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Der Orient · 1850-07-13 · Heft 28 (13.7.1850) · p. Seite 111

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 28 (13.7.1850)
Date
1850-07-13
Page
Seite 111 (sequence 5)
Language
German
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111 §, 5 Die Einladung wird spätestens acht Tage vor der Dahl öffentlich durch dreimalige Insertion in zwei der hicrelbst erscheinenden Zeitungen bekannt gemacht. Sie enthält gleichzeitig die .Bemerkung, bei wem und ivann -etwaige Reklamanten Hie Stimmzettel in Empfang zu nehmen haben. In Folge dieser öffentlichen Aufforderung wird jeder Wahlberechtigte auch ohne speciclle Einladung für gehörig eingeladen erachtet. (Beschluß folgt.) Oesterreich. Wien, 1. Juli. Die hiesigen.Gemeinde-Verhältnisse werden sich am Schnellsten nach den Begriffen der neuen Zeit ordnen, mrd schon jetzt ist bereits aller Verwirrung gesteuert. Wie eine wahrhafte Religicnsgemeinde haben unsere Repräsentanten bereits vor vielen Monaten beschlossen, in politisch-bürgerlicher Beziehung in die Gesammtgemeindc Wiens aufzugehen. Zu diesem Zwecke hat sich schon vor einigen Monaten aus Vorstand unt? Repräsentanten ein Konnte gebildet, um das Statut für die religiöse Gemeinde auözuarbciten, da die Gemeinde nur noch eine Religionsgemeinde ist, und diese Arbeit ist, wie ich höre, beendigt, indem das Budget für dieselbe durch ff'.rirte jährliche Beiträge (von 10 bis 100 fl, CM.) aufgebracht wird. Gewiß wird man später zu der Ueberzeugung kommen, daß auch die jüdischen.Hnmanitäts-Anstallen sehr wohl in derGesammtgemeinde verschwinden könnten, da wahrlich zu einer konfessionellen Sonderung sin solchen Sachen keine Veranlassung vorhanden ist. Wleselburg, 10. Juni. Von Seiten der Behörden geschieht Alles, um der Gleichberechtigung-Eingang zu verschaffen. Die von Juden in Folge dieses Prinzips erkauften Besitzungen werden bereitwillig und anstandslos bei den Grundbuch-Aemtern vvrgenommen und die Anschreibnngen geschehen nun ohne Unterschied des Glaubens. Leider glauben manche Juden dieses Rechtes durch eine hündische Huldigung der eisernen Militärmacht sich werth zu machen. Der israel. Kaufmann M o r i tz K o l l i n ö-k y verpflichtete sich zum Haynau-Fond auf 20 Jahre mit 50 fl., bei welcher Gelegenheit er auf 10 Jahre vorausbezahlte; aber wenn eö dem Mann um eine Gutthat zu thun wäre, so hätte er es näher, freilich hätte er dann auf ein Dankschreiben von.Haynau verzichten müssen. Triesch, 2$. Juni. Hier hat sich jüngst ein sonderbarer .Verein gebildet. Er stellt sich zum Zwecke, jüdische Militärs mit einer monatlichen Zulage oder4mit einem B a u sch q u an tum für immerzu unterstützen. Ob sie auch nicht Triesch'sche Juden salariren wollen, daran hat der große Geist der Gründer noch nicht gedacht, und chre Taschen werden ihnen auch bald den richtigen Weg lehren. Lieber sollten sie gleich den ganzen Sold übernehmen, wofür ihnen unser Tausendkünstler Kraus gewiß dankbar sein wird. Wissen Sie aber das Motiv zu diesem Unsinne? Es ist nichts als die Kriecherei und die hündische Wedelei vor der gewaltigen Militärdespotie. Frankreich. Paris, im Mai. Nach den Mittheilungen de§ Maihestes des Uniyers Israel,it,e? das so eben mir vorliegt, finde ich über jüdisch-französische Zustände folgendes anzumerken. Die Wahlen zuKonsistorialruitgliedern gehen ruhig von Statten und werden regelmäßig vom Präsidenten der Republik bestätigt. LopeS Dubee und Alfred L c o n für Berdeattv, F u r tado imjp N unes für St.- Esprit sind bestätigt. Der Angriff auf das politische Wahlgesetz hatte auf die jüdische Wahlbestimmung einen nachtheiligcn ministeriell-reaktionären Einfluß. Der Kultusminister hat in Folge dieser Rückschrittsbewegung eine ergänzende Instruktion erlassen, worin .er die Ordonanz von 1844, die Kousistorialwahlen betreffend, mit dem organischen Wahlgesetze vom 15. März 1849 zu vereinigen sucht, natürlich znm Nachthcil des Fortschrittes. — Im Elsaß ist Cr«- m i eu x als Repräsentant gelvähsit, der Rabbiner Klein als Provinzialrabbr'ner und eine Deputation, Dreyfns, R. in Mühlhausen an der Spitze, theilteHrn. Crvmieny dieses Resultat bereits.mit.DieVerwaltungsvorschrift zur Ausführung des Art. 1 des ominösen -.Unterrichtsgesetzes , wie der Moniteur vom 13. Mai sie gebracht, lautet in Betreff der französischen Israeliten: daß man dem Central-Kousistorinm si'tbcr Anzahl, Wahl und Zeit der Wahl der -höchsten Rathsmitglieder des öffentlichen Unterrichts von Seiten des Ministers bestimmte Anweisung gebe und das die Wahl von Seiten des Konsistoriums zu diesen Rathen nur unter gewissen Formalitäten statt haben kann. — Seit 23. Mai fand im iör. Tempel zu Paris die Einsegnung von 70 Kindern.statt; Hr. Alb. Cohn hat bei dieser erhebenden Feier eine ausgezeichnete und eindrirrgende Rede gehalten. — Den 2. Schebuottag hat der Groß-Rabbine Isidor ein schönes neues Gebet gesprochen. — In Paris ist bekanntlich eine Kommission niedcrgesctzt worden, um die zwei Riten (sescrrdischen und aschkenasischen) zu verschmelzen mrd diese Kommission hatte bereits mehrere Sitzungen, in welchen sie sich über gewisse Punkte schon geeinigt, als: die bestimmte Annahme der portugiesischen Aussprache für das Hebräische und über gemeinschaftliche Festhaltung oder Ausgebung der Gebete, so daß in der Synagoge die .Scheidewand schwinden könnte. Der Herausgeber des Univers zweifelt, ob diese Kommission ein praktisches Ergebniß bieten wird; aber wenn, wir über das Prinzip im Reinen sind, — und kein Mensch wird bezweifeln, daß es chohe Zeit sei, die Kluft dieses

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