Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 33 (17.8.1850)
- Date
- 1850-08-17
- Page
- Spalte 517-518 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/8555529-9891031-9891082--6499-3535931- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
517 Kritiken. Landau, herbeizufü'hren, und einflußreich erhaltend, fördernd und stärkend auf die Entwickelung der andern Staatenbündniffe, in denen es einverleibt ist. Die Sittenlehre der Bibel ist' nicht allein von der Vernunft und von dem Verstände begründet, sondern sie wird durch Mittel vorbereitet, welche die göttliche Gesetzgebung zur Läuterung der innern Anstande darbietet, um Anlagen zur Sünde zu vertilgen und die Gottes Ebmbildlichkeit wieder herzustellen. Fichte sagt: „Handle so, daß du immer unabhängiger von der Natur und deiner Sinnlichkeit werdest, und auf diesem Wege zur innern unendlichen Freiheit gelangest»"- Selbst der freisinnige Abravanel stimmt der Ansicht bei, daß das göttliche Gesetz manche Speisen verboten habe, weil sie in den Menschen ein Flammen der Begierden bewirkten und die vielen unedlen Stoffe, die solche Gefühle entfalten, vermehrten. Dagegen wurden wir durch Erfüllung der Verordnung der Offenbarung von der gereizten Sinnlichkeit ziemlich befreit, sie wird zerstiickt und der menschliche Körper wird ein Organ der Seele, ein Tempel Gottes, in welchem die Vernunft das geistige Leben nach höheren Zwecken ordnet. Die Wegräumung der Hindernisse zur Ausführung der Anforderungen der Vernunft, die Ermöglichung moralischer Handlungen lehrt das göttliche Gesetz; hingegen war die griechische Philosophie nicht im Stande, die Widerstrebungen der Sinnlichkeit zu beschwichtigen und die Vereinigung des Sinnlichen in dem Uebersinnlichen zu bewirken. Hierauf bezieht sich der Vers: „Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich, der Ewige." Es ist daher sehr schade, daß der groß? Maimuni bei der Aufführung der Gründe für die heiligen Ceremonial-Gesetze hauptsächlich das Prinzip des Monotheismus berücksichtigte, die ratio legis darauf gründete, und das heilige Hauptprinzip der Moral unberücksichtigt ließ. Sein tteffliches Werk More Nebuchim ist beinahe ganz ethiklos, er hat ganz die heilige Ethik zu würdigen verabsäumt und diese als eine Hauptquelle mitanzugebcn, aus der die Gründe vieler Gesetze entspringen. Er vergaß ganz die Deutung der Tradition zu dem Vers , Zer. 16, 1t, wo beide Prineipien der Religion angeführt sind, und sogar das der Moral höher gestellt wird und daß das eine Prinzip nur Ln Verbindung mit dem andern seinen wahren Werth erreicht. Wenn ein Sokrates iin Besitz der Wahrheit von Tausenden von Götzendienern war, so giebt dies die Ueberzeugung, daß die Wahrheit nicht durch die Vielheit ihrer Bekenner zur Wahrheit wird. So war es auch mit den Wahrheiten, in deren Besitz Zsrael war; es kehrte sich nicht an seine eigene Kleinheit im Bewußtsein des Besitzes der reinen Wahrheit. Nun wollen wir zur Erklärung des positiven Gesetzes der Liebe übergehen. — Wenn wir glauben, daß Gott in der edlen Menschheit sowohl Individuen als auch Familien und Völker erwählt, die ihre besondere Mission auf Erden haben, so können wir beinahe gar nicht in Abrede stellen, daß diese heilige Mission Israel, zu Thcil geworden ist. — Abraham, war. der Ahnherr einer zahlreichen Nachkommen- Politik und Moral. 518schaft, die den Glauben an einen einigen Gott promulgirten, Moses, derjenige, der das Sirtengesetz bekannt machte. Die Idee der Einheit der Gottheit ist im Innern eines Israeliten mit dem Begriffe der reinen Moral vereinigt, wodurch die metaphysische Idee von Gott durch den Glauben an seine moralischen Eigenschaften zum wirklichen und handelnden Gotte wird. Zur Ausführung beider waren Vereine und Bündnisse erforderlich. Der Familienbund war nach der Uroffenbarungin seinem Ursprünge selbstständig und.Grundlage des nachherigen Gottesstaatcs. Abraham forderte beim ersten Vernehmen, wie Lot in Gefangenschaft gerathen war, seine Geübten zum Ausziehen gegen dessen Feinde auf und bewirkte durch blutigen Kampf, mit größter Uneigenniitzigkeit seine Befreiung, Gen. 14, 14. 24. Mt wahrer Entrüstung und Lebensgesahr haben Simon und Levy die Ehre ihres Hauses zu retten gesucht. Gen. 24. — Die Leviratsehe war damals schon Mittel zur Erhaltung des Familienbundes. Gen. 38. Ein Begräbnißplatz wurde erkauft für die ersten Stammha'upter der Familie, gleich den später» Begräbnißpla'tzen der Könige. Gen. 23. Diese Familieneinrichtungen der früheren Zeit waren nach der Form des späteren heiligen Staates, sie stärkten die Familienbande und die einzelnen Familien führten auch die Namen ihrer Häupter (Gcrsoniten, Ebroniten, Korahiten re.), da die Förderung des Gesammtintereffes der Genossenschaft in den Händen des Hauptes (ptf war. Alsdann bildeten sich aus diesen Familienvereinen zwölf Stämme, auf welche nachher der Staat errichtet wurde, welcher eine Vorbereitung zur Einweihung des heiligen Bundes des Gettesstaates war. Es waren daher keine Sonderbündnisse; denn der kräftige Staat war der hohe Stand der Einheit, dem die andern Bündnisse als Wurzeln dienten, um ihn in den Stürmen der Weltereignisse zu erhalten und sie allein brachten Leben und Gedeihem in dem Wolkvereine. Die Bestrebungen zur Korporation sind'dem Israeliten von frühester Jugend ein gepflanzt. Der höhere Bund der Theokratie wurde durch die andern Bündnisse nur gestärkt. Ehe, Familie und Stammbündnisse waren die großen Stützpfeiler der Einheit des heiligen Staates. — Nicht der schrecklichen Revolution Frankreichs haben wir den Namen Brüder, Brüderschaft an unsere Staatsgenoffen zu verdanken, sondern der Uroffenbarung. Der Genosse einer jeden Familie wurde Bruder genannt. Gen. 14, 14 und 9, 5. Die Genossen des israelitischen Staates haben sich ebenfalls gegenseitig Bruder angeredet, selbst Lot spricht die Staategenoffen von Sodom mit dem Worte Brüder an. Gen. 19, 7. (Fortsetzung folgt.)- 16) Oalendariv Ebraico per \enti secoli esleso con bihtvo melodo da 8. D. Luzzatlo da Trieste profcssore nelL’ Istiluto Rabbinico di Padua socio correspondenle dell’ I. R. Istilulo Yeneto. 33*