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Der Orient · 1850-07-06 · Heft 27 (6.7.1850) · p. Seite 108

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 27 (6.7.1850)
Date
1850-07-06
Page
Seite 108 (sequence 7)
Language
German
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vergebens gesucht und nur Armenkrenzer-Ersparnisse hin w<d wieder gefunden werden , so wäre cs doch ein allmähliges Adhäriren der seit Jahrtausenden getrennten Tbeile im großen Gebäude der menschlichen Gesellschaft, welches nach und nach zur festen Kohäsion führen müßte. Die sunge Welt fing an die Aufgabe der Zeit zu verstehen und fühlte atfo das Bedürfnis einer umgänglichem Bildung sich zu erwerben, die nicht gerade im Kaffeehause beim Billard erlangt werden sollte. So war es denn gerade am 24. April 1848, als zn diesem Zwecke eine Versammlung junger Leute beisarunren war. Plötzlich erscholl der Lärmen der bürgerlichen Avantgarde. Das Scheibeneilnverfen der Lehrburschen begann und die Versammlung stob auseinander. Nichttzestowcniger konstituirte sich zwei Monate nachher der Leseverein. Seine ausschließlich literarische Tendenz verschaffte ihm auch Gnade bei den Kaiserlichen, die alle Versammlungen streng verboten, nur diesem Vereine ferne Z-nsammeukünfte gestatteten. Sein Wirken im Innern ist ein schönes. Es werden die vorzüglichsten inländischen Journale, auch der ,,Orient" gehalten. Unter den Statuten ist das Verbot des Kartenspielens gewiß ein sehr löbliches. Unter hundert und zehn Mitglieder zählt er zwanzig Ehrenmitglieder,-worunter die Rabbinatökandidaten Stößel^ und E h r e n t h e i l 2, je einer um den andern moralische Vorträge halten. Daß diese nicht so zahlreich besucht werden, wie sie es verdienen, mag vielleicht mehr liegen in der Art Vieser Verträge, in rein moralisch-religiöser Sphäre gegenüber dieser Zuhörer sich zu bewegen — als in der Apathid überhaupt, einen guten Vortrag zu hören. —r Sem Wirken nach außen würde nicht minder rühmenswerth und resnltirend werden können, wenn er nicht das Schicksal aller neu entstehenden Institute rheilte, daß man ihm Hemmnisse aller Art in den Weg wirft. So ging durch bie Bemühung seines Präses, des Hrn. Dr. S tern, die Idee eiiier Sabbat-Sonatagschule von ihm aus und im Verein mit den Hrn. Lehrern aus der Mädchenschule, die das-Lokal zum Unterrichte hcrgebcn und den Un berich t selbst leisten wollten, und.-zwar alles u nentgelll ich , wäre die Idee längft in die Thal umgeschaffen, denn schon zu Ostern sollte der Unterricht beginnen. Allein der Gemciudeverstand arbeitete dagegen. Aus welchem Grunde, ist nicht bekannt. So unterblieb diese so nvthwendigeAnstalt. Ja nothwendig ist sie jetzt mehr denn je. In jeder Woche müssen wir nun zwei Tage und sonst alle katholischen Feiertage stren g feiern. Also zweiu nd funfzig Sabbate, z w e in n d f u n sz ig Sonntage, d r e iz e h n jüdische und fu n fz e h n christliche Feiertage müssen die Juden feiern j 1) Hr. St. ist auch Assistent in der griechischen Sprache -am hiesigen evang. Lyceum, was hier sehr viel sagen will und wenn man noch seine zahlreich besuchten Vorlesungen und die Achtung, die er von seinen Hörern genießt, hinzubedenkt!. —. 2) Von Hrn. E. ist eben erschienen: „Karmel, eine Auswahl der interessantesten Sagen und Legenden, poetischer Erzählungen und Kernsprüche aus dem Talmud, nach dem angeführten Urtexte frei bearbeitet", welches in mehreren Journalen vortheilhaft besprochen ward. die Zngabstnndcn an den Nüsttagen hy.. “lyiDn,- die Halbseiertage £"nn. Fasttage machen nsindestens auch acht Tage aus. Alse ein Hund er tun dvierzig Tage unter Dreihundert fü 11 f u 11 d st chzig darf der Jude — mit Ausnahme der Herren Gerdgeschäftmacher , oder wie man sie sonst nennen mag nicht arbeiten, nichts verdienen und muß dennoch leben, Familie erhalten , welches ihm viel thenerer, als dem Ehristen zu stehen kommt, dem Kaiser, Rabbiner, Schächter, Chafau und Anhängsel Steuer zahlen, und nicht destoweniger muß er hören, wie der Hr. Rabbiner den - Entweihcr, in einer öffentlichen . Dcrascha für unfähig erklärte einen Schwur und ein Zengniß abzulcgen! — Die Lehrburschen, die ln der Regel vom Hanse ans nicht die beste Erziehung mitbringen, nehmen ans ihren Spaziergängen im Gebirge und der Aue, im Besuche der Batzenhänser und sonstigen Spelunken an Moralität wahrlich nicht zu — und dieses ist der Gemeinde rechtl Es heißt zwar: ,,J n v tcrzehn Tagen wird die Gemeinde selbst eine Sabbatschule ins Leben rufen, aber diese vierzehn Tage rücken mit jedem Tage weiter, so ist es schon mehr als vier X vierzehn Tage ist unb es ist noch Nichts geschehen. In den slavischen Wirthshäusern pflegt ungeschrieben zu sein: „Heute für Geld, morgen umsonst". Jeder Tag hat seine Heute und jeder seinen Morgen-, so auch hier, jeder Tag hat seine vierzehn Tage. — Doch Zeit bringt Rosen. M. Thuarto. Pcrsonalchronik und Miscellen. Vercelli in Piemont. Bei Gelegenheit des Jahrestages der Emancipation, den 29. März, haben die Erben Mose Leon Levi hier 100 Livre für die lombardische Enligration, 50 für Anne und 50 für das Kinderhospital gespendet, um diesen Tag der Befreiung zu verherrlichen und zu feiern. Piemont ist bis jetzt der einzige Staat Italiens, der noch eine Errungenschaft des Jahres 1848 erhalten. Die Gemeinde hier hat ebenfalls diesen Tag mit großer Auszeichnung gefeiert. * * * R 0 m. Ucber die Landesmannschaslen und andere Klassisicatiouen der römischen Gemeinte in diesemÄugenblicke enthalt das Jewish Ciironicle eine interessante Notiz. Die älteste Landsmannschaft heißt brrrin nDJD, Synagoge des Tempels, welcher sich die sieilische Synagoge noJD) und Neu-Synagoge (nccnn HD.D) anschließl. Alle diese folgen nur dem italienischen oder römischen Ritus. Dann kommt die „kastilischc Synagoge" cav^), die „katatonische Synagoge" re., welche dem sesardischen Ritus folgen. Außerdem gicbt e§ noch eine allgemein sieilische und fesardische, eine jernsalemischc Landsmannschaft. Die Gemeinde ln ihrer Gesammtheit hat ungefähr 50 Genossenschaften (nnun), deren Häupter sich öfter in einem Lehrhause (amofi iT'D) zusammcnfinden, um Gesetz und Traditiorr zu lernen. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.

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