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Der Orient · 1850-06-22 · 25 (22.6.1850) · p. Spalte 385-386

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Journal
Der Orient
Volume
1850
Issue
25 (22.6.1850)
Date
1850-06-22
Page
Spalte 385-386 (sequence 1)
Language
German
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fitcntturblrttt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken f ü r jüdische Geschichte und Literatur. M 25 Leipzig, den 22. Juni 1850. Inhalt. ©tu bien. Einleitung zu den jüdischen Antiquitäten des Iosefus rc. von Dr. Horschetzky. Eine Probe. — Die Familie Kimchi. Josef Kimchi's Komm, zu Mischte. Von Leop. Dukes. — Ueber die ersten Sammler der Psalmen. Von H. Ph. Ree. — Literarische Analekten. Lexik. Beiträge zum Talmud von Isr«. Böhmer. — Kulturhistorische Miseellen von L. Dukes. Gedichte von Jeh. Ha-Lewi. — Ankündigungen. Einleitung zu den jüdischen Antiquitäten des Flavins ZvfefuS, übersetzt von M. Horschetzkh^ l>r. meck. (Als Probe einer neuen Übersetzung der zwanzig Bücher alter jüdischen Geschichte mitgetheilr.) 1. Nicht einerlei Zweck haben der Geschichte Bearbeiter, sie werden durch mehrere von einander verschiedene Gründe geleitet. Einige unterziehen sich diesem Geschäfte, um ihre Beredtsamkeit zu zeigen, und haschen nach Ruhm. Ändere wagen sich an Größeres als sie vermögen, weil sie Belohnung von denen erwarten, deren Geschichte sie schreiben. -Einige werden angespornt, die Begebenheiten, bei welchen sie gegenwärtig waren, schriftlich aufzubewahren. Viele treibt auch die Größe wichtiger, im Dunkeln verborgener Thaten, und durch ihre Erzählung wollen sie das gemeine Wohl fördern. Mich bestimmen von den hier erwähnten die beiden letzten Gründe; denn ich bin gezwungen, den Krieg,'den wir Juden mit den Römern führten, und die in demselben geschehenen Lhaten nebst ihren Folgen, so wie das was ich persönlich erfahren habe, zu beschreiben, um diejenigen zu widerlegen, welche durch ihre Schriften die Wahrheit entstellt haben. 2. An dieses Werk wagte ich mich in der Hoffnung, allen Griechen gefällig zu werden; denn es umfaßt unsere ganze alte Geschichte und Sraatsverfassung, gesammelt aus hebräischen Schriften. Zwar dachte ich schon lange daran, schon dazumal als ich die Geschichte des jüdischen Krieges schrieb, darzuthun, welchen Ursprunges die Juden sind, welche verschiedene Schicksale sie erlitten, unter welchem Gesetzgeber sie zur Gottesverehrung und zu anderen löblichen Einrichtungen gelangten; welche Kriege sie durch so viele Jahrhunderte geführt, und wie sie endlich gegen ihren Willen in einen Krieg mit den Römern verwickelt wurden. Weil aber dieser Stoff zu reichhaltig, so habe ich ihn in einem eigenem dazu bestimmten Werke vom Anfänge bis zu Ende durchgeführt. Im Verlaufe dieser Arbeit wiederfuhr auch mir, was allen zu begegnen pflegt, die an schwierige Unternehmungen sich wagen. Ich ward verdrießlich, und zögerte, ein solches Werk in einer fremden und ausländischen Sprache zu bearbeiten. Doch haben einige aus Liebe zur Geschichte mich dazu aufgemunterr, vorzüglich aber Epaphrodit,* ein Freund jeden Faches des Wissens, besonders der Geschichte; der selbst 1) Epaphrodit aus Choerea, ein Freigelassener und Hofbeamte des Nero, der auch bei den nachfolgenden Kaisern in großem Ansehen war. Er besaß eine Sammlung von beinahe 30,000 sehr seltner Handschriften. Als der feige und grausame Nero zitternd die Hand an sich legte, half ihm Epaphrodit mit dem Stahle die Kehle durchbohren. Diese Dienftsectigkeit kostete ihm aber nachher das Leben; denn der tyrannische und argwöhnische Kaiser Domitian, um seine Hofbedienten abzuschrecken, daß sie durch kein ähnliches Beispiel sich verleiten lassen, Hand an ihren Herrn zu legen, verurtheilte den freigelassenen Epaphrodit zum Tode(Sueton, Leben des Domitian, Kap. XIV). Der gelehrte C. Daubuz beweiset, daß dieser Epaphrodit derselbe sei, dessen Paulus in seinen Episteln erwähnt. Der bekannte stoische Philosoph Epictet war ein Sklave Epaphrodits. Dieser machte sich einmal die nerom'sche Unterhaltung, ihm stark den Schenkel zu quetschen. Der Stoiker sagte ganz gelassen, gieb acht! du wirst mir den Schenkel brechen, llnd als dies wirklich geschah, versetzte er lächelnd, habe ich dirs nicht gesagt? — Dieser Stoicisrrws erwarb ihm die Freiheit, die Liebe und Achtung seines Herrn. 25

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