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Der Orient · 1850-06-08 · Heft 23 (8.6.1850) · p. Seite 91

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 23 (8.6.1850)
Date
1850-06-08
Page
Seite 91 (sequence 5)
Language
German
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91 In dem Heimgegangenen verlieren wir einen seltenen Menschen; einen ächten Israeliten; einen gediejgcnen Jünger und Meister der Heilkunst und Wissenschaft. I. Aermer sind wir an einem seltenen Menschen. Mt Alle verdienen diesen Ehrennamen. Nur von Wenigen gilt das Wort unsres Psalmsängers: Daß der Mensch den Engeln nur wenig nächst ehe, daß Gott ihn Iniit Ehre und Herrlichkeit gekrönt habe (Ps 8. jö—9). Der Heimgegangene hat sich diesen Ehrennamen erworben, er bat denselben bewährt bis zum letzten Tage seines Lebens. Seine Begriffe und Ansichten von der Würde, von jdcr Große, von der Bestimmung des Menschen waren die er- WtMnsten, die geläutertsien. Als Mensch, im edelsten Sinne jdes Wertes, zu schaffen und zu wirken, war ihm eine der stvichtigsten Lebensaufgaben, mit deren Lösung er stets beschäftigt war. —- Im Dienste der Humanität standen seine W'ste, und noch nahe am Grabe hat der edle Mann der Menschheit ein liebevolles Herz bewahrt. — li. Wir verlieren in dem Heimgegangenen aber auch seinen ächten Sohn Jsr ae ls. — Nicht in leeren Worten Md Ceremonien suchte und fand der würdige Greis das We- |n und den Kern des Israeliten! hu ms. Aber die hohen und |pfjm Lehren und heilbringenden Wahrheiten unsrer Religion j-die kannte er; die erforschte er; die übte er; in ihrem Leiste lebte und wirkte er. Ja, was selbst die, die sich Meister nennen in Israel, die Priester der Religion, firne sehr selten zu thun sich abgcwinnen können, — das vermochte der Heimgegangene: Er brachte der Religion, zu der |t sich bekannte, gar große und t heuere Opfer; denn |aue Besorgniß, es könnten seine Söhne und Töchter durch die ■tanulö — vor etwa zwanzig Jahren — fast allenthalben im Mc urschen Vaterlande noch herrschende Intoleranz gezwunqm sich fühlen, den Israelitischen Glauben — wenn auch nur ^scheinbar — zu verleugnen und der herrschenden Kirche sich .Miwcnden: ich sage, aus Furcht, daß dieser Schritt geschehen könnte, verließ Leo-Wolf, den Ruf Gottes vernehwie einst unser Stammvater Abrahams Wohnort, ^Wirkungskreis, Freunde, liebgewonnene Verhälrnisse, um mit allen den Seinen dahin zu gehen, > w der eine, oder der andere Glaube mit Nichten zur Bedingung der Menschen - und Bürgerrechte geworden; d a- ' wo Gedanken- und Gewissensfreiheit ihre j Hnmcnh gefunden. 3 Diese großartige fromme Handlung \ ft^üi schon würde ihn zu einem seltenen Israeliten erheben.—! ^'ü>e Söhne und Tochter ließ der gewiffenhafte Vater im [■ Glauben der Vater erziehen und unterrichten, und flößte ihnen '^ch Wort und Beispiel den gerechten Stolz ein auf >eine Religion, die so große und erhabene und beseligende Lehso tiefe und geläuterte Wahrheiten aufzuweisen hat. —- 2) l Mos. Cap. 12. V. 1. h 3) Nach dem nördlichen America; nach New-Pork. "Und Er war cs, der, ach! zu früh uns entnommene Freund war es, der mit dreien unsrer wackersten Männer, denen er nunmehr in die Ewigkeit gefolgt ist. — Leo-Wolf war es, der mit jenen Trefflichen^, deren Namen wir nie vergessen werden, die Leitung unsrer gottesdienstlichen A n sta lt übernommen, deren Zweck kein anderer war und ist, als die Religion I fr a e l' 6 in ihrer Reinheit und Lauterkeit zu erhalten; Leo-Wolf war es, der ungeachtet seiner vielen und wichtigen Berufsgeschäfte es dennoch ermöglichen konnte, fast jedem Frühgottesdienste an Sabbat- und Festtagen beizuwohnen. Seinen Platz im Heiligtyume sah man nie unbesetzt; Leo-Wolf war es, der die Ehre und Selbständigkeit dieses Gotteshauses und dessen Lehrer gegen Unbill und Anmaßung und Uebergriffe von außen her männlich, würdiglich zu schützen und zu wahren wußte? Ja, geliebte Gemeinde! bis an das Ende seiner Tage — in Freuden und in Leiden — zeigte sich der Heimgegangene als Israelit ohne Wechsel und Wandel. Der fromme Aufblick zu Gott half ihm die Wonnen des Lebens verschönern und versüßen; mir kindlicher Ergebung in Gottes Willen trug, er Schmerzen und Leiden, und selbst das tiefste Leid, das es für ein Vaterhcrz nur geben kann, besiegte sein religiöser Sinn, als rheuere, geliebte Seelen die Opfer wurden des ungetreuen Elementes. ° Wer so gelebt, der kennte auch mit der heiligsten Glaubenslehre : „Höre Israel, Gott u n s e r H e r r, isteinig und einig" (5 Mos. 6, 4) auf den Lippen und im Herzen, unerschrocken dem Tode entgegen sehen, und — wie einstens der fromme Märtyrer Akiba — gab er feinen Geist dem Herrn zurück mit dem letzten Athemzuge: Gott, Einig, Einzig, hier und dort.4 5 6 7 ISS. Was die Heilkunde an dem Heimgegangenen verliert, — darüber mögen die Männer der Wissenschaft, Männer von Fach urtheilen. Hier, an heiliger Stätte, sei nur erwähnt, in wie weit sein frommer Glaube mit der Heitkunft in Verbindung gestanden. Ein hoher Priester dieser Wissenschaft suchte er mit heiligem Sinne dieselbe zu erforschen, zu üben, zu pflegen. Bei allem Fleiße, den er denen widmete, die seinen Rath verlangten, gab er Gott allein die Ehre, den er als den größten Arzt verehrte; daher er nie in den Ton mit einstimmte, der so vielen Jüngern dieser Kamst eigen ist: „Nun sei es mit dem Kranken entschieden vorbei! — Hülfe sei unmöglich!" Nein, bis zum letzten Arhemzuge vertrauete er dem, in dessen Hand es stehet zu tobten und zu beleben. — Wie fein großer 4) Die Namen der Unvergeßlichen sind: M. I. Brest selau; S. Frankel und M. Robinow. 5) Vergl. Salomon's kurzgefaßte Geschichte -es neuen Jsr. Tempels. Hamburg 1844. Seite 20. 21. u. s. w. 6) Es befanden sich ans dcm untergegangenen „Präsidenten" einer seiner Söhne, dessen Gattin und zwei Enkelkinder. 7) tlnd merj H'2'.

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