Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1850)
- Date
- 1850-07-06
- Page
- Seite 107 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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107 des Edelherrn cutschiedm wurde, lex Jude auch den Weideplatz aukanfen sollte. Die Dauern aber, aus obenerwähnten Gründen auf den jüdischen Grundbesitzer erbost, trieben ihr Vieh auf die gedachte Weide und wollten trotz aller gütlichen Ermahnungen von diesem Unfuge nicht ablassen. Der Jude sah sich endlich genöthigt, den Schutz des Kreisamtcs anzusprechen, und ein Kreiseommissar wurde unter militairischer Begleitung ins Dorf herabgesendet. Dieser suchte den Bauern anfangs durch gütliches Zureden das Unrechtmäßige ihres Verfahrens darzulegen, fügte aber hinzu, daß, wenn sie nicht freiwillig ihr Vieh von der fremden Weide. entfernten , er sich genöthigt sehen würde, Gewalt zu gebrauchen. Darauf erfolgten nur höhnische Antworten; eö hieß, daß man seine Autorität nicht anerkenne, daß er nicht voll den: Kaiser gesendet sei, daß sie überdem schon selbst wüßten, was recht und unrecht sei, und sich von ihm nicht meistern lassen würden. Also in die Enge getrieben, rief der Krciseommissar das in einiger Entfernung aufgestellte Militair herbei, ließ durch daö Bayounet die umhcrstchenden Menschenhaufen zerstreuen und dann das Vieh von der fremden Weide vertreiben. Kaum aber fing man dieses Vieh durch das Dorf zu treiben an. als sich ein förmlicher Aufruhrerhob. Aus allen Häusern stürzten die Bewohner mit Heugabeln, Dreschflegeln und sonstigen Instrumenten bewaffnet hervor, griffen das Militair au, und erst als dieses Feuer gab und mehrere todt oder verwundet auf dem Platze blieben, wurde die Ruhe wiederhergestctlt. — Aus Brodh wird unö ein merkwürdiges Factum geschrieben. Der Erzbischof v o n L e m b erg, Hr. v. Barauieki, welcher gegenwärtig seine Diöeese bereist, kam auch nach Brody, wo er feierlich empfangen wurde. Unter andern zog ihm auch die Judcngememde, ihren Kreiöraböiuer an der Spitze, mit der Thora entgegen. Der Erzbischof empfahl sich nicht nur der Freundschaft und den Gebeten des Rabbiners, sondern küßte auch die Thora. Da derselbe Erzbischof sonst eben nicht durch seine Toleranz zu. glänzen pflegt, so weiß man nicht recht, was man dem Allen für eine Deutung geben soll. Preßburg, Ende Mai. In der /.-!2/-Dcrascha vergaß sicb der hiesige Rabbiner in seinem heiligen Eifer so sehr, daß er an diejenigen, welche bhr\0 roty sind als nnjf^ ^OD erklärte! Damit erzweckte Se. Hochwürden aber blos, daß er der Unbeliebtheit, die gegen ihn hier ohnehin herrscht, nur noch einen weitern Kreis erschuf. Wir möchten mit Verlaub Se. Hochw. nur eine Frage vorlegcn. Wir nehmen an, der Herr Rabbiner hätte noch wie früher Recht zu sprechen. Würde er den Muth haben einem der ersten Matadors hier, und wenn er auch von dessen rüKf überzeugt wäre, ein Zeugnis und einen Schwur abzul^geu verweigern? Oder wie jetzt der Stand der Dinge, wird beim Schwur- oder Zeugnißableger, eitles Sabbatentweihcrs der Magistrat erst den Hn». Rabbiner fragen, ob das Individuum dazu gualifieirt ist? So schaden diese Herren durch ihr starres Ankleben an dem nicht mehr Haltbaren sich, der heiligen Sache aber noch mehr D’jjnD nn oyn ntewo im Preßburg, Ans. Mai. (Schluß.) Was wir jedoch. von der Bürgerschaft gesagt, trifft Dank dem Himmel, nicht Alle. Ausnahmen giebt es, wie überall auch hier. Ausnahmen, die wie Helle, lichte Sterne ans dem tiefen Dunkel hervorleuchtm. Diese waren es ja auch in jener traurigen Katastrophe, die den Glauben an eine bessere Menschheit unter der hiesigen Einwohnerschaft ausrecht erhielt, deren Namen der hiesige Jude nur mit tiefer Rührung, hoher Achtung und ewiger Dankbarkeit nennen kann. — Der in den letzten Deecnnien so sehr verdüsterte chasauische Himmel hat. sich tu unserer Gegend aufgehellt und hat einen Stern erster Größe zum Vorschein gebracht. Ein Wunderchasan reist hier herum, der eben erst das 13. Jahr zurückgelegt, samml Hut und Absatz kaum drei Schuhe mißt und dieses Kind „Dawend von ny piw b. D^iy ]iin auf dem ^tp"! Er üb er trifft sogar ,,J nke f Leb e 1 e", der bis jetzt das Prototyp aller chasanischeu Vollkommenheiten war. Was die h. Schrift von der Weisheit Salomo's sagt: ODrVJ DiNn Pd, sagt die allgemeine Stimme von demWundcrchasan: bpwvü . 3ptt'£ , Dom bo JTrm , "■i.OTnD* Und wahrlich das yox popuii. der Hiesigen Gemeinde will etwas sagen, denn diese sind gar infatlible Mewiuim auf Chasaium. — Von hier ging der Chasan nach Wien, wo er in der polnischen ,,Schul" nicht minder Furore machte. — Wir wollen dem jungen Manne von Herzen gern eine Zukunft wünschen,, zu welcher ihn sein aufstrebendes Genie allerdings berechtiget, die er aber doch nur durch die gehörige Bildung und Leitung auf der Bahn der Kunst erlangen kann; jedoch sein Herumrciscn als Chasan von einer „Schul" in die Andere, um Geld zu machen, führt rhu sicherlich von der rechten Bahn ab, und bleibt er ein Chasan, so verschwindet er unter der Menge gleicher Kunsigenoffen und löst sich am Ende m ein Nichts auf. Wir haben vor zwei Jahren einige schöne Institute der hiesigen Gemeinde in diesen Blättern berührt, wir wollen denn auch von dem Leseverein ein Wort sagen. Waren jene Institute aus dem religiös-gesellschaftlichen Leben, aus dem Augewiesensein ans die Selbsthilfe entsprungen, so entstand dieser Verein durch die Anforderungen der Zeit, hervorgerufen aus dem Bedürfnisse den heterogensten Elementen der großen Menschengesellschaft in Sprache, Sitten und Bildung, sich wenn nicht vollends ut amalgamiren, doch wenigstens wo möglich anzuuähcru. Bedarf der Israel. Kranke, um körperlich gesund zu werden eine Pflege, die mit Beobachtung der Speisegesetze als R el ig i o n s g e n o sse in der Gemeinde, gehandhabt wird, so verlangt der Geist nicht minder eine Pflege, die gleichen Schritt halten muß mit dem V o r r ü ck e n der A n f k l a rn u g im Menschen. Die weite Kluft, die den hiesigen Juden vom Christen trennt, macht es ihm unmöglich Gesellschaften und Vereine in christlicher Sphäre zu be- ( suchen. Obwohl große Fonds von Bildung daselbst