Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1850)
- Date
- 1850-06-22
- Page
- Seite 98 (sequence 3)
- Language
- German
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durch die Juden würden sofort die strengsten Maßregeln gegen die Presse zu Schanden. „Man zähle, sagt sie, die Männer, welche nicht blos heute, sondern schon vor zwei Jahren einen boshaften Vernichtungskampf führen gegen Alles was Christ oder Christenthum heißt, und man wird uns nicht der Uebertreibung bezüchtigen, wenn wir behaupten, daß die Leiter und Beförderer der gottlosen und hochverräterischen Presse mindestens zu zwei Drittel aus den Reihen des jüdischen Volkes hervorgegangen sind." Die Juden, sind also in den Augen der -j-Zeitung das Salz, der Sauerteig der Welt. Wären diese Lügen eine Wahrheit, und man muß hinzufügen, daß noch auf Seiten der Reaktion Juden die Stimmführer sind, daß gerade die -j-Zeitung als die Handlangerin Stahls von den Brosamen lebt, die ihr von dem Tische dieses Juden zufallen, so wie die Juden Ohm und Hahn Werkzeuge der Reaktion sind, so könnten sich die Juden gratuliren. Sie wären alsdann die größten Kapacita'ten Deutschlands, die Schöpfer und Pfleger der so unchristlichen modernen Philosophie, so wie unseres gesammten politischen und geistigen Lebens. Die Geschichte Deutschlands wäre alsdann wesentlich eine Geschichte der deutschen Juden. Merkt die -j-Zeitung nicht, welche Schmach hierin läge für die Majorität des deutschen Volkes, für die Christen? . Die -j-Zeitung begnügt sich aber nicht mit der bloßen Angabe dieser Statistik des jüdischen Einflusses, sie gibt auch eine Nutzanwendung. „So war es, ruft sie aus, so ist es, und so wird es bleiben bis das gerechte Gericht Gottes den Verrath und die Undankbarkeit des abgefallenen Theils des jüdischen Volks durch eine Verfolgung tilgen wird, dergleichen die Wett noch nimmer erlebt und die dann unzweifelhaft auch die Unschuldigen (warum nicht?) mit ergreifen wird. Es ist dies kein Phantasiestück die Furchtsamen zu schrecken, wer nicht blind ist für die Zeichen der Zeit, der wird es leicht begreifen, daß es nur eines Fingerzeigs bedarf, um den Haß und die Rache des Proletariats oder des „eigentlichen Volkes" gegen diejenigen zu lenken, welche die Neigung zur Selbsthilfe gehegt und gepflegt und von jeher in den Traditionen der christlichen Völker bald mit Recht (so?) bald mit Unrecht (sehr gütig!) als diejenigen gegolten haben, welche sich füllen mit dem Schweiß und den Thränen der bedürftigen Christen?" Ist das nicht die offenste Aufforderung zu einem Kreuzzuge gegen die Juden? Wir überlassen den jüdischen Gemeindevorst an den die Erwägung, ob sie in christlicher Liebe ihre Backe den Schlägen des Feindes reichen wollen, oder früher noch die Entscheidung der betreffenden Staatsanwaltschaft zu provociren, ob denn dev i Zeitung in der That das Privilegium zuerkannl ist, gegen Buchstabe und Sinn des Preßgesetzes eine ganze Religionsgesellschaft zu beschimpfen und zu verleumden, und ungestraft einen Theil der Bürger gegen den andern zu Hetzen? Gefährlich find die Drohungen der -j-Pariei freilich nicht. „Der Zorn, der Hunger und die Noth des Proletariats" haben für ihre Richtung längst die richtige Adresse; das „eigentliche Volk" in Deutschland läßt sich.nicht, wie die Laz.- zaroni's in Neapel, von der Reaktion als ihr Werkzeug gebrauchen; es weiß, wo es seine Feinde zu suchen hat. Das chronische Uebel des Liberalismus hat die Tradition der christlich-germanischen Politiker durch Aufeinanderhetzen verschiedener Religionsgesellschaften und Volksstämme zu theilen und zu herrschen so sehr abgerieben und abge., schwächt, daß sie jede Wirksamkeit auf das Volk verloren. — Die sanftmüthige Krcuzträgerin ist aber auch nicht ganz ohne Erbarmensie heuchelt wenigstens ein solches für die „frommen, rechtgläubigen Juden, deren Zahl noch immer größer ist, als der kleinmüthige Zweifel meint," und die „wir lieben um eines Juden willen", die Juden, welche weinen, „wenn sie an Zion gedenken," und „Sehnsucht tragen nach einem bessern Vaterland." Wir wissen zwar nicht, wer der Eine Jude ist, um dessen willen sie die Juden liebt?— Sol! es etwa Ohm sein? — Ader das wissen wir: gäbe es kein anderes Christenthum, als das der -j-Zeitung, so hätten die Juden die Pflicht und das Recht um Eines Juden willen, gegen dieses Cbristenthum aufzutreten. Wahrlich, das Kreuz, welches die Neue Preußische zum Panier hat, ist sicher nicht das Symbol der Liebe, sondern das der rachegierigen Verfolgung, es ist nicht das Kreuz Jesu, sondern das seines Henkers, des Pontius Pilatus. Auf die Juden, soweit wir sie kennen, üben diese fana* i tischen Ausbrüche keinen Einfluß. Das Vorurtheil nimmt \ die Gestalten aller Jahrhunderte an. In den Zeilen des h Aberglaubens wurden die Juden, als Schänder der Heilig- - thümer verleumdet; damals dichtere die Reaktion ihnen an, daß sie christliche Kinder heimlich beschnitten, Chriftenbiii! gebraucht und die Brunnen vergiftet hätten. — Zur Zeit der " Herrschaft der Aufklärung, wo diese Verleumdungen den er» wünschten Eindruck nicht mehr machten, war es gerade Aberglauben und Dummheit, welche die Reaktion den Juden vor- \ geworfen - damals beschuldigte man sie des Mangels an Gkfchmack , der Unfähigkeit zu Künsten, Wissenschaften und zu s- Dienften des Staates. — Jetzt, wo die Partei der „Ort- [; rung" und des blinden Autoritätsglaubens, der PhilosoD ' und dem guten Styl den Tod geschworen, sollen wieder di!! Juden im stritten Gegensatz zur Vorzeit wegen ihrer Bildung»; wegen ihrer publicistischen, wissenschaftlichen und staatsmän-; nlschen Kapacita't verfolgt werden. — Die Juden mW >, diese Logik ihres Schicksals kennen und längst begriffen huden. Sie haben treu ihrer Ueberzengung Völker überleb . s und so werden sie wohl auch die jetzige R eakti vnspalte: überdauern. Wir glauben, daß die Abmühungen btt >/ -j-Zeitung hier am vergeblichsten sind; die Juden werdet ' nicht zu Kreuze kriechen." Hamburg, 1. Juni. (Schluß.) Aber Herr. Dr.;