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Der Orient · 1850-06-15 · Heft 24 (15.6.1850) · p. Seite 96

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 24 (15.6.1850)
Date
1850-06-15
Page
Seite 96 (sequence 7)
Language
German
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wenn er die Gemeinde dahin abrichten möchte, in Gemeindechören Gott zu loben? — Zum Schlüsse noch ein Wort über die Synagoge der Portugiesen. Hier wie überall haben unsere spanischen oder portugiesischen Glaubensbrüder den sch önsten Gottesdienst, und die reinste Andacht herrscht in ihrem Bethause. Das — „mo* D'pjin ü'bby 'DD aus dem Munde der Kinder und Säuglinge hast du dir dein Reich gegründet — iPs. 8, 3) ist noch bei ihnen in voller Kraft. Ich bin jeden Freitag Abends selig im Gedanken, daß ich heute wieder nach meiner Herzenslust werde beten können; und wie oft bin ich so gerührt von dem hehren Gesänge der Kleinen, die die Responsorien intoniren als Fortsetzung der Anfangspiecen , reeitirt von den gebildeten 2 O'UN, wobei ich besonders den Namen des in der jüdisch-literarischen Welt geschätzten De-Sola, den Uebersctzer der Mischna ins Englische, nenne — daß ich mehre Male mich ganz überrascht fühle, wenn die Thränen der Rührung mir die Wangen netzen! — O Ihr braven Söhne meiner braven Ahnen, Ihr lebendigen Bilder der religiösen Kraft im Herzen meines Volkes, wie liebe ich Euch, wie liebe ich Eure schönen, gemüthlichen Weisen und Sitten l Ich kann nicht scheiden von Dir, Du schöne Gemeinde, ohne Dir ein Wort deS Segens, das zugleich ein Wort der Mahnung ist, znzurufen: Blühe, Muttergemeinde in London, und erstarke im Fortschritte; daß Dich Deine Töchter in England beneiden und Dir nach ahmen mögen! Prof. Dr. S. M. Schitler-Szinessy. PS. Donnerstag am,2. Mai l. I. hat in ,,London-Tavern" das alljährliche Diner zum Besten des „Ovplian Asylum“, das kurz vorher mit zwei kleinern Instituten vereinigt worden war, stattgefunden. Es waren beim Diner 210 Personen anwesend, worunter viele hochgestellte Christen waren; ich nenne Ihnen Sir F. Peel, Sohn von Robert Peel, dessen Jungferrede (maiden-speech) voriges Jahr unserer Sache geweiht war; derselbe brachte einen schönen Toast auf den Oberrabbiner aus, den auch derselbe angemessen erwiederte. An diesem Tage sielen 1330 Pfund Sterlings eine Summe, um die man in Deutschland ein Jahr betteln muß! Eins der würdigsten Mitglieder des „Orphan Asylum“ ist der durch seinen Reichte h u wie nicht weniger ducch seine F r ö m migkeit und Freigebigkeit berühmte A. L. Moses, der ein A r m e n h a u s auf eigene Kosten erb aut, 1000 Pfd Sterling zu dem vom Oberrabbiner projektirten Institute zur Bildung von Volkslehrern votirte, und zum „Orphan Asylum“ 2000 Pfd. (14,000 Thlr.) früher schon gegeben hatte! ipnrr *^m, Wahrlich, so lchen Männern muß ihre Tugend vorangehen. Polen und Rußland. Knliisch, im Mai. Um mit dem Ober-Rabbiner, Herrn. S. Eger zu Posen, wegen Uebernahme der hier erledigten Rabbinatsstette, zu unterhandeln, hat die hüstge Gemeinde eine Comissien von 18 Männern, an deren Spitze sich Herr W. M. Brockmann, ein eifriger Verehrer des Herrn Eger, sich befindet, ernannt. Der Commission, die keine Mittel scheute, diese für unsre Gemeinde höchst glückliche Aquisition zu machen, ist es auch bereits gelungen, das günstige Resultat zu erstreben, Herrn Egcc zur Uebernahme des Nabbinats zu bewegen. Es handelt sich nur noch um einige unbedeutende Punkte, die jedoch bei den vielen Verehrern und Anhängern, die Herr. E. hier besitzt, leicht zu erledigen sein werden. Ich hoffe demnächst Ihnen recht bald die Anzeige von der definitiven Anstellung machen zn können. Den traurigen Zustand, in welchem sich leider unsre Elementarschulen oder besser D'Vin befinden, bin ich kaum rm Stande Ihnen in Worten darzustellen. Viele unsrer Gemeinde-Mitglieder sehen dies Uelel, durch den häufigen Verkehr mit dem eivilisirten Auslande, schon jetzt ein und richten hoffnungsvoll ihr Augenmerk auf die Ankunft des Herrn Eger, von dem sic mit Recht die Gründung einer tüchtigen Schule erwarten. Wir hoffen, ja wir sind es überzeugt, daß dieser lebhafte Wunsch wohl durch Herrn E. realisirt werden wird. Mehrere der hiesigen Wohlhabenderen lassen ihre Kinder theils in Breslau, theils in Berlin und Posen wissenschaftlich ansbilden. —- Schließlich habe ich Jhncn noch die freudige Mittheilmrg zu machen, daß auf dm hier unlängst stattgefundenen jüdischen Armenballe unser Stadthalter, der Fürst v. Galiezin und der russische General-Lieutenant v. Grabbe wie auch mehrere Offieiere höhern Rauges anwesend waren. Daß diesen Herren auf jede mögliche Weise Gelegenheit gegeben wurde, sich gut zu amnsiren, beweist ihr Verweilen im Balllecale bis zu Anbruch des Morgens. n .. Personalchronik und Miscellen. Rußland. Die Gründung von Elementarschulen für Juden nimmt immer zu, aber auch die ungeheure Last der Steuern, Wie man vernimmt, soll auch die jüd. Preise in Wilna bald verschwinden.

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