Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 19 (11.5.1850)
- Date
- 1850-05-11
- Page
- Seite 74 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2360092-2360634-2360654--7072-3535730- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
weil der Verf. ihm durch Uebersendung eines Exemplars, mit der Aufforderung es zu kritisiren oder anzeige, wie er (Hr. Fr.) bereits auf das voil Hru. W. angeknudiate Werk prännmerirt, gewissermaßen die Waffen ans derHand gewunden. Hr. W. scheint durch die -offene Mit-' theiluna dieser Thatsachen seine zu weit getriebene Delikatesse auch entschuldigen zu wolleil. Möglich aber auch, daß Hru. Fr. eine ferne Polmk bewog, sich erneu rücksichtsvollen Kritikerunter russischem Zepter zu suchen — wir aber, die wir solche Rücksichten nicht zu nehmen brauchen, Rucksichteleien jedoch nicht gut beißen fön- .neu, wollen ohne Weiteres zur Begrundltng llnsereö Urtheils schreiten, das wahrlrch kein Vorurtheil ist, die Vorurtheile der christlicher! Gelehrten aber nachrveisen soll." — Weiter habe ich Ihrer nur noch zum Schluffe gedacht: „Bevor ich von Hrn. Fr. scheide, muß sich noch aus die, auch von Hrn. Wunderbar berührte Stelle: II, 75 die bekannte Geilheit der Juden zurückkehren." — Ist hierbei irgend ein anderer Vorwurf als wie der, der zu weit getriebenen Delikatesse Herauszulesen? Doch halt! Hr. W. beschuldigt mich sogar der Fälschung, da ich darin gesprochen: daß ihm Hr. Fr. sein Werk sammt der Anzeige, daß er auf Hrn. W. Werk pränumerirt habe, zugeschickt! — So ungern ich auch von mir spreche, muß ich hierzu doch mittheilen, wie ich gegenwärtig in Verhältnissen und in einer Gegend lebe, wo es dem.Einzelnen nicht vergönnt ist, die jüdischen Blätter allein, zu halten. Wir sind daher mehre Tbeilnehmer, in zwei, einige Meilen von einander entfernten Städtchen, die wir diese Blätter zwischen uns kurstreu (affen. Nachdem ich also die ausführliche Beurtheilung des Hru. W. in den einzelnen Nummern des Orients — die ich alsbald weiter schicken mußte — gelesen, fand ich mich durch das im Ganzen sehr lobende Urthei! bewogen, mir das Werk: „Zur Bibel" zu verschaffen, was nicht ohne Anstrengung geschah. Die Benrtlftitnng selbst kennte ich nicht mehr Nachlesen — was auch heute nicht angeht — und dies der Grund, warum ich diese nicht mit in den Kreis meiner Besprechung mehr hineinzog. So viel war mir jedoch erinnerlich, daß Hr. Wunderbar davon gesprochen, wie Hr. Fricdreich ihn zur Benrtheilung aufgefordert und ihm zugleich die Zeichnung aus seit! Werk augezeigt habe. Nur krankhafte Empfindlichkeit und Reizbarkeit kann aber im Stande sein, aus dem Jrrthum, daß ich „pränumerirt für subskribirt" gesetzt, eine Anklage ans Eigennutz herauszudcnteln, die Sie Hr. W. mir zuschreiben, der ich wahrlich nicht im Geringsten daran dachte. Ebenso wenig konnte die Annahme, daß Hr. Fr. Ihnen ein Exemplar seines Werkes überschickt, irgend was Verdächtigendes gegen Sie enthalten. Es ist ja ganz gewöhnlich, daß man dem Gelehrten, von den man eine Benrtheilung wünscht, ein Freiexemplar zuschickt; und mir gerade bei dem Werke: „Zur Bibel", der speeielle Fall bekannt, wo ein Reccnfcnt von dem Vers, oder Verleger ein Exemplar empfangen. — (Beschluß folgt.) Deutschland. Aus der Provinz Posen, 5. April. Schluß. Zuletzt noch Einiges aus Lissa.- Der Schulvorstand, seil 12 Jahren im Amt, ist abgesetzt; am 14. Mai d. I. soll ein neuer gewählt werden. Man geht mit der Idee um, die sechsklassige Gemeindeschule aufznlosen und an ihre Stelle eine Armenschute in 3 Klassen cinzurichtcn, wie es vor dem Erscheinen des Inden-Gesetzes vom 1. Juni 1333 hier gewesen ist. — Der besoldete Dirigent, ein Luxusartikel, vdn welchem ich in meinem Referat in Nr. 26. v. I. (ans dem Netzdistrikt) ausführlicher gesprochen, wird unbedingt bald kassirt. —- Herr Dr. med. Heinrich Scherbel, der unbedingt in dm neuen Schulvorstand mit gewählt wird, macht sich um die Gemeinde von L. sehr verdient. Hätte dieselbe noch einige solche tüchtige Männer in ihrem Repräsentanten - Collegium, so würde cs um sie gewiß besser bestellt sein, als es leider ist. — Durch den am 29. v. M. plötzlich erfolgten Tod des Kaufmanns Herrn Jos. Holstein hat die Geme.inde von L. eins ihrer wohlthätigstm und tüchtigsten Mitglieder verloren. Herr H. war in früher» Zeiten viele Jahre hindurch Gemeindevorsteher und Mitglied des Schulvorstandes gewesen, und hat er diese Acmter zu jeder Zeit mit eben so vieler Liebe als Umsicht verwaltet. Nichts interresstrte ihn so lebhaft als das Wohl seiner Gemeinde, Nichts lag ihm naher am Herzen, als der geistige Fortschritt der israelitischen Jugend. Wäre es nach seinem Wunsche gegangen, so hätte die Gemeinde von L. längst eine Neligionsschnle mit 3 Lehrern gehabt; und wer weiß, ob nicht dieser edle Wunsch noch zur Realisirnng gekommen wäre, hätte der unbarmherzige Ted nicht den für alles Gute eifrig bemühten Herrn H. so schnell von der Erde hinweggerafft. — Ref. selbst hat oft Gelegenheit gehabt mit dem Verewigten über das jüdische Schulwesen zu sprechen und sich jedesmal sehr gefreut,-wenn derselbe ihm anseinandersetzte, auf welche Weise in L. sehr leicht eine Neligionsschnle gegründet werden könnte und wie dieses Institut geleitet werden müßte, mit allen Anforderungen zu genügen, welche die verschiedenen rel° Parteien an dasselbe machen dursten. Die Schule — fand Ref. — war des Dahmgcfchiedenen Lieblingsthema; nächst dem war cS die hebräische Literatur, über die er sich gern unterhielt und deren Wiedcrausblühcn er von ganzem Herzen gewünscht hat. — Am 31. fand die Beerdigung statt; dem Leichenwagen folgte ein unüber-