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Der Orient · 1850-06-22 · Heft 25 (22.6.1850) · p. Seite 97

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 25 (22.6.1850)
Date
1850-06-22
Page
Seite 97 (sequence 1)
Language
German
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Berichte, Studien und Kritiken Mer Das Abonnment auf em Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen , löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von vr. Julius Fürst. Jahrgang. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig» Inhalt. Deutschland Breslau. Die Kreuzzeitung und dir Juden. Hamburg. Der Schwiegersohn Ettlinger's. . Dr. Cohn in Oppeln. Berlin. Die neuen Gemeinde-Statuten.— Oesterreich. Preßburg. Miltheilungen aus Ungarn, t. - Briefkasten. — LB. d. Or. 1850 Leipzig, ’Bcn 22. Juni Deutschland. ' Breslau, 4. Juni. Die fanatischen Ausbrüche der Leitung gegen die Juden riefen in der hiesigen Gemeinde Um allgemeine Entrüstung hervor. Die neue O d e r - Z e i- Stung, welche durch ihren ausgezeichneten Mitarbeiter, Hrn. :'Dr. F., schon oft das Interesse der Juden mit Geist und Energie vertreten, brachte auch diesmal einen sehr gediegenen -.Leitartikel, den ich hier mitzutheilen mir erlaube. Auf Antrag des Hrn. Dr. F. hier beschloß auch der hiesige Ge-; minde- Vorstand, bei der Berliner Staatsanwaltschaft die ^Untersuchung gegen die -j-Zeitung zu beantragen. Es wäre j gut, daß auch andere Vorstände ein Gleiches thäten; denn; es kommt hier weniger auf den Erfolg der Klage als auf ''unsere Energie an, welche man unseren Feinden gegenüber an den Tag legt. Hier der Leitartikel: - , „Die Philosophie der Geschichte des Attentats auf den König wird immer abenteuerlicher. Der beschränkte Unter- - thanenverstand des Volkes wird zwar immer den naiven \ Rauben bewahren, daß nur der irrsinnige preußische j Untero fficier Sefeloge, wie Augenzeugen gesehen, die : Unthat verübt; allein die reaktionäre Presse spottet und wülhet über diese einfältige vulgäre Anschauung. Auf der spekulativen Höhe ihrer konstruktiven Geschichtsmethode.hat sie diesen Sefeloge längst aus den Augen verloren. Wie käme -die metaphysische Geschichtslogik dazu, mit diesem zufälligen Irrsinn sich zu befassen? Tiefsinnige Historiker, wie unsere reaktionären Publicisten, konstruiren vielmehr den unglückseligen Sefeloge so lange, bis der Militär Sefeloge, ein Demokrat; der irrsinnige Sefeloge ein „französischer E n c y k l o p ä d i st" und — was nicht ausbleiben kann — der christlich - germanische Sefeloge auch ein Jude wird und damit die beliebte Trias vollständig werde, versetzt man den nunmehr demokratischen Franzosen und Juden Sefeloge in die Begleitung eines „blonden Polen." Die ministeriellen und überministeriellen Organe machen kein Hehl daraus, daß ihnen jetzt das ruchlose Verbrechen Freude macht. Die Deutsche Reform drückt dies durch folgenden Euphemismus aus. „Dieser Mordanfall, sagt sie, ist ein Wink Gottes gewesen, daß wir die Größe der längst vorhandenen Gefahr nicht leichtfertig mißachten." Der Mordversuch auf den König wird also zu einer neuen rettenden That gemacht, um den Staat der besser gestelllen Minorität von seinen Feinden» von den Angriffen der Majorität zu befreien. Die -j-Zeitung beschäftigt sich schon seit mehreren Tagen damit, diese Feinde genauer zu speeialisiren. „Zuschauerlich" und -»rundschauerlich" wurden so lange Demokraten und „Eigentliche" als Königsmörder geschimpft und gegeißelt, bis sie endlich gestern Alles in Allem, die Hauptträger der Revolution, die Demokraten und die Eigentlichen, als einzig und allein in der Judenschaft coneentrirt entdeckte. Die christlich-germanische liebevolle Fromme fällt mit heidnischgermanischer Berserkerwuth über die Juden her. Nicht Sefeloge, sondern die Juden sollen das Attentat verübt haben. Die Juden, sagt sie, „welche sich durch die Hoffnung betrügen, die Stellung, welche sie durch Untreue und Abfall verscherzt, durch Hochvertath und Gotteslästerung wieder zu ertrotzen;" diese Juden seien die Hauptträger der Presse und 25

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