Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1850-07-27 · Heft 30 (27.7.1850) · p. Seite 120

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 30 (27.7.1850)
Date
1850-07-27
Page
Seite 120 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2360092-2360634-2360665--7129-3535886
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

120 Theologie nahmen ihn in Anspruch, er verfolgte die Fortschritte dieser Kundgebungen menschlichen Geistes nach allen Richtungen. Er wollte das Leben erfassen, wo es sich schaffend zeigte, wie er das Leben Anderer erfaßte, um es von den Qualen der Krankheit zu befreien und der gierigen Mordlust des Sensenmannes zu entreißen. Dr. Gn.ttentag war durch reiches Wissen, durch Geistesklarheit und durch einen Scharfblick ausgezeichnet, welcher allein die Große des Arztes bestimmt. Man nennt dm Arzt Heilküustler. Diesen Namen verdient eher der Charlatan. Der echte Arzt ist der Künstler des Erkennens, in welchem sich Wissen, Erfahrung und Scharfblick Vereinen, den Sitz und die Beschaffenheit jedes Uebels fest zu bestimmen. Wo Klarheit hierüber vorhanden, ist die Wahl des rechten Mittels minder schwierig, wofern Tucke der Krankheit nicht jedem Mittel Hohn bietet. Dr. Guttentag war ein ausgezeichneter Diagnostiker. An seinem Grabe jubelt der Tod, trauert das Leben.. Auf seinen Grabstein setze man die einfachen Worte: Er hat gelebt! -- Denn wer so wenige Stunden seines Erdenwandels geruht, wer so unermüdlich thätig war, wie Dr. G u tten tag, der hat im vollsten Sinne des Wortes gelebt. I. L. Hamburg, 11. Juli. Hamburgs deutschjüdische Gemeinde hat eine Dankadresse an den Senat berathm und angenommen, wegen des erlassenen Mischehengesetzes, nach welchem es den Eltern freisteht, die Kinder Christen oder Juden werden zu lassen. Bei der Berathung kam wohl zum crstenmale dre Bemerkung vor, daß die Juden in Hamburg befürchteten, es würden durch diese Ehen viele zum Jndenthmste übertreten. Bisher befürchtete das Judenthum immer durch Mischehen zu verlieren; hier ward die Furcht ausgesprochen, daß zu viele Christen Juden werden möchten. Der Verfasser der Dankadresse ist der bekannte Vieepräsident der Frankfurter Nationalversammlung, Dr. Gabriel Rieß er. Großbritannien. London, 10. Juli. Morgen ist eine Zusammenkunft in Sussex-Hall wegen Gründung einer jüdischen Literatur-Gesellschaft d. h. einer Gesellschaft, die cs sich zur Aufgabe macht, seltene von oder über Juden und Judenthnm geschriebene Werke in Originalen oder in englischer Uebersetzung durch den Druck zu veröffentlichen. Die Anregung dazu kommt von Dukes, Br e ß l a u, Schiller-Szincssy u. a. und cs läßt sich wohl erwarten, daß wenn Etwas zu Stande kommt, die jüdischen Litcratcren auf dem Kontinent zu Rathe gezogen werden würden, da in England noch nicht Kräfte genug da sind, um eine jüdische Literatur anzubauen. Daß unser vielfach geliebter Herzog von Cambridge, der Freund der Juden und der besondere Verehrer des würdigen Rabbiner Dr. Adler, gestorben ist, werden Sie aus den Zeitungen schon wissen; ebenso daß Sir Robert Peel heimgegangen. C'rsterer war weder beiden vor drei Wochen bei dem Jahrestage der „Jews Free Sliool“ veranstalteten Diner, noch auch bei der vor 14 Tagen startgefundenen Prüfung diesmal gegenwärtig nnd da er Protektor dieser Anstalt war, so schickte er eine schriftliche Entschuldigung ein, daß ihn: der Arzt das AuSgehen verbietet. Er hatte sonst nie gefehlt, -allein diesmal erschien blos sein Geldbeitrag, der nicht unbedeutend ist. Die Freischule hat in ihm einen großen Gönner und Freund verloren, und obgleich Hochtory so war er doch höchst populär. — In Bezug aus die Btüthenlese Giirse Oxford, von der Ihnen Proben mitgetheilt wurden, habe ich Ihnen noch zu melden, daß der wnrdigeRedakteur des „Jewish Ohrüßicle“, der gelehrte nnd für die Wissenschaft des Jndenthums begeisterte M. H. Breßlau, von dieser Blüthcnlese eine englische Uebersetzung veranstaltet, die der Vollendung nahe ist nnd die Sie, wenn sie vollendet, sofort erhalten sollen. Vorigen Sabbat hat Oberrabbiner Hr. Dr. Adler, einen herrlichen Vortrag erhalten, wie nur die Männer der Wissenschaft verlangen können. Beredt und wahr sprach er darin der jüdischem Literatur das Wort, und diese wird indirekt für die zu gründende Literaturgcsettschast wirken. — Nun will ich Ihnen noch eine neue Sonderbarkeit oder sonderbare Nettigkeit mittheilen. Der Verleger des Jewish Clironicle, Mr. Mitchell, hat 10 Pfd. St. für zwei Preisschriften angeboren, die das Publikum, in Folge der Verwendung des Hrn. Breßlau um das Doppelte vermehrt hat. Die Gegenstände der Preisschriften sind: 1) Aufsatz über die nachbiblische Geschichte der Inden. Dieser Aufsatz soll im Druck nicht mehr als 48 Oktav-Seiten bilden. 2) Uebersetzung nnd Erklärung desjenigen Kapitels in Josephus (?, 8, 52 und 53), das von Christus haitdelt und das bekannte Kapitel in Jesaja " ebenso. Als Richter über erstere Schrift ist genannt Dr. Adler und Sampson Samuel. Es stellt sich jedoch heraus , daß die Aufgeber sich über die Aufgabe gar nicht klar geworden, da Aufgabel nicht besser ist als nritf by rbv minn Schiller-Szinessy ist als Mitarbeiter des Jewish Clironicle sehr thätig. Man findet von ihm da abgedruckt: 1) eine Pfingst-Predigt, 2) einen Hesped (Trauerrede) über den verstorbenen Kreisrabbmer Sachs in Karlsbad, 3) einen Aufruf zur Gründung einer Literatnrgcsettschaft; 4) zwei leitende Artikel über die Verfolgung der Juden in Oesterreich. Nächstens mehr. Persoimlchronik und Miscellen. Pesth. Hier fängt man an daran zu denken, ein Rabbiner- und Lehrer-Seminar zu gründen, vorzüglich da nun eimnal nothgedrungen ein ansehnlicher Fond in^olge^der modifieirten Kontribution zu Stande kommt. Verlag von C. L. Fritz sehe. Druck von I. H. Nagel.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.