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Der Orient · 1850-05-25 · Heft 21 (25.5.1850) · p. Seite 84

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 21 (25.5.1850)
Date
1850-05-25
Page
Seite 84 (sequence 7)
Language
German
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- 84 - die unterdrückte Entrüstung brach in Worten und Geberden los, und mit einem Ausdruck, der. selbst den stolzen Söldner erschrecken machte, rief er: „Nein! und hundertmal Nein! Ich will sehen, wer meinen Großvater zu schmählichem Fvurierdienst zwingen wird. Wissen Sie, mein Herr, daß dieser ehrwürdige Greis seinen friedlichen Wohnort we^en der räuberischen Naitzen, die Sie ihre Waffenbrüder nennen, perlassen und in dieser Stadt, wo er die Achtung aller Einwohner genießt, Schutz gesucht und gefunden hat; nun sollte er in dem Hause seines Enkels beschimpft werden? Nein, und abermals nein! So lange ich lebe, soll Niemand seiner Ehre nahe treten." Der Krieger, durch diesen unerwarteten Widerstand gereizt, ergriff seinen Säbel mit der Scheide und wollte einen Streich nach dem Inden führen , allein das nach Hilfe rufende Weib desselben trat zwischen ihren Mann und den Soldaten, und als dieser sie mit der linken Hand nach der Seite schob, ergriff der Jude das untere Ende der Säbelscheide und stieß dieselbe so heftig zurück, daß der Officier an die Thüre des Kaufladens gestoßenrücklings zur Erde fiel. Indessen hatte sich eine große Menge von Zuschauern um den Laden gesammelt, die in größter Spannung dem Ausgang des Streites entgegen sah, aber der Ofsicier hatte sich noch nicht von seinem Sturze erhoben, als eine tiefe Korporalsstimme rief: „Platz!" und eine Patrouille von zehn Mann erfüllte den Eingang und den inucrn Raum des Ladens. Der Ofsicier sagte dem anführenden Korporal einige Worte, worauf er sich entfernte; der Jude wurde von der Mannschaft in die Mitte genommen und nach einigen Tagen wurde er „wegen Beleidigungen und Widersetzlichkeiten gegen das k. k. Militär" zu Einem Jahre Profosenarrest in Eisen verurtheilt. H. Vier Monate war seit obiger Begebenheit verflossen. Die Waffen der Magyaren hatten das kaiserliche Heer in 20 Schlachten gedemüthigt; Görgei stand an der nördlichen Grenze Ungarns, und nur von ihmalsOberfeldherrn hing es ab, das geknechtete Wien fnrtzimmer zu befreien; im Süden schlug Perzel das rhitzischkroatische Heer aus der Batfchka und aus.dem westlichen Theile des Banats bis nach Titel und Semlin, und wieder hing es nur von Görgei, als Kiegsminister ab, dem wacker:: Haudegen, dessen Heer in den vielen Schlachten geschmolzen war, zu verstärken und einen Zug nach Agram zu ermöglichen; allein im Buche des Schicksals war geschrieben, daß Perzel in ehrenhafter Verbannung und Görgei in schmachvoller Freiheit (?) leben soll, und die Ungarn sollten unterliegen, weil sie den Schwerpunkt ihrer Ungeheuern Kraft in Einem Menscher: suchten. Verlag von C. L. Fritz sch e. In der Schlacht bei Krüy wurde Perzel's Mach ) gebrochen; das kleine Heldenheer von 8000 Mm,: K wurde von 20,000 angegriffen und gänzlich aufgericbc»:.? Ein Fahnenträger legte sein hundertfach durchlöchert): Banner vor dem geschlagenen General nieder und sagte:-). „Hier ist der Ueberrest des 8. Honv6dbataillonS." Aber f auch der Feind hatte den Verlust vieler feiner Tapfersten zu beklagen, und da die zahlreichen Verwundeten«'-/ in der vom Bürgerkrieg verwüsteten Gegend nicht nnterglbracht werden konnten, so wurden die Leichtverwundet . nach EsM transportirt, die Schwerverwundeten Ai P wurden in den nächsten Dörfern bei den magyarischer, r; und deutschen Einwohnern (die Raitzen hatten sich ve,; Perzel geflüchtet) nntergcbracht. Die Unglückticha ft wurden überall mit der größten Sorgfalt und Menschen- \ liebe gepflegt, obwohl die Wirthe meist der ungarisches Sache trcn anhingcn, und mehrere ihrer Söhne und - Bruder im Felde gegen die Feinde des Vaterlandes standen; ja es mag manche Mutter die Wunde gcrei.-; nigt und verbunden, die das starke Schwert ihres Setznes geschlagen, und manche den Arm mit weichen Pol- J stern gebettet haben, der deu Todesstoß nach dem Hers zen ihres einzigen Kindes geführt hatte. (Fortsetzung folgt). Personalchronik und Miscellen. Berlin. Die Kreuzzeitung fährt fort durch Geft' .. hässigkeiten gegen Inden sich auszuzeichnen, und wen,: [ , sie keine Juden findet, so macht sie ihre christliche«^ Gegner zu Juden. * * * IPi Hannover. Hier ist für Jude:: folgende Eides- '. forme! emgcführt: „Ich schwöre bei Gott dem All-, mächtigen und Allwissenden, daß?c, So wahr mit; Gott helfe und sein heiliges Wort". Für Juden: „Ich schwöre bei dem Nainen des Herrn, des Allwissenden und Allgerechten, des heiligen Gottes Israels 0 ) re. So wahr mir Gott helft, der Herr". \ ♦ * i-'-fä * '; M Prag. Endlich wird auch eine Kultnsgemeindr-;/j ordnnug anögcarbcitet. Die Bezirkshanptmannschaft hat j in einem bescndcrn Erlasse dazu veranlaßt. t - * * * Leipzig. Ein Berliner Missionär hat hier schlechte Geschäfte gemacht! Uufcrc fremden Israeliten bekam- § merten sich gar nicht um Proselyttenmachcrei, ihnen lagen ihre Geschäfte mehr im Sinne — als die Bckehrung zum Christenthum. > Druck von I. H. Nagel.

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