Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1850-06-01 · 22 (1.6.1850) · p. Spalte 345-346

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1850
Issue
22 (1.6.1850)
Date
1850-06-01
Page
Spalte 345-346 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/8555529-9891031-9891070--6402-3535779
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

345 & 346 Das Erbgesetz nach dem Evangelium. Bon M. Zipfer. lieber die Erbfähigkeit des weiblichen Geschlechtes nach den» Evangelium. von M. Zipfer, Rabbiner. Sabbat p. 116 wird uns folgende Geschichte erzählt: In der Nachbarschaft des R. Gamliel wohnte ein Philosoph NDd6*£>/ wahrscheinlich auch Richter des Ortes, der von sich den Ruf ergehen ließ, daß er keine Bestechung nehme. R. Gamliel, im Einverständnisse mit seiner Schwester Jma Salam, Frau des R. Elieser, suchte sich auf folgende Art über ihn zu -einstigen. Jma Salam brachte dem Philosophen einen goldenen Leuchter zum Geschenke, und bat ihn, daß er ihr verhelfe, das väterliche Erbgut mit ihrem Bruder zu theilen. Warum nicht? fragte dieser, Weil es, versetzte sie, in unserm Gesetzbuche heißt, daß eine Tochter, wo Söhne am Leben sind, nicht erben soll. Hat nichts zu sagen, entgegnete er, denn vom Tage, daß ihr seid von eurem Lande vertrieben, wurde die Lehre Moses aufgehoben und eine andere gegeben, in der heißt: Sohn und Tochter erben aus gleiche Art. Tags darauf -vom noNba '"y ntyn "tyya ba ’a Vnaj by ntyyan lot-pi ■ Vn nsjoa ninro (ob?’1? nny Nincy nsaya toi n"y nntc'Dn ’D’ nNba nnN rayi' ny pbon 3D’ nboi 13 nnya 3"y nsov nn’n ’a man mo Nb o D’nyn ’yni' nN-a a"y nnn maan by nbsu D'aan nnan nuntyn ’sa ny baa ’wnn yrnb D’syr cyam 'yi,' n“’1 ’ DmPy.Gy’ pn nat did oba pn n Dynt pn cw mpin nn oym mbion ’Pya cn D'nyn anpni.N’nn pN’jn naoa psopjn dh nrbtan mn ’byn nym 3p nnn taiaa ttnnt D”D3D maty k nnb IVi' pPan nvnb did ’aba maa r anpn \k nanpn mwNnn nanyvai tnanyoa tay nnN tnt nbaa oya mm naie» naaya onnriNi onamn D’ityn vsb vn traban nty '3 n"’i niaban nanyaa [nnbaa] Dabo L" nttyyb na ma paa pni tyvwriN pPon nt in »niüfno tPdh nas a"y ny3 nana nnNty nn3\~iNi >13 dni Pyan* dn ' i nbm * p"nb as^aa piao '3 nmn nbap ’biN piaa naN’t * ^laty dni by n ct?n nixbrn niNnnb nt ainaa -vorm jan nih niP'Py warn 'nP '3 immm nnDN nbanty nao nn'n n’ v'pVii' nnat iaa anw mn m>’n pm n n i y nba ■ nab ttmy maya pajn Nim nntyy ibd 'n nnn i'n in ntot» rna F)Duty 'an pn Dnwa pNi vnn Nnn in nntyyty ann naban nan Na’ '3 * na'ao.n by Nb on '3 ny 'ny anarynb iaa jmbya ntnnb 33D’ nDD pn inatyty dn a nt/yw nnN aio maya ims’ njnaNn ni.n dphi -runnNa nnb mpw na ainan P' >3 nai DyDi orn ntyya Dyai niDNn ai'.n a n naa by taiap' Dm nmbya man D'wnt^ ^api »jiDiNbi nny’Np — n?aba nan Na' aia -jhen by •nmaa 'sn i j o o n a i a n. * naynb ibaa nPa' ]'ni pnn nt kam R. Gamliel und brachte einen lybischenEsel; unser Philosoph wieder R. Gamliel das Recht zu, indem er zu ihm sagte: Schlage eine andere Stelle auf, wo es heißt: Zch bin gekommen, weder etwas vom mosaischen Gesetze abzuschaffen noch etwas hinzuzufügen. Zma Salam sagte ironisch darauf, warum er nicht sein Licht über den Leuchter strahlen laßt, worauf R. Gamliel: Ja. wenn nicht der Esel Licht sammt Leuchter umgestoßen. Wenn wir besagten Philosophen, der, nach seinen Schlußworten zu urtheilen, sich zum Christenthume bekannt, und hier die Worte des Evangelisten Mt. 5, 17 — 20; Rom. 3, 31 im Sinne gehabt haben muß, nicht auch zum Lügner machen wollen, so entstehet die Frage, in welcher Stelle des Evangeliums es sich findet, daß Sohn und Tochter auf gleiche Art erben? Raschi zur Stelle erklärt NDlDli?D mit (Sadukäer), ohne jedoch darüber weitern Aufschluß zu geben. Nun finden wir zwar ähnlichen Disput in Betreff der Erbfähigkeit des weiblichen Geschlechtes zwischen den Talmudisten und den Sadukäern. Baba Bathra p. 116 J> heißt es wie folgt: Rab sagt: Wer behauptet, daß eine Tochter mit des Sohnes Tochter (nach dem Tode des Sohnes) das väterliche Erbgut theilt, der ist ein Anhänger der Sadukäer, und es wird ihm nicht Folge geleistet, selbst wenn er ein Fürst in Israel ist. Wir daben auch gelernt: Am 24. des Monats „ Lebet" ist kein Fasttag, weil wir an diesem Tage das Recht für unsere Gerichcspflege behaupteten; denn die Sadukäer sagten, daß die Tochter mit des Sohnes Tochter die Erbschaft theilt, R. Jochanan, Sohn des Sakkak, disputirce mit ihnen und besiegte sie, dieser Tag wurde in Folge deffen zum Festtag gemacht. Allein es ist unwahrscheinlich, daß die Sadukäer ein Gesetzbuch besessen haben, in dem sich dieselben Worte des Evangelisten: Ich bin gekommen u. s. w. vorgesunden; dann handelt es sich hier ja nicht mit einer Brudersrochter, sondern mit dem Bruder selbst, gegen welchen auch die Sadukäer als Bekenner des schriftlichen Gesetzes (4. M. 27, 8) einer Tochter gleich keine Erbschaft zusprechen können. Ueberhaupt trägt das ganze Gespräch dieses Philosophen ein christliches Gepräge an sich. Die Worte: Won dem Tage, daß ihr seid von eurem Lande vertrieben, wurde die Levre Moses aufgehoben, konnte nur von dem Munde eines christlichen Bekenners ausgesprochen werden, indem diese Kirche kurze Zeit vor der Zerstörung Jerusalems aus dem Schooße des Judenthums hervorgegangen, gerade mit der Vertreibung des jüdischen Volkes und dem gänzlichen Verluste seiner Selbstständigkeit, aus ihrem Verstecke hervortreten und sich öffentlich geltend machen konnte; anderseits stimmt dies ganz mit den Lehren überein, die zwar nicht Jesus selbst, sondern seine Jünger später in Flor brachten. „Denn wo das Priesterthum verändert wird, da muß auch das Gesetz verändert werden.^ (Ebr. 7, 12) „Ihr seid getödet dem Gesetze durch den Leib Christi." (Röm. 7, 4) „Christus ist des Gesetzes Ende." (Röm. 10, 4). Hingegen war der Sadukäismus, der seinen Culminatiospunkr viel früher schon erreichte, zu dieser Zeit ganz gesunken.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.