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Der Orient · 1850-07-13 · 28 (13.7.1850) · p. Spalte 435-436

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Journal
Der Orient
Volume
1850
Issue
28 (13.7.1850)
Date
1850-07-13
Page
Spalte 435-436 (sequence 2)
Language
German
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435 Studien. Ueber einige populär-moralische Werke. 43g CHflO rfttö "0Ö. Kommentar zu Efther, als Fortsetzung des bereits früher unter dem Titel erschienenen Kommentar der fünf MegilLot, von welchem der zu Schir Ha-Schirim und Echa zuerst gedruckt wurde. Verfaßt und herausgegeben von R. Jakob zu Liffa, Verfasser des Buches nyi nun; des dewdd , des irpv, des n^n und des 1DD. Vorangeftellt ist eine Novlette von dem Großvater des Verfassers, dem Gaon 02n vjif, und angehangt ift: Deruschim zu Rut von dem Verfasser selbst, dann ein Chidufch von seinem Vater R. Jakob Mose und ein Kommentar zu dem üblichen Segkrssprüchen über die Megilla, welches hier D'nnD iVpJD heißt. Sdileikow, 1834, 8. 32 Bl. - (Fortsetzung folgt.) Ueber einige populär-moralische Werke der später»» hebräischen Literatur. Von Leopold Dukes. Eine Definition von populär-moralisch zu geben, halten wir jetzt für überflüssig; wir denken uns unter, diesem Ausdruck dasselbe, was sich alle Leser darunter denken. Moralische Schriften nämlich, die fürs Volk bestimmt sind, und worin die Moral anschaulich vorgetragen ist, ohne wissenschaftliche Zuthat, ohne metaphysische Distinktion in die Tiefe, ohne gelehrte Erklärung in die Breite. Alle populär-mora-. tischen Schriften können in zwei Klaffen sich darstellen: a) in Sammlungen v on S e n ten zen, l>) in Sammlungen von Erzäh lungen. Unter Sentenz begreifen wir hier auch das Sprichwort. Unter Erzählung begreifen wir hier auch die äsopische Fabel (vergl. übrigens über diesen Gegenstand unsere Einleitung zu *6^0). Die Sentenz ist verschiedener Formen fähig. Dichter aller Grade haben zu allen Zeiten die Sentenzen aus den Händen des Volkes genommen und sie demselben polirt in schöner Form zurückgegeben. Wie die Sentenz, so ist auch die Erzählung der verschiedensten Formen fähig/ Auch diese haben die Dichter zu allen tung in einem Berichte im LB. d. Or. 1841. Nr. 43 über die dortige hebr. Typographie ist, wonach behauptet wird, daß dieselbe seit ihrer Entstehung bis zum I. 1641 in einem Zeiträume von 160 Jahren nur 57 Schriften, und darunter auch nicht einmal eine Bibel gedruckt habe, ist daraus ersichtlich, daß ich bis hierzu bereits über Hunderte von Büchern aus allen Fächern der Literatur, die aus der Zolkiew'schen Typographie hervorgegangen sind, berichtet habe; auch möge es noch sehr viele geben, die mir nicht zu Gesicht gekommen sein mochten. — Zeiten sehr oft aus den Händen des Volkes genommen, um sie dann demselben, in schöner Form, oft verwebt mit Reflexiv, nen, wieder zuzustellen sich bestrebt. Eine Sammlung von Sentenzen ist für die Kultur, geschichte vom größten Nutzen. Sind auch die Gedanken nicht immer Eleu , so ift doch die Form immer sowohl ein Denkmal der Zeit überhaupt als des einzelnen Menschen der sie zuerst sagte — insbesondere. Der Werth einer guten Sentenz ist sehr hoch anzuschlagen, und wenn man für jede Sentenz des Publius Syrus so viel gezahlt hätte, als für einen derMarmorblöcke von Ninive, so wäre es nicht zu theurr gewesen- Es verstehet sich von selbst, daß jetzt, wo die Menschheit eine 3000jährige historische Kunde hinter sich hat, es leichter einen Gedanken in der präcisen Form der Sentenz auszusprechen vermag. Bei vielen dieser Sentenzen ist, wenn auch der Gedanke alt, das Interessante oft außer der Form, noch an der Person haftend, die es gesagt hat. Da sich alle Gedanken nach Abzug der logischen Architektonik und der rhetorischen Ausschmückung auf eine Sentenz redaciren lassen, so kann man sagen, daß die Sentenz die Färbung der Zeit, alter ist. Eine Sammlung von Sentenzen ift für den Forscher ein reicher Fruchtgarten, wo er nur die Hand ausstrecken darf, um sich zu sättigen und zu laben. Deutsche Leser werden das Buch der Sprüche von Göthe in seinem wesiöstlr'chen Diwan, Leopold Schäfers Laienbrevir, Rückerts Lehren des Braymanen als Werke betrachten, welche für die besprochenen Zwecke sehr nützlich sind. Erzählungen sind die zweite Art populär-moralischer Schriften, besonders sind die orientalischen Werke dieser Art höchst beachtenswert!). Z. B. die Tausend und eine Nacht» das persische Tutti Nameh (von Dr. Jken deutsch übersetzt). Es glebt viele Sammlungen von Erzählungen und viele gelehrte Abhandlungen, welche theilweise diesen Gegenstand berühren, es fehlt aber denselben, so viel uns bekannt ist, die philosophische Anschauung. In verschiedenen dieser Werke ist bis jetzt nur der literarhistorische Theil zur Betrachtung gekommen. Allen diesen Erzählungen liegt, wenn auch dem gewöhnlichen Leser nicht immer sichtbar, eine moralische Anschauung zu Grunde, diese moralische Anschauung in ihrer Allgemeinheit betrachtet, würden dann das innerste Wesen aller Erzählungen philosophisch darstellen. Die nähere Ausführung dieses Gegenstandes müssen wie uns für eine andere Gelegenheit aufsparen. Wir werden dies in dem zweiten Theil dieser Abhandlung, wo von den Erzählungen die Rede sein wird, besprechen. Die neuhebräische Literatur besitzt eine große Menge von Werken in dm verschiedensten Formen, in Prosa und Wrsen, populär-moralischen Inhalts, welche bis jetzt, wie so viele andere schöne Werke, noch nicht genau betrachtet wurden. Die Aufmerksamkeit auf diesen Gegenstand zu lenken ist der Zweck dieser Zeilen; dieselben machen zwar auf Vollständigkeit keinen Anspruch, aber sie sind auch nicht sehr weit von der-

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