Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 19 (11.5.1850)
- Date
- 1850-05-11
- Page
- Spalte 295-296 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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295 298 Studien. Die literarischen Vorlagen des Talmuds? achi gleichzeitig mit Mardechai gelebt habe; aber selbst in dieser Auffassung ist die Zeitbestimmung nicht streng und genau zu nehmen, da unser Prophet nach alter Ueberlieferung der Späteste der .Propheten gewesen419 urb der Tempel lange wieder hergestellt war.420 Die stylistische Form der Mal'achi'schen Vortragsweise anlangend, so bezeichnet die Ueberlieferung bereits als Charakteristiken das Antworten auf fingirte Fragen,421 gleichsam der prophetischen Rede eine gewisse dramatische Lebendigkeit verleihend. 422 Inhaltlich kommt zuerst eine mahnende Rede an das Volk und die Priester über die Nachlässigkeit im Opferkultus; der Geiz, niedrige Sinn, der Mangel an Liebe und Ehrfurcht, wird gegeißelt und auf die Gottesverehrung der Heiden wird hingewiesen.423 Diese Hinweisung soll der Tradition nach sich nicht auf damals gegenwärtige Zustände, etwa auf Verehrung des Ormuzd, bezogen werden, sondern entweder auf Allgemeines und Bildliches, oder auf ältere geschichtliche oder sagenhafte Reminisccnzen,424 da der Talmud eine Lobpreisung des Heidenkultus sich nicht denken konnte, wiewohl die Ansicht, daß der jüdische Gott damals unter den Heiden große Verehrung genossen und daß er Gott der Götter von ihnen genannt wurde, sich ebenfalls traditionell ausgesprochen.425 Dann kommt eine Schilderung der ausgearteten Priefterschaft und Mahnung, zur Pflicht zurückzukehren, 426 eine Strafrede über Verletzung der ehelichen Bande durch Heirathung der Ausländerinnen,42? und endlich kommt eine Weissagung über das künftige Gericht, überden Propheten Elijja u. s. w.,428 was die Tradition zu einer Fundgrube von Erinnerungen und Tröstungen gemacht.42!) Hiermit schließt die kleine Prophetien - Sammlung, die als äußerlich Verbundenes unter dem Namen' „Zwölfbuch" (T're'Asar) in den kanonischen Schriften für Eins gezählt wird. Die Anordnung der zwölf aus den verschiedensten Zeitkäufen herstammenden kleinen prophetischen Bücher geschah, der Tradition zufolge4:10 und wie eine unbefangene Kritik es auch bestätigt, 131 nach der Zeitenfolge der prophetischen 4l9) Sota 48b; Nosch lw-Schema 19b; Nasir 53b; Chulltn 137 b; Bechorot 58 u; Sebachim 62a. Unter den 35 Propheten des großen nationalen Staatsraths (Ansche K'neset Ha-Gedola) war auch Malachi (*Erubin 104 5). 120) Mal. 1, 10; 3, 1. 10. 121) ib. 1, 2. 6. 7; 2, 17; 3, 8. 13. 422) Tanch. par. Terunia; Jalkut zu l, 2 Wim riD« im« p'wd v»n Dm -imo rrn «in bw. nn. 423) Mal. c. t. 424) Menachat 110. Jalkut z. St. aus Tanchuma. 425) S. Raschi zu Mal. 1, 11. 426) Mal. 2, 1—9. 427) ib. 2, 10-17. 428) ib. c. 3. 429) s. Jalkut z. St. - 430) Baba Batra 14 b. Chaggai, Secharja und Malachi heißen DbVDI ’fjiD/ wie Ho schein in Bezug auf die der ganzen Sammlung der erste nbrin)* 431) Siehe über die Adfaffungszeit und den Plan der Aeußerungen, wie auch - jedes einzelne Buch für sich nach chronologischer Anleitung zusammengefügt ist, und der verheißungsreiche Schluß von der Wiederkehr des Tisbitm Elijja, 432 zweiten Mose, 433 „um der Väter Herz den Kindern zuzuwenden" d. h. um ein Reich des Heils vorzubereiren, war ein paffender Schluß für das Zwölfbuch, selbst wenn auch Malachi nicht gerade das Prophetenthum wirklich besiegelt. In Bezug auf Anordnung des Zwölfbuches als eines Ganzen, auf Fixirung und Feststellung der originalen Tcrtgestalr im Allgemeinen, wie auch die Redaktion jedes einzelnen Buches in demselben, so schreibt die Ueberlieferung diese Thätigkcit den Männern der großen Versammlung oder dem oben erwähnten Staarsrathe zu. 434 Es cirkulirten kleine prophetische Bücher, theils mit Zeit- und Person-Angaben, theils ohne dieselben, und um diese der Kleinheit imd Zersplitterung wegen nicht verloren gehen zu lassen,43^ hat das erwähnte Kollegium, bei dessen Gründung angeblich 35 Propheten gewesen sein sollen, 436 sie nach der Zeitenfolge, soweit die Ueberlieferung eine Anleitung dazu gegeben, geordnet und sixirt, und da einige Bestandtheile dieses Zwölfbuches aus der Zeit jenes Kollegiums in der griechischen Periode herrühren, so mag die Redaktion vielleicht erst in der zweiten Periode dieses Kollegiums eine Endschaft erhalten haben.43? (Fortsetzung folgt.) Prophetie Havakuk's von Fr. Delitzsch (LB. d. Or. 1842, c. 147—49). Die Reihenfolge beginnt mit den vorexilischen Büchern, in strenger Zeitenfolge, dann kommen die nachecilischen, und nur bei namenlosen oder bei einigen andern Momenten, fügte man auch das nicht Gleichzeitige zusammen. 432) Vergl. Ben Sira 48, 10, der bei unserer Stelle TOV ®£GßlZ7}7> (lDBTin) bmzusilgt. 433) Vergl. Mt. 17, 3; Apokal. 11, 3 flg. 434) Baba Batra 15 a. 435) ib. 14 b. 436) Megilla 17 b; j. Meg. c. 1. Unter diesen Propheten waren: Cdaggai, Secharja, Malachi, 'Esra, Serubabel, Ieschrsta, Mardechai, Seraja b. Mo?aßijja, Daniel, Balschan, Pelachja u. A. Vergl. Megilla 15 a, Tauch, par. wa-Jescheb. Der Ausdruck war schon in der Schrift sehr weit gefaßt, da außer dem prophetischen Begriffe auch der des ->OD, b. Gelehrten oder Gebildeten darin iuvolvirt gwesen ist. Das Targum übersetzt daher sehr richtig zuweilen durch N'HDD vergl. Joül Lowe, Eint, zu Pst). Diese 35 Nebiim waren also theils wirkliche Propheten, wie Chaggai, Secharja u. s. w. theils Sofrim, wie *Esra u. A. Ueber Seferim vgl. weiter unten. Ein poetischer Ausdruck für die späteren Nebiim scheint cpr^ gewesen zu sein (Megilla 2b; Sabbat 104a), welche die von 'Esra emgeführte Schrift ergänzt haben sollen. 437) Das Kollegium von 120 mag, wie oben berührt wurde, von Zeit zu Zeit ergänzt worden fein, so daß immer die Zahl voll blieb. Daß aber von Born herein gerade 120 gewählt wurden, da der Molaismuß doch nur von D'JpT weiß, mag vielleicht, wie I. B. Levisohn meint (Bet ha-Ozar S. 279), durch den persischen Einfluß entstanden sein» Das persische Reich halte 120 Satrapün (Dan. 6, 2).