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Der Orient · 1850-05-25 · Heft 21 (25.5.1850) · p. Seite 83

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 21 (25.5.1850)
Date
1850-05-25
Page
Seite 83 (sequence 5)
Language
German
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83 L f.j=g§.; juat: in einem kleinen Städtchen unweit einer EZ>jdm^^Osstreichern eroberten Festung. In einem c'in Jun8er Jsraclit, der beschäftigt EF^sKkM'-.Waaren, die während des eben beschlösse- '^-.'-WKHenmarktcs in Unordnung gebracht . wurden, :iuib jedes Stück in den dafür zu legen; U}m jur Seite stand sein jugendliches HM>wchn -in. seiner Bbeit unterstützend; in einer Ecke W/Mdens faß ein Greis mit langem Silberbart und ßÄ^M.Higen. - spärlichm Locken, dem das jxmge Ehcpaar MMstWererer Verehrung zu begegnen schien^..denn der jMMtt.Handelsmann beantwortete die Fragen desselben W^MhMrVHöflichkeil, und die großen schwarzen Angen Jüdin hingen mit besonderen; Wohlgefallen MWuMa sanften Zügen, und wenn sie das Pfeifchen, MlchMlhc't Alte schmauchte, erlöschen sah, eilte sie schnell mit.Mem Zündhölzchen herbei, 'um den unterbrochenen Müchstkym -wieder in Gang ju bringen» Endlich war die Erbest des jungen Ehepaares vollendet, und sie nah? MM.^DhSeite des Alten Platz, um, wie es schien, stch/M^ungestört mit ihm ju unterhalten, als ein Ost klyerbtzü der Schwelle des Ladens erschien und mit barsch^Mimme fragte: „ Hast Du Zucker und Kaffee, Jude?" 1 . . ...Der Jude hätte gerne mit ,, Nein! " geantwortet, allkin/. die Kusgelegtcn Znckcrhüte hätten ihn Lügen gestraft, und er antwortete: „Zu dienen, gnädiger Herr." DchäOfßzstr trat ein: „Also 5 Pfund fein Raffinat," dsnmxte' er den Juden an. Dieser beeilte sich den BesthlJss.. vollziehen, und legte das Verlangte wohleinges paÄnver dm unumschränkt herrschenden Li litte na nt hin. »^4Pfund Java-Kaffee," brüllte dieser wieder, und mm kleinen Pause setzte er hinzu: „Ich weiß mehl, daß Du keinen Java hast, allein man muß sich tr/Mqem Lande ben Räubern und Rebellen selbst an WttSpmche der Gauner gewöhnen; gicb nur also voll dtW, ttvelchm Du Java nennst." „Ich weiß nicht," vemtzte der Jude., „ ob mein Kaffee von Java oder ÄAnaitü kommt, aber ich will .Ihnen den besten geben, Michm .ich. .habe," und hierauf legt er den Kaffee und ^vch eünge in obigem Tone verlangte Artikel vor den; ^ffstper hin» „Also die Rechnung," rief der Offizier» nahm die -Kreide zur.-Hand und rechnete ö.Pfmch Zucker & IG Gr» — 2 fl. GO kr., 4 Pfund Kaffee L 12 Gr. — 2 fi. 34?r. tu si w» " Der hörte scheinbar ruhig zu, doch als der Jude zu war. und nun die Bezahlung erwartete, sagte der WmR^ ulit dem pttrw d’epeei „Jetzt gicb mix die Äfiie herBetrüger! Ihr glaubt noch, in der guter; EE Zeit, zu leben, wo ihr unter dem Schutz eines Edelmannes ungestört cl?er Wesen treiben konntet; jetzt regieren wir das Land, und ich hoffe in zehn Jahren man in Ungarn seltener einen Juden als einen weißen Wolf finden. 5 Pfund Zucker & 6 Gr» — 1 fL 30 kr., 4 Pfund Äafee ä 8 Gr. ■= 2 ff. w." Umsonst betheuerte der Jude, daß er ihm die Preist st gestellt habe, wie man sie ihm selbst in der Hauptstadt nicht stellen konnte;' umsonst forderte et den Human in spe auf, zu seinen Rachbaren, den christlichen Kaufleuten zu gehen und sich von seiner Billigkeit \u überzeugen , ja umsonst näherte sich der bis jetzt stillschweigende Alte demselben und setzte ihm auseinander, daß bei der jetzigen Grenzsperrung die Preise der Kolomalwaaren natürlich steigen müssen; die ruhigen Worte des alten Mannes waren wie Oel in die Flamme gegossen, der Ofstcier fuhr ihn donnernd an: „Wer hat Dich gerufen , alter Gauner I Ich bezahle die Preist, welche ich festgesetzt, und Du," auf den Alten deutend, „trägst mir die Waare zu meinem Wagen, der am Gasthofe zur ■* * . . steht", und warf eine 10 fl. Rote auf den Tisch. Diese Worte des Offieiers trafen die jüdische Familie, wie ein Donnerschlag. 28er dir Hochachtung kennt, mit weicher die Juden überhaupt dem Alter begegnen, wird es wohl Ansehen, daß der Soldat, indem er von einem friedlichen Greis Trägcrdienste verlangte, ihnen als Barbar, ja als Urwälder erscheinen mußte; aber der Greis stand ihnen naher, und zur allgemeinen Hochachtung gegen das Alter fam noch die kindliche Verehrung gegen den greisen Großvater, und dieser sollte vor den Augen der ganzen Stadt, die ihm stets mit gebührender Achtung begegnete, beschimpft werden I, Ju dem Gesichte des jungen Israeliten wechselten die Züge der Entrüstung mit dem Zähneknirschen der stlbstbewußteil Ohnmacht; die jugendlich blühenden Wangen des schönen Weibes erblaßten, während ihre großen Augen aus den Hohlen zu dringen drohten und sich endlich in einen Strom von Thränen entleerten; der alte Großvater mußte sich an die Lehne seines Stuhles, von dem er aufgcstandm war, stützen; es erfolgte eine kurze Peinliche Stille. — „Nun, wird's mal?" brüllte der Soldat. „Mackst Alter, daß wir sortkommm; ich habe nicht Zeit, mich hier angaffen zu lassen." Der junge Handelsmann sammelte alle seine Kräfte, und sprach in zitterndem aber nachdrucksvollmr Tone: „Gnädiger Herr! Verlangen Sie nicht von dem alten Manne, der kaum seinen gebrechlichm Körper tragen kann, daß er Ihnen Trägcrdienste verrichte; ich will Ihnen einen Mann rufen, der dic Maare zum Wagen besorgen wird." „Habs ich Dich um Rath gefragt, lausiger Jude; dcr Altetragt mir die Waare zum Wagm, und zwar sogleich, sonst" — — „Aber um Gottes Willen, gnädiger Herr! haben Sie doch Mitleid mit dem alten Manne; ich will Jh^ nen selbst den Dienst verrichten." „Schweig! oder ich haue Dich nieder." In dem Innern des jungen Israeliten ging jetzt eine fürchterliche Veränderung vor;

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