Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1850)
- Date
- 1850-05-04
- Page
- Seite 71 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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71 jitwtcit, cuicjcgciHflcn und auch die unter Leitung des iKm. B. Allerbach, der sich durch seine treffliche Veraltung alS Direktor des hiesigen israelitischen Knaben- Mädchen-Waisenhauses viele Verdienste erwerben, dch hier befindende Gemeindeschule soll vom 1. Juli a i;. definitiv eingehen und alle bisher an der Anstalt kschäftigt gervesenen Lehrer entlassen werden. — ,,Eine Zeit, hat Einreißen" und „eine Zeit Aufbauen" sagte j bekanntlich König Salomo; und es wäre demnächst wünschen, daß unser Vorstand atlch zur Zeit bewäh- |vl*ii möchte, daß er nicht nur einznreißen, sondern auch l'iiii'ii schönen, der hiesigen Gemeinde würdigen Bau lüchufuhren versteht. f Auch der Prediger Hr. Dr. Auerbach, der seit Mlnnner Zeit in der isracl. Äiädchenschnle den Reli- Egienönnterricht leitete, ist wahrscheinlich vorgerückten At- Ms lvegen peirsionirt und Hrn. D. Cassel der betres- IfcaiJC Religionsunterricht übertragen worden. — Der von unser« Repräsentanten ausgearbeitete Ent- Mrs des künftigen Gemeinde-Statuts, der schon seit einigen Wochen die Presse verlassen, ist bis jetzt noch Mmer nicht den Mitgliedern zur Kenntnisnahme zuge- Pngen. Diese Verzögerung wird wahrscheinlich durch che völlige Abtrennung der Reform-Genossenschaft und;LenstiNliruttg zur selbstständigen Geuleinde, die inzwifjdjcii erfolgte, ihren Grund haben. P. Berlin, 18. April. Als einen kleinen Beleg Wr die Festhaltung alter Vornrtheile, brachte gestern die |J)ict erscheinende Urwählerzcitnng folgenden Fall. Als W dem jüngsten Ordensfeste im Januar d. I. ans Dnn Schooße der hiesigen Stadtverordneten-Versammßhlng der« Ministcrio zwei Mitglieder für den Rethen- Mlcr-Ordeu 4. Klasse vorgcschlagen wurden (rin G l a- J f c rin ei st e r christlicher und ein großer Fabrikbesitzer jüdischer Religion) der Erstere dekorirl und Andere gar nicht genannt wurde. — Der im Mirnsteno Gestrichene ist nbrige»ls ein durchaus ^ministeriell Gutgesinnter" und entrichtet sehr ansehnliche Steuern. Der Redakteur der radikalen Urwähler-Zeitung Hr. I, Bern st e i n - Julias Rebenstein) bekannt als Vori'eter bei der Reform-Genossenschaft, stand gestern, beschuldigt durch einen von ihm verfaßten Artikel: ,,Das :)öse Gewissen und das gute Recht", das preußische Gc- \ sammtministerium beleidigt, resp. verläumdet zu haben, i der den Gefchwornen. Der Angeklagte wurde freigesprechen. P. Aus Äer Provinz Posen 5. April. Gemäß slttcinem Versprechen ain Schlüsse mcinrö Berichtes vom 1» d. M. (s. Orient Nr. 17) will ich Ihnen heute den Nest jener Notizen zukommen lassen, welche ich auf nieiner jüngsten Reise für Ihr Blatt gesanlnlelt habe. Bon Posen habe ich Ihnen noch mitzntheilen, daß daselbst in neuester Zeit durch einen jungen jüd. Theologen, Herrn Dr. Deutsch (in Verbindung mit dem Brndervereinsprediger Herrn Dr. G o 1 d st c i n) eine Töchterschule gegründet worden, welche den Zweck haben soll, jüdischen Mädchen den Besuch der Luisen- Schule, der ihnen ohnehin sehr erschwert wird, ganz entbehrlich zu machen. Ueber die Leistungen dieser neuen Anstalt kann ich ihnen noch Nichts berichten. Wie's sonst um das jüd. Schulwesen in Posen bestellt ist, wissen die Leser des Orients aus den Berichten, welche ich in den Jahren 48 und 49 über diesen Gegenstand geliefert habe; es hat sich in dieser Beziehung leider! noch Nichts geändert. — Das Institut der jüd. Handlungsdiener in Posen hat sich in neuerer Zeit wieder sehr gehoben. Die Vorträge des Herrn Vanselow (Mittwoch Abend Literatur- und Sonnabend Nachmittag Weltgeschichte) .sind sehr interessant und darum sehr besucht. — Die Handlungs-Lehrlinge werden nach wie vor an 4 Abenden jeder Woche in den nöthigen Geschästswissenschasten unterrichtet. — Die Burger-Resouree von Posen besteht fast zum dritten Theil aus Mitgliedern jüd. Confession. Bei den Soirees nnisicales dieser Gesellschaft geschieht es nicht selten, daß auch Kinder aus dem Hause Jakobs als Dilettanten auflreten und mit großem Beifall gehört werden. — In der kleinen Gemeinde von Kosten gab es neulich große Konflikte zwischen den Konservativen und den Liberalen. Cs kam sogar zum Prozesse. Die Letztem haben denselben gewonnen und sich mit der andern Partei sogleich wieder ausgesöhnt. — In der Synagoge zu Schmiegel hat am zweiten Passah-Feiertage der Rabbiner Herr Feld bl-um wieder eine ö ss e n t l i ch e K o n si r m a t i o n abgehalten, die wie die erste (am Wochcnseste v. I.) allen Anforderungen entsprochen, welche man nur an einen Akt machen kann. Herr F., ein Mann des gemäßigten Fortschritts, hat aber auch außer der öffentlichen Konfirniation in Schm, schon so manche vor theil haste Einrichtung getroffen, wofür ihm die Gemeinde sehr dankbar sein muß, und auch ist. — (Beschluß folgt.) Oesterreich. Aus Ungarn, im April. Zahlen oder nicht zahlen, bildet heute das lo be or> not lo be, der ungarischen Juden. Kaum haben wir uns einer Last von 1,100,080 fl. CM. der Toleranzstener entledigt, kaum sind wir den Gefahren eines Alles verheerenden Krieges entgangen und dabei von so manchen Opfern hcimgesucht worden, so sotten wir abermals eine, früher Strasjetzt Kriegssteuer von 2,800,000 fl. CM. in dem knrzell Zeitramne von 4 Jahren erlegen; wie es jedoch scheint, wünschte die Regierung selbst den Erlaß dieser