn ein Erfolg sich Herausstellen sollte, so werden Sie zur Zeit eine Mittheilmig erhalten. 4 4 4 Aus Mähren. Aus glaubwürdiger Quelle erfahren wir, daß die Israeliten in Eibcnschütz in Mahre» , nachdem die dortige» christliche» Mitbürger ihnen die Aufnahme verweigert hatte», zur Wahl eines Gcmcindcrathcs und Bürgermeisters schritte»; demnach ist J Eibcnschütz so glücklich, den erste» jüdischen Bürgermeister in der große» österreichischen Monarchie zu besitzen. Das Hine kaum 20W Einwohner zahlende Eibenschütz hat also zwei Bürgermeister. Uebrigens gedeiht dort seit langer Zeit Spargel und Judenhaß. B erlag von C. L. F r i tz s ch e. Druck von I. H. Nagel.