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Der Orient · 1850-06-15 · Heft 24 (15.6.1850) · p. Seite 95

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 24 (15.6.1850)
Date
1850-06-15
Page
Seite 95 (sequence 5)
Language
German
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- 95 - nie verfehlen —- in der Dukeöplace- Synagoge unbeachtet ^lassen werden, indem der Vorbeter das beginnt llnd sich nicht wieder hören läßt bis er zu 'n ns bbn D’U hl gelangt, während das Publikum das schone Loblied ohne R e g e l m ä ß i g k c i t, ohne Weihe herableiert! — Doch die Dukesplace - Synagoge hatte auch; diesen Tag wieder ihr Schönes. Hatte ich bis jetzt mit lauter niederschlagenden Impressionen zu kämpfen; so . sollte ich kurze Zeit darauf für meine frühere moralische! Pein wieder entschädigt werden. — nmin ist kaum ^gesungen; die letzten Tone des sind kaum verklungen und der Oberrabbincr Dr. Adler betritt die; Kanzel, um einen ebenso beredten wie lehrreichen Vortrag zu halten. — Ich abstrahire davon, daß Dr.! Ul er ein Ausländer ist unt> es mithin ein großes Ver- | dienst seinerseits bleibt, daß er sich die englische Sprache? so angeeignet, daß er sich in derselben gewandt und gewählt auszudrücken versteht, wenn auch der Aceent, } was kaum zu vermeiden ist, nicht ganz rein sein mag; Zaber ich muß gestehen, daß ich durch die Predigt wahrhaft gerührt und erbaut ward. Dr. Adler sprach W über Jes. 42, 21 mit der Hinweiftmg auf den Aus-! sprach des Rabbi Chananja: nufi> rnpn Hin; das Thema war: „Z u welchem Zwecke hat unsGott so viele Gebote g e g e b e n?" — Cr wies so bc- ^rcd t, k lar und mit einer so g e sch ick teil Anwendung der einschlagenden Bibel-, Talmud- und Mihra sch stellen* nach, daß, obgleich wir auch ohne Tora viele Gebote gewußt hätten.-— mn3 sb sbzbs f'oi Dnoib u^n mm — uns doch Gott die Zehngeböte, sowie die andern 603 NM geben mußte, um hie Psiichten gegen Gott, gegen uns selber und gehen unsre N eb en me n schon (welches die drei Theile der Predigt waren) genau erfüllen zu können; Gebote, ( die das g a n z e Leben d u r ch d r i n g e n. Cr sprach sodann in einer warmen, beredten Sprache ein Wort der ^Mahnung an die Männer und Frauen, an die Vä- : ta und Mütter, sowie an die Söhne nnd Töchter in e Israel und wies namentlich darauf in herzergreifender | Stete bin, wie es England an einem wichtigen In-?■ fHtutc, das zeitgemäß wäre, fehle, einem Institute, wo Volks lehrer gebildet werden. — Zu Ende sprach er *) Es muß den geehrten Leser meiner und Hörer < der Adter'schon Predigt nichr wundern, wenn wir in unlern beiden Reden, sowohl in Gedanken als wie in C i- \ laten so viel Aehnliches haben; denn erstens standen mir l dieselben Rüstkammern der Literatur beim selben Ge- : öknstande zu Gebote und sodann merkt der unparteiische Beurtheiler sofort, daß Jeder von uns bei aller Äehnlichi'^it doch seinen eigenen Jdeengang hatte. N^NNr>rsMO 2nN- -WM DWJHQ DW3D7 m TOD1?. Mehre Propheten — Redner von (Jes. 57, 19) — mögen nach einer Weise sprechen; dennoch werden aber die weisen zweier Propheten (Redner) nicht ganz aus eins hinauslaufen! (Sanhedrin 89 a.) ein wahrhaft h crzerheb endes Gebet; ich war so erbaut, daß ich, der ich seit Monaten keinen so reingeistigen Genuß hatte, im Geiste ausrief: DT miDD bmtfinj! — So weit vom ersten Tage rpyn&y. — Den zweiten Tag des Festes wurde ich nicht wenig gerührt durch die wahrhaft schöne und innige Recitation der rrotso rran, namentlich durch die gemüthergreiftnde Auszählung der Namen von verstorbenen Londoner Rabbinen durch Mr. Asher; welche in meiner religiösen Nachbarschaft in jedes Auge Thränen der Rührung lockte! — Nun zur „New-Schul"! Dieselbe ist ein schöner, herrlicher Tempel mit einem sehr tüchtigen siN. —- Die „New-Schnl" hat außer 2 Predigten, die der Cheef-Rabbi jährlich daselbst hält, das ganze Jahr keine Predigt und ist demnach mit ihrer religiösen Erbauung nur aus den siN hiugewiesen, der, wie ich oben bemerkte, seinem Amte gewachsen ist. Ich hörte ihn an einem Sabbatmorgen und am 8. Mai das pp “ODD EV - Gebet verrichten, daß er sehr gut und nach den Regeln des pnpn vertrug; auch der Chor gefiel mir sehr. Großes Verdienst um die Erbauung und Erhaltung des Chors dieses Tempels hat der bekannte Biedermann, Philipp -Salomens, Bruder des Alderman's, welchem letzteru — im Vorbeigehen gesagt — vor zwei Wochm die Ehre zu Theil wurde, als Zeuge gerufen zu werden zum Hause der Gemeinen, um sein Gutachten abzugcben in der Eidesangetegenheit im Parlament; eine Angelegenheit, die, wenn sie günstig beendigt wird, den englischen Inden Alles giebt, was ihnen noch zur C'mancipation fehlt! — Doch zurück zu unserm Tempel! „Schade, Jammerschade!" rufen wir beim Verlassen desselben aus: „daß dieses wahrhaft schöne Gotteshaus so leer ist!" Ich begreift das nicht, wie beim bekannten religiösen Sinne der englischen Juden , die Synagogen so leer bleiben. — Am Bern achlässigsten ist wohl die arme „Hamburger Synagoge, kein Chor, keinen Gemeiudcgesang, ganz traurig , wie in der guten alten Zeit, rrur ohne den Vortheil derselben — den starken Besuch! Die „Hamburger Synagoge" leidet, wie sich von selbst versteht, ebenfalls an dem Mangel von Besuchern, an Wochentagen hat sie zuweilen kein sM, wie Schade! hat doch dieselbe so brave Diener des Kultus, so brave Beamte und Vorsteher. Das Nebel hat aber seinen Grund in der allmäligeu Auswanderung der Juden aus der City; alle Synagogen dürften mit der Zeit leer stehen, indem Alles nach dem „Westende" hinübersiedelt. Die „Hamburger Synagoge" sollte, gerade weil sie die ärmste au Mitgliedern und an Mitteln ist, die Recitation des {in mit den Responsorien der Gemeinde einführen. Mr. Holzel, früher sin in Magdeburg und später in Hannover ist ein sehr gebildeter sin und enip, sowie ein tüchtiger Musiker; sollte es nicht daher besser sein,

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