Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 23 (8.6.1850)
- Date
- 1850-06-08
- Page
- Seite 90 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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90 zahl anderer von Privatleuten, Freunden und Verehrern des Gefeierten, unter , denen sich, ein sehr Eschenes hebräisches Gedicht vom hiesigem Kanter Herrn A. Lövy, welches ich gelegerrtlich Ihren Lesern mitzutheilen gedenke, und ein'.hebräisches Akrostichen von. Hrn. M. Poppe-, lauereinem Schüler des Gefeierten befand. Während des ganzen Tages hindurch waren die Zimmer mit Gratulanten , die einander imincr abwechselten, gefüllt; ein schöner Beweis der Theilnahmc, deren sich der Gefeierte hier erfreut. Des Abends wurde den Schülern ein Festessen bereitet rmd cS war eine Freude, die jungen Theologen, mit ihrem gefeierten Rabbi in der Mitte, an ebcndemselben Tische fröhlich und vergnügt beim Glase Wein zu scheu, an welchem sie alltäglich mit dem Studium der Gotteölehre aus den großen Folianten beschäftigt sind. Erst gegen Mitternacht konnte sich die lustige Gesellschaft mit dem schönen Bewußtsein einen Tag verlebt zu haben, der ihnen gewiß stets unvergeßlich bleiben wird, trennen. Manchem Leser dieses Blattes dürfte es vielleicht ausfallend sein, daß Referent in seinem Berichte nicht erwähnte, auf welche Weise unser sonst so energische Gemeindcvorstand an dieser Feier sich betheiligte. Schreiber dieses erlaubt sich vorläufig hierzu ju bemerken, daß dies nicht seine, sondern Schuld des Vorstandes sei, ein Umstand auf den Referent nächstens zurückzukommen gedenkt. —- Berlin im Mai. Gleich am-folgenden Tage, als das Ihren Lesern wohlbekannte Attentat auf S. Majestät den König, bei Gelegenheit der Abreise nach Potsdam am 22. d. M. verübt wurde, schickte die israelitische Gemeinde zu Potsdam eine Deputation nach Charlottenbnrg, welche folgende'Adresse überreichte: Allerdnrchlanchtigstcr, Großmächtiger König, allergnädigster König und Herr! Mit der tiefsten Betrübniß hat mich die israelitische Gemeinde zu Potsdam die traurige Kunde von dein -meuchelmörderischen Attentat auf E. Majestät erhabene Person vernommen und sie sendet uns, um den Ausdruck der innigsten Freude ob der glücklichen Errettung Ew. .Majestät zu den Füßen Höchstdcroselben niedcrznlegen. Möge der allgülige Baser seine schützende Hand lange, lange noch über das Haupt Ew. Köuigl. Majestät, wie über die geliebten Häupter Ew. Königl. Familie breiten und jedes Unheil, jeden Kummer von -Hochdenselben abwenden. Wir ersterben in tiefster Ehrfurcht Ew. Königs. Majestät allcrnnterthänigste: Luboscher, Vorstehender. Cohn, Vorsitzender der Repräsentanten; (gez.) Dr. Apolant, Prediger. Iaeoby, Präses im Vorstände. Potsdam am 23. Mai. Die Deputation, bestehend aus den Unterzeichneter: der Adresse, wurde vom Fiügeladjutanten Sr. Majestät des Königs, dem Prinzen Croy freundlichst empfangen, mit der Versicherung, die Adresse sofort Sr. Majestät zu übergeben. Der Zustand der Krankheit mx in diesem Augenblicke noch der Art, daß die persönliche Vorstellung nicht erfolgen konnte. Am Sonnabend den 25. d. M. fand bei gedrängtem ,Gotteshanse in der großen Synagoge der vom Gemeinde-Vorstände eigens zu diesen: Zwecke veranstaltete Festgottesdicnst zum Danke der wunderbaren Errettung Sr. Majestät des Königs statt. Vor der heiligen Lade prangte ein prächtiger Vorhang, ein Geschenk Friedrichs des Großen, und das Gotteshaus war noch vom jüngsten Pfingstfeste mit Blumen reichlich geschmückt. Zu dieser Feier erschien eine Deputationder hiesigen Stadtverordneten-Versammlung und des Magistrats mit ihren Emblemen und goldnen Ketten, für die besondere Ehrenplätze reservirt waren. Durch ein vom hiesigen Uuterkantor Herrn Levy in hebräischer und deutscher Sprache verfaßtes „Dankgebet für die n. s. w. wurde die Feier eingeleitet, der mit Chergesang das übliche nywn jnun Gebet folgte. Hierauf bestieg Herr Dr. Sachs die Kanzel und dankte Gott im Gebet für die wunderbare Errettung und flehte ihn an, daß keine Frevlerhand sich jemals wieder gegen das thcnre Leben des Königs waffnen möge. Als Text seiner Predigt hatte er den dem Wochenabschnitte entnommenen Priestersegen, riD) 'n p"D% worauf er mit dieser Segensformel der: Segen des Allgütigen über den König und sein HanS herabflehte. Eine ähnliche Feier fand auch, auf Anordnung des Vorstandes, in Potsdam statt, wobei der Prediger Herr Dr. Apolant eine tief ergreifende Rede gehalten haben soll, die alle Anwesenden beseelte. P. Hamburg, 22. Mai (Nachruf). Hier wurde den 29. April ein Mann begraben, der durch sein thätiges Leben und segenreiches Wirken eine Zierde der israelitischen Gemeinschaft war, ich meine den Dr. Med., und Chir. Hrn. William Leo- Wolf hier, der in der Nacht zwischen den 25. und 26. verstorben und am 29. zur Erde bestattet wurde, welchem Herr Dr. G. Salomon den 4. Mai nach der Sabbath-Predigt einen ergreifenden Nachruf gesprochen, der in Betracht der Würdigkeit des Verstorbenen auch in weitern Kreisen bekannt zu werden verdient. Ich erlaube mir daher,- denselben hier ganz wie er sich der Predigt angeschlosscn, mitzutheilen; er lautet: „Und mir diesem Gedanken und in diesem Glauben,1 geliebte Gemeinde, ist ein Weiser und Frommer aus unserer Milte geschieden, ein Mann, der zum Heil und Segen seiner Mitmenschen Iahrzehende gelebt und gewirkt hat: D r. Leo- Wolf ist am Schlüsse der vorigen Woche, nach einer langen und schmerzlichen Krankheit, im fast 75. Zahre seines tharigen, inhaltreichen Lebens, so wie im l4. seiner glücklichen, zweiten Ehe aus dem Kreise der geliebten Semigen zur ewigen Heimat!) abgeruscn worden. I) Bezug auf den Schluß der Predigt.