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Der Orient · 1850-06-01 · Heft 22 (1.6.1850) · p. Seite 87

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 22 (1.6.1850)
Date
1850-06-01
Page
Seite 87 (sequence 5)
Language
German
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87 - . schchcn hätte, wobei der Umstand in den Gesichtskreis zu f .jeden ist, daß auf dem Lande noch keine politischen Judenfeinden bestehen, und daß die fraglichen Anstalten, besonders diejenigen des öffentlichen Unterrichts auf dem Lande mehr .^öthiz sind, dagegen die Kultusanstalten, wie es bei dem Kreisrabbinat der Fall, sich aus größere Bezirke erstrecken. die Einhebung der Bedeckungskosten nach den Verzehrungs- \ steuergemkindkn, sonach wohl bei Anstalten letzterer, nicht aber j ersterer Art anzuordnen ist." Die Kreisbehörde wird aber! eine große Verantwortlichkeit auf sich laden, wenn sie eine Besteuerung des Kultus sanktioniren sollte, wie gut sie es auch meint. Die Gemeinden sind nach dem Patente ein sür i allemal autonom, nur die Gemeinden haben zu bestimmen, wie sie ihre Schulen und Kultusinstitute erhalten und die Staatsbehörde har sich hierein durchaus nicht zu mischen, höchstens daß sie Gemeindeversammlungen anregen kann. Was . die Kreisrabbiner anlangr, so haben die Gemeinden jetzt das i Recht, nach dem Buchstaben der Verfassung, sie als aufgehoben!' twzusehen, und die Gemeinden wollen in der That von diesen I nichts wissen, da sie nie den Gemeinden, sondern ihrer Selbstsucht, ihrem Säckel gedient. Der Zuschlag auf den Vermögmssteuergulden ist ihr Werk, und die Theilnahmlosigkeir für Äaltus und Schule, der Mangel eines Rabbinerseminars ist - ihr Resultat, und die Gemeinden segnen schon deshalb die ILkckassung. um in ihnen nichts weiter als Ortsrabbiner, bedienstete von der Gemeinde zu jsehen. Hüten wir uns vor Erfindung neuer Formen zum Drucke nur zur Erpressung, trachten wir lieber dahin, die alten ganz zu zerbrechen. Eine - Organisation muß aus dem Innern der Gemeinde kommen, ~ eine gemeinsame Berathung aller Glieder, ohne staatliche oder : kreisrabbmliche Einmischung, wird schon das Rechte finden; tmö har eine Gemeinde nicht Lebensfähigkeit genug, um sich s zu reorgLuisiren, dann ist es besser, daß sie eingehet. Ein Bild aus dem ungarischen Kriege. Keine Dichtung sondern vollkommene Wahrheit. (Fortsetzung.) Unter den Offlziereu, welche in dem von Deutschen Gewohnten Dorfe D . . . am linken Ufer der Donau Ni'ijuarint wurden, befand sich auch der schwerverwundcte Major G . . . r, einer der tapfersten Krieger der östl'cichischtn Armee, der viel zu dem Siege bei Käch beigtlragen und jetzt an einer daselbst erhaltenen Schußwunde über dem rechten Schlüsselbein schwer darniederlag. ®ö g^aug zwar, die Kugel aus ihrem tiefen Sitze herauö- -uhclen, allein das Wundsteber wurde in Folge der Operation so sehr gesteigert, daß man für sein Leben beiorgt war. Doch bald siegten die kräftige Constitution Majors und die sorgsame Pflege, welche ihm seine Hausfrau und deren schone Tochter angedeihen ließ, über die zerstörende Kraft der Krankheit und nach sechs Wochen kennte der Patient schon in Begleitung seiner schönen Pflegerin kleine Promenaden in dem schattenreichen Hansgarten machen. In diesen Tagen war es besonders die jüngere Dame, eine Wittwe von 22 Jahren, die dem Major die Freuden der Reconvaleseenz versüßte; die Sanftmuth und der Zug von tiefer Trauer, welche auf ihrem ganzen Wesen rnheten, machten ihre schlanke Gestalt und ihr rein orientalisches Gesicht, das von zwei schwarzen Sonnen beleuchtet und von noch dunklerem Haar beschattet wurde, zu einer sehr anziehenden, für einen jungen Major fast gefährlichen Erscheinung, und der unerschrockene Krieger wäre vielleicht von dem schönen Weibe zum Gefangenen gemacht worden, wenn er nicht gleich in den ersten Tagen von ihr erfahren hätte, daß ihr Vater ein Jude sei, und daß sie den Tod ihres jugendlichen geliebten Gatten so sehr betrauere, daß sie sich nie entschließen werde, wieder eine Verbindung einzugchen. Die Genesung des Majors war endlich so weit vorgeschritten, daß der Arzt ihm erlaubte seinen jetzigen Aufenthaltsort zu verlassen, und zu seiner Zerstreuung nach einer andern Stadt zu reisen; die Abreise war schon auf den kommenden Tag festgesetzt und der Major wiederholte noch einmal, als er den Dienern seine Abreise ankündl'gte, sein Bedauern, den Herrn des Hauses noch nicht gesehen und gesprochen zu haben. Der Major hatte sich schon oft-nach diesem erkundigt, aber es hieß, der Vater habe eine Reise nach Oberungarn unternommen, von welcher er vermuthlich erst kn einigen 9Nonaten znrückkommen wird; allein der Gast sollte noch am Tage vor-seiner-Abreise von der Unwahrheit dieses Vorwandcs überzeugt werden. Am Abend nämlich trat - der Diener des Majors in dessen Zimmer und sagte in heimlichem Tone: ,,Herr Major! ich habe heute eine Entdeckung gemacht. Nachmittag, als ich vom Herrn Major die Erlaubnis bekam, auf eine Stunde auszngchen, ging ich mit deur Kutscher unseres Hausherrn in's Wirthshauö, um mit dem braven Burschen zum Abschied eine Flasche zu leeren; der Wem, und besonders der ungarische, löst die Zungen der Sterblichen, und so sagte mir Pi sta ganz im Vertrauen,. daß sein Herr während unseres Hierseins größtenthcils zu Hause war, und daß er sich immer vor uns versteckte. Ich weiß nicht, was den guten Alten dazu bewegen kann, so einem guten Herrn, wie der Herr- Major, anszuweichen, allein da ich weiß, daß Sie oft nach dem Hausherrn gefragt haben, so beeile ich mich^ Ihnen dieses mitzutheilen, und setze nur noch hinzu, was mir ebenfalls Pista sagte, daß der Alte heute Abend wieder von einer kleinen Reise, die er vor einigen Tagen wie gewöhnlich des Nachts angetreten hat, znrück'kommt und vermuthlich wieder in einen: Zimmer des obcrn Stockwerks zubringen wird." Der Major war höchst

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