Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1850)
- Date
- 1850-07-27
- Page
- Seite 119 (sequence 5)
- Language
- German
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119 lange vor der Versetzung hatte, sondern mit dem ihrer Entstehung! Die Juristenfacuttü't soll nicht aus der Autorität des Staates Docroren creiren! Aber in wessen Autorität denn? Im Namen der römisch-apostolischen Autorität? — Wir warten nickt, bis die Herren H u f ch k e und Abegg, welche — wie eine einfache Berechnung ergiebt — den Beschluß mit gefaßt haben, über diese Tendenzen Rintel's sich erklären werden. Wir antworten mit den Statuten. Herr Rintel citirt aus § 1 der Vereinigungsurkunrde vom 3. August 1811, daß die Leopoldina und die Frankfurter Uni-; vcrsität auch in Ansehung der Verfassung eombi- .nirt seien. In den Statuten von -1816 heißt-es aber aus- ' drück!ich in der Einleitung: „Wir wollen dir früheren Statuten , sowohl der vormaligen Universität zu Frankfurt a* d. O., als auch der ehemaligen Leopoldimschen Um'verfität zu Breslau hierdurch ausheben und außer Kraft, wie auch die nachfolgenden Bestimmungen in Allem, was die Verfassung angeht, an die Stelle des oben erwähnten vorläufigen Vereuckgungsplanes setzen." §> 1. Die Universität zu Breslau „soll als Lehranstalt und als eine privilegirw Korporation unter Unserem landesväterlichen Schuye, alle Rechte einer Universität genießen, vorzüglich auch das Recht, akademische Würden zu er t hei len." - Die hiesige Universität ist also durch und durch die n eue Breslauer Universität) sie sieht einzig und allein auf Grund und Boden des Staates, und in seinem Namen ertheilc sie Würden. Herr Rintel lhat nicht klug daran, Herrn Profesior Wilda zu berichtigen, da er dadurch seine beruchrigttn Ansichten verrathen. Für Rintel ist die juristische Fakultät, so wie beinahe die ganze hiesige Universitär cm katholisches Institut, und es ist gar nicht zufällig, daß er sie mit dem katholischen Gymnasium verglelchr. Nach diesen Ansichten aber muß er nicht nur Juden, sondern auch den P r o t e sta ii t e n die Doktorpromotionen hier versagen. Er will übrigens jede Unlerrichtsanstalc zu einer kirchlichen machen, and daher kennt er die Lehrämter nicht als Scaarsämrer an. Wir wundern uns also nicht, daß die -,neue Seite", von der aus wir den Fakultälsbeschiuß beleuchteten, ihn überraschte. Es erschien ihm als eine arge Ketzerei, daß wir die hiesige juristische Fakultät als eine dem Staate untergeordnete bezeichneten. Aber er mahnt uns auch an die akademische Freiheit! Es ist Sache der juristischen Fakultät, sich über Hrn. Rintel als ihren arlvocatus zu freuen; die Freiheit aber bitten wir ihn mit seiner Vertheidigung zu verschonen. Möge Hr. Rintel nur immer ein Feind der Freiheit bleiben, sie wird mir ihm so am leichtesten fertig.; als F.reund wird er fast gefährlich- Wir haben an dieser Stelle oft genug für jede Freiheit gestritten. Wir fürchten uns nicht einmal vorder Freiheit der Jesuiten. Wir werden aber stets mit aller Kraft gegen die Freiheit kämpfen, welche die Freiheit zu r U-n Le r d rü ck u NH A n d e r e r ist. — Wir haben den Wunsch ausgesprochen, .daß die Fakultät ihre Motive öffentlich entwickeln möge. Unsere Absicht war, unsere Waffen mit den ihrigen zu meffcn. Hr. Rintel genügt uns nicht. Er mag eine große Gelehrsamkeit im Kirchen- und deutschen Recht besitzen. Aber, er hat seinen Standpunkt über den Bergen, seine Grundprincipien sind so sehr g e g e n unseren gesammren Rechtszustond, daß man sie nicht nöthig hat, zu widerlegen, sondern nur aufzudecken, zu entlarven. Wir wiederholen unseren Wunsck, daß die Fakultät bald einen geeigneteren Kämpfer ins Gefecht schicke. Irenaeus. Breslau, im Juli. Am 5. Juli starb einer der bcschäftigsten Aerzte unserer Stadt, Herr Dr. G-ntten tag. Wenn mich kaum 64 Jahr alt, zeigte er doch das Aussehen tineS körperlich welken Greises, den nur ein kräftiger, unermüdlicher Geist aufrecht erhielte Wer so viel gearbeitet und gewirkt im Leben, wie Dr. Guttentag, kann ruhig ans -demselben scheiden. Er hatte mit Bewußtsein seine Laufbahn abgeschlossen, er wußte fast die Stunde seines Todes voraus, und er starb lieber, als daß er noch länger hätte in einem Zustande leben sollen, der es ihm unmöglich machte, thätig zu sein. Sah man diesen schwächlichen,- beim Gehen oft scheinbar znsanimenknickenden Körper, so war die Rüstigkeit des eifervollsten Wirkens um so stannenswerther. Der Arzt Guttentag kannte keine Ermüdung. Die große Zahl von Kranken, die er täglich besuchte, die seinen Rath zu holen, in sein Haus wallsahrteten, spannte seine Thatkrast nicht ab. Die Wissenschaft der Medicinfand in ihm einen ebenso eifrigen Forscher, als er in der Kunst der Medicin Meister war. Was die Literatur seines Berufes Neues zu Tage förderte, las er mit dem ihm eigenen scharf prüfenden Geiste durch. Er war ein Feind neuer Theorien, die oft wie Seifenblasen "aus dem Hirne praxisloser Acrzte entspringen; aber er hing nicht starr au festgekeilten Ansichten. Nur wo die -Erfahrung ihm gebot, war er unerschütterlich. Das erprobte Neue nahm er gern auf. Leider schreiben die Aerzte, welche das Beste lehren können, am wenigsten. Wollte jeder Arzt, der eine große Praxis hat, die Quintessenz seiner Erfahrungen der O öffentlich seit schenken, wie es in den letzten Jahren Rademacher gethan, wir würden, statt zahlloser, znsammengestoppelter und aus Citaterl zusammengeftickter Handbücher, die voir Lügen und Jrrthmncrn strotzen, sichere Wegweiser füx junge Aerzte haben, und es würde sich manche Wahrheit fcststellen lasst« , wonach., auf Kosten dev Kranke«, mit Experimenten herumgetappt wird. Dr. Gnttentags schriftstellerische Tätigkeit erstreckt sich nicht über seine Rccepte hinaus. Wenigstens hat er wenig oder nichts der Oeffentlichkeit übergeben. Neben seiner Berufswissenschaft behielt Dr. Guttentag merkwürdiger Weise auch noch Zeit für allgemeine wissenschaftliche Thätigkcit übrig. Elassische und moderne Literatur, Philosophie und selbst