Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 25 (22.6.1850)
- Date
- 1850-06-22
- Page
- Spalte 387-388 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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387 Studien. Einleitung zu den jüd. Antiquitäten des Josefus rc. in den wichtigsten Geschäften sehr große Erfahrung zeigte, und das Muster eines erhabenen Geistks, und ein unerschütterlicher Forscher der Wahrheit ist. Diesem Gönner und emsigen Beförderer alles Guten und Nützlichen zu gefallen, und weil ich mich schämte, das Ansehen zu haben als zöge ich den Müssiggang einer schätzbaren Arbeit vor, faßte.ich wieder Muth und Kräfte. Ueberdies dachte ich oft, daß auch unsere Borfahren einst so willig ihr Wissen Fremden mittheilken, und daß einige Griechen vor Begierde brennen unsere Geschichte zu kennen. 3. Ich fand, daß der zweite der Ptolemäer' den Wissenschaften und dem Büchersammeln ungemein ergeben, sich sehr bemühte , unser Gesetz und die in selbem enthaltene Verfassung unseres Staates ins Griechische übertragen zu lassen. ELeazar, der keinem unserer Hohenpriester an Tugend nachstand, mißgönnte diesem Könige die Wortheile einer solchen Unternehmung nicht, was er gewiß ihm abgeschlagen hätte, wäre es bei uns nicht herkömmliche Sitte gewesen, niemandem etwas Gutes oder Anständiges zu verheimlichen. Ich glaube daher, daß auch mir es zukomme, unseres Hohenpriesters Großmuth nachzuahmen, da ich der Meinung bin, es gäbe noch heutigen Tages sehr viele eben so Wißbegierige wie dieser König. Auch erhielt Ptolemäus nicht die ganze heilige Schrift, sondern die nach Alexandrien zur Übersetzung abgeskndeten Dolmetscher übertrugen ihm nur das Gesetz allein. * Diese heiligen, die Geschichte von fünf Jahrtausenden umfassenden Schriften, * sind sehr reichhaltig an unerwarteten Begebenheiten, an glücklich und unglücklich geführten Kriegen, an Großthaten der Feldherren, und an vielen Staatsverän. derungen. Ueberhaupt aber werden die Leser aus dieser Geschichte sich vorziigl.ch überzeugen, daß denjenigen, welche dem Willen Gottes sich fügen, und seine trefflich angeordneten Gesetze zu übertreten sich scheuen, alles besser gedeihet als man erwarten möchte, und daß der Ewige zum Lohne ihnen Glückseligkeit verleihet; wenn sie aber von der strengen Beobachtung derselben abweichen, ihnen das unausführbar wird, was sonst ein Leichtes ist, und daß alles was sie zu unternehmen beschließen, wäre es auch gerecht, in unheilbare Schäden ausartet. Daher ich sie mahne, -die meine Schriften durchlesen würden, daß sie Gott vor Augen haben, daß sie untersuchen, ob unser Gesetzgeber dessen Wesen gehörig gefaßt, und seiner Allmacht geziemende Werke beigemeffen, und ob er ihn frei von allem fabelhaften, wie andere nicht zu thun pflegen, geschildert habe; obwohl er der Länge der Zerr, und des Alters der Begebenheiten wegen, ungestraft so manches Unwahre hätte erfinden können; denn er war vor zwei 2) Ptolemäus Philadelphus. 3) Die mosaischen Schriften. 4) Im Texte sind freilich fünf Tausend Jahre angegeben; die heilige Urkunde aber reicht nur etwas über 4000 Jahre. Chronologische Jrrthümcr gehören überhaupt nicht zu den Seltenheiten bei Josefus. 388 Tausend Jahren geboren, wo vor so vielen Jahrhunderten nicht einmal die Dichter weder den Ursprung der Götter noch die Schicksale der Sterblich» n, oder die Gesetze derselben nachzuweisen wagten. Dies alles aber wird folgende Beschreibung in bündigster Ordnung thun.' 4. Weil fast das Ganze ein Werk der hohen Weisheit des Gesetzgebers Mose ist, so halte ich für nöchig von jtjm einiges vorauszuschicken, damit nicht einem Leser die Frage entstehe, woher es komme, daß ich in diese Schrift, deren Titel, Geschichte und Gesetzgebung verspricht, so vieles über Naturwissenschaft gemischt habe. Man wisse daher, daß die, ser Mann vor allem für nothwendig erachtete, daß, wer seinen eigenen Lebenswandel gehörig ordnen, oder anderen Gesetze vorschrekben will, vorzüglich eine Erkenntniß von dm Wesen Gottes sich verschaffe, und wenn der Geist dessen Werke durchdacht, dem Erhabensten aller Muster nach Kraf, len nachzuahmen sich bestrebe. Ohne diese Anschauung erhalt weder die Seele des Gesetzgebers eine edle Richtung, noch können dessen Schriften dasGemüth derer, welche sie empfangen, zur Tugend erwecken, wenn sie nicht zuerst unterrichtet sind, daß Gott ein Vater, ein Herr fei, daß er alles sehe, daß er seine Gehorsamen mit Glückseligkeit lohne, die aber von der Tugend abweichen mit den größten Nebeln bestrafe. Moses, der sein Volk mit dieser Lehre bekannt machen wollte, begann also nicht wie andere, mit Verträgen oder Uebereinkünften und den betreffenden wechselseitigen Rechten, sondern er erhob die Seele der Seinigen zu Gort und zur Betrachtung siiner Schöpfung und verschaffte ihnen den Glauben, daß auf dieser Erde wir Menschen das herrlichste Werk des Schöpfers seien; und wie er sie einmal zur Gottseligkeit geleitet harte, so war es ihm leicht, von allem übrigen sie zu überzeugen. Andere Gesetzgeber hingegen sind Fabeln gefolgt, und haben in ihrer Lehre, der Menschen schändliche Laster den Göttern aufgebürdet, und den Ruchlosen viel Stoff zur Entschuldigung gegeben. Unser Gesetzgeber aber lehrte: Gon ist die reinste Tugenv, und jeder Mensch bestrede sich ihm theilhaft zu werden; über die aber, welche dies nicht begreifen, nicht glauben, hat er ernste Strafe verhängt. Nach 5) Dem unbefangenen Untersucher drängen sich die Beweise für die Religion entgegen. In ihren Urkunden findet er Aufschluß über die Erde und über den Menschen. Dic leblose Natur zeuget für Moses, wie die Geschichte der Volker für ihn zeugt, welche ihre Fäden da zuerst aufnimmr, wo er sie fallen läßt. Die falschen Religionen — abenteuerliche Sagen — deuten alle, mehr oder weniger auf eine Ursache , in welcher alles vollständig blieb, und welche jene berichtiget. Und welchen Charakter von Würde, von Einfalt und von Hoheit hat die heilige Urkunde! So erfindet nicht, so redet nicht der menschliche Verstand! Ein Geist huldvoller Herablassung des Erhabenen waltet in der Sprache der heiligen Schrift, wie in ihrem Inhalt. Wie verschmilzt in .ihr das Kindliche mit dem Göttlichen! Gott will, daß wir mit Kindersinn das Göttliche ergreifen sollen. Geschichte der Religion I. Ch. von F. L. Grs. zu Stollbcrg 1° Th. S.