Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 19 (11.5.1850)
- Date
- 1850-05-11
- Page
- Seite 75 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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; sehbarer Menschenzug. Grabreden konnten, da es mitten (m Paffahfcste war, nicht gehalten werden. Doch sind (' tcr Thränen viele dem Verewigten geflossen. An ihm j:;; hat die Gemeinde einen weisen Rathgeber, an ihm hat t die Schule einen wackern Vertheidiger, an ihm hat die 5 leidende Menschheit einen wahren Freund und Beschützer! mloren« Friede seiner Seele. — Das Andenken des (Gerechten sei gesegnet! — Bei den Sammlungen, welche in L. zum Besten der durch Überschwemmung verunglückten Bewohner . Posens veranstaltet wurde, haben sich die Juden allein ' mit c. 70 Thlr. betheiliget. Während des letztverflossenen Passahfesteö ist in ■ dem großen und schonen Tempel der Genteinde L. das Wort Gottes von der Kanzel herab nicht gehört worden. I Warum? weil ein Gemeinde-Prediger noch nicht enga- \\ girt ist, und der Zufall auch gerade keinen ,,fahrenden 1 Gotte s le hrer durchführen wollte. — Aus der Provitt; Posen, 10. April. Einem „ou ckit" zufolge soll der O.R. von Posen, von der Stettiner Judenschaft angesragt, ob sie ihre Syna- > goge der freien cvang. Gemeinde zur Ab-; haltungdes Gottesdienstes e i n r ä u m e n d ür fe, ^. dieß erlaubt und stch dabei auf Kön. 1, 8. 41—48; berufen haben, wo der König Salomo nach der Vollen-! düng des Tempelbaues zu Gott flehet: ,, auch das Gei btt des Fremden, der nicht von Israel stammet, und l kommt, allzubeten in diesem Hause, gnädig erhören zu [ wollen." Rabb. Dr. M. in St. soll sich bei dieser Angelegenheit weniger tolerant benommen haben. — In Schneideul ü h l hat das grausige Gespenst des „Parte ienzwistes" noch immer nicht aufgehört sein unheimliches Wesen zu treiben. Es ist zwar den sog. Reformern geluilgen , ihren m oderne n Kultus in die alte Synagoge zu verpflanzen; aber die Alten, an solche Speise nicht gewöhnt, werden nicht müde, Opposition zu machen, und so gicbt es jeden Augenblick einen neuen Z u s a m n. e n st o ß. Nächstens mehr! über diese interessante Komödie. —;f' In File h ne hat der vr. Stein jetzt weiter Nichts \ ju thun, als zu predigen. Das „ Entscheidell ri- : | tucller Fragen^ (Paskeuen) ist ihm ans den Händen : | .genommen. Warum? werden Sie ein andermal erfahren. : Wahrscheinlich habe ich Ihnen heute zum Letzten ■ Male aus dem S ü d w e st e n des G r o ß h c r z o gtthnms geschrieben und werden Sie meinen nächsten .Bericht schon ans einem der ö st l ich e n Kreise desselbei: erhalten. W. Aus dem Gropherzonthum Posen, 24. April. Zwar noch aus d ers e l b en Provinz, aber nicht mehr aus derselben Gegend, aus welcher ich Ihnen vor 14 Tagen geschrieben, sondern aus einem ganz andern Winkel (aus dem vielleicht noch niemals ein Laut in Ihr Blatt gedrungen) werden Sie diese meine heutigen Zeilen erhalten. Des Geschickes mächtige Stimme, der wir armen Erdensöhne noleii8 \olens gehorchen müssen, hat schon wieder gerufen: „Wandere!" — und wie vor einem halben Jahre ans dein dürren Norden nach dem fruchtbaren Südwesten, so bin ich jetzt wieder von da an den äußersten Osten, der das Glück hat, zu grenzen an das g e seg n e 1 e Land der Kante, geschlendert worden. Aber feine alten Freunde darf der Mensch niemals vergessen, er möge geworfen werden, wohin es auch sei. — Lieber Orient! du gehörst zn meinen alten Freunden, und du kannst versichert sein, ich werde dein auch da, wo ich jetzt bin, nicht vergessen. Alles, was hier ans der Gemeinde des Greßhcrzogthums zu meiner Kenntniß gelangen wird, soll dir, wie es bisher immer geschehen, getreulich mitgetheilt werden — und erfahre ich Etwas von unfern Brüdern im Czaarenreiche, dem ich jetzt so nahe gerückt bin, auch Das, rechne darauf, werde ich dir niemals vorenthalten« Bis jetzt, wo ich erst 8 Tage in meinem neuen Wohnsitze , habe ich im Allgemeinen weiter Nichts erfahren können, als daß die Gemeinden des Ostens fast alle in demselben Zustande, wie die des Nordens, welche ich Ihnen vor einem Jahre vom ,, Netzdistrikte" aus und die des Südens und Westens, die ich spater (und noch in der jüngsten Zeit) von L. ans geschildert habe. — Uebrigens hatte ich sogar geglaubt, die östlichen Gemeinden der Provinz in noch weit jchlim- Niern Verhäjlnissen anzutreffen, als die sind, welche sich r u h m e n, in den an die Mark und 'an Schlesien grenzenden Kreisen gelegen zu sein. — Aber meine Erwartung hat mich getäuscht, und das freut mich diesmal ganz außerordentlich. Wenn die Gemeinde des Ostens gesunken, so liegt dies nicht — wie anderswo — an dem Jndifferentismus der Gemeinden, sondern nur an den Unglückssällen, von welchen dieselben in den letzten Jahren so hart betroffen worden; in den Jahren 1846 — 47 war, wie überall, die große Thenerung, 1848 hat die Jnsnrreetion und endlich 1849 die Cholera in diesen Theilen des Großh-erzogthnms unbarmherzig gewüthet. Das eben und nichts Anderes hat die Gemeinde untergraben. Der Sinn aber für Fortschritt und Verbesserung, das Streben sich emporzuarbeiten, mn gleichen Schritt zu wandeln mit dem Geiste der Zeit, scheint hier — an der Grenze des Landes der Ukase -r- Gott sei Dank noch nicht geschwunden. Alse können wir hoffen, daß, wenn erst die Städte von des Geschickes harten Schlägen sich erholt und Zeiten und Umstände sich gebessert haben — auch die jüdischen Gemeinden wieder rasch emporblüheir und schöne Früchte treiben werden. — Spezielles über die Gemeinden der Ostkreise kann ich zu meinem Bedauern heute noch nicht referiren, ebensowenig Etwas §ns dem benachbarten Nnlstsch-Poten. — Vielleicht aber schon das nächste Mal. —