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Der Orient · 1850-05-11 · Heft 19 (11.5.1850) · p. Seite 76

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 19 (11.5.1850)
Date
1850-05-11
Page
Seite 76 (sequence 7)
Language
German
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NS. Die den Rabbiner D..St. m Filehne betreffende. Notiz in unscrm letzten Bericht „Aus der Provinz Posen, 10. April" haben wir dahin zu berichtigen, daß diesem Herrn das „Paskenen" nicht geradezu untersagt worden, sondern daß das Publikum von selbst so freundlich ist , denselben bei rituellen und kasuistische», Angelegenheiten mit Fragen u. s. w. zü verschonen. — Die Gesellschaft der hebräischen Literaturfreunde und ihre Zeitschrift: „Der Sammler". Im -Jahre 1783 trat zu Königsberg in Preußen eine Anzahl junger jüdischer Gelehrten zusammen, die es sich zur Pflicht machten, zur Bildung und Aufklärung ihrer Glaubensbrüder nach Kräften mitzuwirken. Sie halten gefunden, daß die falschen Begriffe, welche man mit den Worten der alten hebräischen Schriften, wegen Unkennrniß des Geistes der hebräischen Sprache, verbunden, von jeher zu vielen Jrrthümern und Vorurtheilen Anlaß gegeben, und schloffen daher ganz richtig, daß durch eine richtigere Kenntniß dieser Sprache auch ein besseres Licht unter dem Volke verbreitet werden würde und so manche Vorurtheile schwinden dürften. Auch glaubten sie durch Veröffentlichung gewisser Wahrheiten noch eine Menge anderer irriger Meinungen wegzuräumen, und so faßten sie. denn den Entschluß, eine hebräische Monatsschrift unter dem einfachen Titel „Der Sammler" (rjoNon) herauszugeben, durch welche sie beide Zwecke zu erreichen suchten« Um jeden Schein einer Neuerungssucht zu vermeidend fanden sie es gut, ihre Gesellschaft nur unter dem gleichgiltigen Namen Hebräischer Literatur- Freunde anzukündigen. Sie legten ihren Plan dem Manne vor, dem sie ihre sämmtliche Bildung zu danken hatten und den sie füglich als ihren Meister ansehen konnten; und der für das Wohl seiner Nation besorgte Moses Mendelssohnbei welchem jeder gute Vorsatz Unterstützung, jedes noch so kleine Talent Beifall und Aufmunterung fand, billigte nicht nur dieses Unternehmen, sondern war auch später so freundlich , die hebräische Zeitschrift mit einigen Aufsätzen von seiner Feder zu beehren. «— Der „S am m ler" hat in den ersten Jahren seines Erscheinens, außer vielen zur hebr. Sprache gehörigen, grammatikalischen, logischen und ästhetischen Abhandlungen und Versuchen, auch moralische Aufsätze, philosophische Betrachtungen, Untersuchungen über wichtige Gegenstände, als die Inokulation der Kinderblattern, die frühe 1) Wovor man sich damals sehr in Acht nehmen mußte, wenn man sich nicht der Gefahr aussetzen wollte, verpönt zu werden. Beerdigung der Todten re.* Nachrichten zur j Beförderung der Tolerauz, Biographien be« rühmt er Männer jüd. Nation, Recensionrn 1 neuer hebräischer B ü ch er rc. gebracht. Außer dun Beifall, den die Schrift nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch zum Tbril in Frankreich, England, Holland, 3ta* H lien, Ungarn und Polen sich erwarb, hatten die Gründer und Herausgeber auch noch das Vergnügen, zu sehen, daß, i : wenn auch gerade nicht Alles, so doch Vieles von dem, was! - sie angeregt und empfohlen, ausgeführt wurde. Der Berfas-; ser der „Vermischten Nachrichten" in der D. Z. f.! d. Jug. k. berichtet Jahrg. I7ö6 S. 247, die hebr. Moj natsschrift „Der Sammler" sei die Veranlassung gewe-! sen, daß den Juden in Böhmen und den andern kaiserliche,,; . Landen die „fr ühe Beerdigung der To dt en" untersagt worden,* und fügt hinzu: „Ware dies auch nur das einzige Gute, das diese Gesellschaft (der hebr. Lit.-Fr.) bis jetzt gestiftet hat, so würde sie auch schon darum des Beifalls aller guten Menschen,, so wie des Wunsches würdig sein, daß sie bei einer ungestörten Dauer noch ostderMenschheit solche erhebliche Dienste leisten möge."^ -— Im Jahre 1787 hat die Gesellschaft der hebräischen Literaturfreunde, welche dazumal schon in vielen Städten Deutschlands thätige Mitglieder zählte, den Namen „Syr eietät zrrr Beförderung des Edeltt und Guten" angenommen und ihrer Zeitschrift eine andere Einrichtung und größere Ausdehnung gegeben.-' — Weiter reichen unsere Notizen nicht. — Möge es aber einem Kundjgern gefallen, über die fernere Geschichte des „Sammlers" und seine Wirkung recht bald in diesen Blättern einen Bericht zu erstatten. L. W e y l in Lissa. 2) Ueber diesen Punkt bald ein Mehreres. 3) Durch zwei Verordnungen des k. k. Guberniums von Prag vom April und Juni d. I. 1786. 4) Der Vers, der „Ostpreußischen Zustände" (2f. Müller) hat der „Gesellsch. d. hebr. Lit.-Fr. und deren Organ" ein ganzes Kapitel (20) gewidmet. Von ersterer sagt er S. 136. Note 3: „Auch läßt sich wirklich in der Zukunft noch mehr Gutes von ihr erwarten, da sie jetzt schon an vielen - Orten tbätige Mitglieder hat, und sie, wie es heißt, bei' einem größer« Wirkungskreis auch einen mehr umfassenden Operationsplan sich vorgezeichnet haben soll, welches denn auch die Ursache sein mag, daß sie mit diesem Jahr (das Buch ist .1787 erschienen) den Namen der „Gesellschaft zm Beförderung des Guren und Edlen" angenommen, wie solches im gegenwärtigen Jahrgange ihrer Schrift auch ange-; zeigt ist."; 5) Neben den oben angegebenen Zwecken der Gesellschaft führt ein Mitarbeiter der Berl. Monatsschrift im Juni-Heft von 1788 noch den an, „dem hebr. Sprachunterricht in den jüd. Schulen einen höyern Aufschwung zu verschaffen", unV will wissen, daß dieser Zweck vor allen andern erreicht worden sei. — Wir unsererseits erlauben uns jedoch, diese letztere Behauptung in Zweifel zu ziehen. Druck von I. H. Nagel. Verlag von C, L. Fritzsche.

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