Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 20 (18.5.1850)
- Date
- 1850-05-18
- Page
- Spalte 307-308 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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307 308 3 Studien. Der Natur-Philosoph von M. Zipfer. den, üüd dort Unter dem Schutze des ewigen Felsen unsere Zilflucht suchen. ' In dieser Schule lernte ich nicht minder Liebe gegen alle Menschen, Haß und Verachtung aber gegen Niemanden zu tragen, und selbst denen, die mir übel gewollt, von meinem Brode und Trairke mitzutheilen, denn nicht minder gütig ist ja das höchste Wesen gegen uns alle, selbst wenn wir von seinen Wegen abweichen, und uns als seine Feinde erklären. Seme Sonne läßt Gott den Guten und den Bösen scheinen: sein Regen befeuchtet neben der heilsamen Pflanze auch das schädliche Unkraut, und der giftige Skorpion findet gleichfalls seine Nahrung wie die schuldlose Taube, und seine Stimme ruft mir aus dieser Erscheinung zu*: Wie Gott in seiner Allliebe gütig jedem Wesen ist, und sich barmherzig gegen alle Geschöpfe erweist, so sollen auch wir diesem erhabenen Beispiele folgend, Nachsicht und Liebe gegen Irrende L«d Fehlende, gegen Feind wie Freund, tragen. — Woher, Horen wir oft die Kleinmüthigen und Kleingläubigen sprechen, W-Her werden wir alle die Bedürfnisse decken, die mit jedem Jahre zunehmen und mit Vermehrung unserer Familie sich noch mehr vergrößern? Wenn ich nicht, so spricht der Gottlose wieder, gewaltsam dem Schicksale das abzutrotzen gewußt, Das mir der Himmel versagte, so würde ich schon längst m.it den Meinigen dem Verderben anheimgefrllen sein. Schaffen und raffen, ohne Rast und Ruhe, auch an den vom Herrn geweiheten Tagen, ist der Wahlspruch Anderer wieder, die in ihrem Unglauben an göttlicher Hilfe und göttlicher Vorsehung noch am letzten Tage der irdischen Laufbahm bei aller Fülle des Reichthums hungern zu müssen glauben. Diese alle weise ich an das kleine Völkchen der Ameisen hin, die, ohne wie die anderen unserer Herrschaft unterworfen Thiere durch Aufsicht und Leitung von uns ernährt zu werden, doch Nahrung für den Sommer und Futter für den Winter aus der Hand des Allvaters empfangen. Du aber, o Mensch ausgerüstet mit so vielen Geistesgaben und Besitzer so herrlicher Naturkräfte, du zweifelst noch darüber, ob du zu leben haben werdest, ob denn der Herr auch dir eine Tafel zur Erhaltung der deinigen bereiten könne? Ja jede Ameise muß dir zum Vorwurfe dienen, jede laut dir zurufen^ „daß er, der heißt es: kaust man nicht zwei Sperlinge (im Originale ctqovÖ'lci) um einen asser (Orig, welche Stelle die syrische Version mit Beibehaltung von p-fcjxj giebt. Dieselbe Anspielung von dem Werthe des Sperlings findet sich auch in der Mischna Chulin S. 142 in Betreff des 5 M. 22, 6 vorkommenden Gebotes von Jp und lautet: no'ND rbp mSD PN im Aus dem Allen erfolgt, daß die Alten unter -ibu den Sperling verstanden haben. 7)?LPv bi b]3 bib 'i mto Viehn mpy Berachot 7 a. b^bb rrb Np-Wl 'pra Ninn W? b mp , ■on -sayob njhn miN in^ dV -idn ':n a*rD wyo ho bywrn. 8) nvn o bib nnb \m , nxi« rtox Herr, der allen seinen Geschöpfen Brod und Nahrung leiht, und dessen Huld und Güte über alle Zeiten und Räum? sich erstrecken, gewiß auch dir seine Vaterhand nicht entzieh^ und seinen Segen deinen Werken nicht vorenthalren wird. Soll aber der Segen Gottes uns begleiten, so müssen wir nicht minder unser Seits thätig und arbeitsam sein. 2m Schweiße des Angesichtes soll der Mensch sein Brod ttu zehren, ward ihm zur Bestimmung gemacht, damit er nicht zum zweiten Male wie ehedem durch Müssiggang aus den Paradiese des Glückes verscheucht werde. 1 Sehe ich nun btn so weise eingerichteten Staat der Bienen, wie da alles in emsiger Thätigkeit begriffen ist und rastlos an der Vollendung der ihm vorgezeichneten Aufgabe arbeitet, wie sie Hin- Wenn es daher im Talm. Erubin S. 100 heißt r Wir können Enthaltung vor fremdem Gute von der Ameise lernen; ferner Spr. 6, 6: Gehe hin zur Ameise du Fauler, siehe ihre Wege und werde weise; obwohl sie keinen Fürsten zu hat, bereitet sie doch ihr Brod im Sommer, und sammelt ihre Kost in der Erndte; so geben alle diese drei Stellen einen und denselben Sinn, weil Kleingläubigkeit zur Unzufriedenheit mit unserem Stande, Trägheit zum Mangel, buk wieder zu Betrug, List und Raube führen. Auch ist in dm ebenerwähnten letzten Stelle nicht blos die Thätigkeit der Ameise, als auch die zweckmäßige Einrichtung, die sie in ihrer Thätigkeit gebraucht, ausgedrückt „sie. bereitet ihr Brod in »Sommer", verrichtet ihre Arbeit zur gehörigen Zeit, mit dann im Winter zur Sammlung neuer Kräfte ausreichm zu können. Thätigkeit und Genügsamkeit werden in diesem Verse als Eigenschaft der Ameise bezeichnet. Diese Abwechslung zwischen Arbeit und Ruhe soll die Ameise nach Versicherung der alten Naturforscher (Aristot. L. IX, o. 38. Plinius L. 11. c. 41, L. XI. c. 30) in jedem Monate gebrauchen , und nur im Vollmonde Tag und Nacht arbeiten, bei Neumond hingegen gänzlich ausruhen. Ja nach einigen Schriftstellern soll die Ameise sogar den Sabbat, d. h« jeden siebenten Tag als Ruhetag halten. Auch der Midrasch weift uns auf eine Sabbatruhe hin, die wir von der Ameise abzulernen haben. Zu Spr. 6 heißt es wie folgt: R. Josua, Sohn des Pedaja sagt: In der Zukunft werden die Frevler vor Gott erscheinen und sagen: Gewähre uns jetzt Zeit, damit wir nun deine Gebote ausüben, und Buße für unsere vergangenen Sünden thun. Gott jedoch erwiedert: Ihr Thoren! die Welt, in der ihr gelebt, ist der Vorabend des Sabbat, diese Welt aber der Sabbat selbst, nur wer sich in jener bemühet, kann in dieser genießen; ferne die vergangene Welt ist die Zeit der Aussaat, die zukünftige hingegen die Herbstzeit, wer in jener nicht anbaut, kann m dieser keine Früchte einsammeln, das alles hättet ihr von der Ameise lernen sollen, denn es heißt: Gehe hin zur Ameist, Fauler, und sieh ihre Wege, damit du weise werdest. Was die Etymologie des Wortes betrifft, so soll es von „abschneiden" herstammen, entweder weil die Ameisen die Aehren des Getreides abmähen, um sich einen Vorrath zu sammeln, so Job. 24, 24 tcw-oi; oder well sie die Körner spotten, daraus den markigen Keim nehmen, um sie des neuen Wachslhums zu berauben. So auch Plin. L. 11. 30. Semina arrosa con du nt, ne rursus fruges exeant e terra. Das lateinische formica käme daher quod foret micas, 1 e. grana colecta. ai;; SS § je ft ei Z u b n d L f , r I 1 I l