Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 23 (8.6.1850)
- Date
- 1850-06-08
- Page
- Seite 92 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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92 Vorgänger SDU-nan on i hat der Heimgegangene jeden Worgrn, M-er die Kranken zu besuchen vom Hause sich entfernte, zu Go dt geflehe-t., daß seine Hand ihn Leite, sein -Geist gegen ZehLgrUe ihn schützen möge. — In dieser Iuversl'chr besuchte er Alle, die sich seiner..Kunst anvertraueten, mochte das Leid in dem Palast der Neichen, oder in der Hütte der Armen wohnen.— Und so dürfen wir denn wohl mit dem größten Siechte 'behaupten, daß in unserm ewig rheuern Entschlafenen die Wissenschaft einen der würdigsten Jünger, die R e l i g i o n einen ihrer wärmsten Verehrer, die menschliche Gesellschaft eines ihrer würdigsten Mitglieder verloren habe. — Darum lebt und wird der Heimgegangene leben nicht nur in dem Herzen der theueren, ihm nachweinenden, tüsbetrübten Gattin; nicht , nur in der Brust der um seinen Verlust aufrichtig trauernden Kinder und Enkel, — auch im Andenken derer, denen er Heil und Rettung gebracht; auch in den Herzen Öderer, die ihn als Freund und Rathgeber kannten, liebten ^nd verehrten,. lebt er und wird er leben zum bleibenden Segen. Und die ewige Welt der Geister, an die er mit rührender Frömmigkeit, mit kindlicher Zuversicht geglaubt, — diese höhere Welt nimmt ihn aus, sie, für deren himmlische Genüsse er sich vorbereitet durch seinen ächt-weisen und frommen Lebenswandel hienieden. Für diese höhere Welt hat der Heimgegangene schon hier gelebt und gewirkt.'" Anmerk. Ich erlaube mir noch, hier einige seiner Schriften, soweit sie mir bekannt sind, anzufübrcn: 1) Tra<*tatus anatomicopathologieus, sistens duas obs«-r» ationes rarissimas de forniatione fibrorum niusi tilarium in pericurdio atque in pleura obviarum. Aroed. tabl. lith. IV. (5 Blätter). Heidelberg, 1832, 4. 2) Das Abracadabra des 19. Jahrhunderts, oder Hahnentann's Homöopathie. Nach dem Englischen für Deutschland foarbrint von De. Marburg. Hamburg, 1836, 8. 3) Die Gefahren der bisher befolgten Maßregeln zur Verbreitung der Kukpocken dargestellt. Hamburg, 1822, 8. Er hat noch viel andere Schriften verfaßt, die ich nicht genau ansührcn kann. Es wäre wünschenswerth, wenn ein Freund des Verstorbenen in Hamburg eine kurze Biographische Skizze mit genauer Angabe sämmtliche Schriften dieses verdienten Mannes hier mittheilen möchte. Es ist bedauerlich, daß unseren großen Männern in Kunst und Wissenschaft noch immer nach ihrem Scheiden keine ordentlichen biographischen Skizzen folgen, wie vielfach dieser Punkt hier in diesen Blättern schon angeregt wurde. Solche Gedenkworte sind ja oft der einzige Tribut, welchen die Männer der reichen Thal und des vielen Wissens erhalten! 8) Im 12. Jahrhundert. 9) pns rrm "Db 10; hto inflöND pnsi. Verlag vorr C. L. Fritzsche. Ein Bild ans dem ungarischen Kriege, j Keine Dichtung sondern vollkommene Wahrheit. 1 (Schluß.1 | Hiermit entfernte sich die Alte und nach cinii r' gen Minuten kehrte sie zurück und winkte den betten Zurückgebliebenett ihr zu folgen. Sie stiegen ii[\v eine schöne, breite, aber jetzt nur. von dem Lichts welches die Hausfrau in ihrer Hand hielt, erlcuch ' j tetc Treppe,^ gingett durch mehrere elegant abet prunk-! ■ los eingerichtete Zimmer, und gelangten endlich i» $/, ( cin erleuchtetes Settertkabinet. Der Major trat ein, l und erkannte sogleich den ehrwürdigen Alten, den et vor einigen Monaten als Packträger gebrauchen wollte, f auch der Jude erkannte den unwillkommenen Gast i,i S . dem Kaufladen, der seinen einzigen Enkel ins Gesängniß stieß; ein leises „Ach!" entfuhr seinen Lippen uni: er erblaßte; die Frauen sahen staunend bald ans len Greis, bald auf den Major; aber dieser brach bald hü ■ - , peinliche Stillschweigen, trat vor den Alten hin , ergrijj}' seine Hand, und sprach: j „Ehrwürdiger Greis? Ich habe mich schwer gegen Euer Haus versündigt; der Himmel gab Euch schcn Genugthnuttg, denn Ihr habt Euern Feind mit Wobl-^! thaten überhäuft', doch ich will noch was möglich is!; beitragen,!mn meine Schuld zu verringern. Wissen Sie, meine Damen," setzte er zu diesen gewendet hinzu, - „ daß ich der Unmensch war, der in einer Answallmig. von Zorn, der mich in einem Streite mit meinen Kn--.'.' meraden befiel, diesen edlen Greis beschimpfen wollte; . verzcihetl Sie mir, wenn Sie eö können." Der Maja entfernte sich rasch ans dem Zimmer, mit Anbruch U i Morgens verließ er mit seinem Dietter das Hans, mit. nach einigen Tagen lag der befreite Enkel in dm Arme» seiner Großeltern, und mehrere Israeliten ans der Ge- ‘ - gmd, die wegen „Verdacht" mit der Kossuth'sche» Partei gehalten *.u haben, eingezogert worden waren, a-- j schienen bei dem hochbeglückten Alten, tun ihm im Amtrag des Major G,... für ihre Befreiung zu danke». Der Major ist seit damals ein höherer Offizier gc- 1 worden mit» hat jetzt das Kommando eittes Bezirks i» | dem Besiegten Ungarn; aber er zeichnet sich durch Wehl-' 'i wollen und möglichste Milde vor seinen Kollegen aus; besonders sucht er die gedrückten Israeliten gegen Ga -/ waltthätigkeit zu schützen. In dem Hause, wo er viel Gutes genossen, stattet er oft Besuche ab, und cs .1 scheint, als wollte er in Betreff der schönen junge» \ Wittwe das Gesetz über die gemischten Ehen in Aua ■ snhrung bringen; nur ein Hinderniß steht ihm noch ii»; Wege, die schöne Jüdin ist nämliche und das hat j»' ihm bereits offen gestanden, eine sehr eifrige Kossuthianen». - Druck von I. H. Nage l.