Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1850)
- Date
- 1850-05-04
- Page
- Seite 72 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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72 ungerechten und .allzudrückendeu Besteuerung, daher auch ihre mildernden Edikte. So ertheilte sie erst jüngst den - Befehl, daff alle jene, die sich auszuweisen vermögen, daß sie sich weder direkt noch indirekt an der Revolution betheiligt haben, von dieser Zahlung befreiet werden. Allein das oberste Militär-Kommando zu Pcsth deutete diesen Befehl derart, daß vor allem Alles zu zahlen habe und erst in der Felge es denjenigen zurückzugeben sei, die mit einem solchen Ausweise hervortreten werden. Welche herrliche Logik, so bald es sich um Judenzahlungeu handelt! Das pesther Kennte schritt natürlich ein und machte bei seiner Excellenz, Freiherrn von H. Vorstellung, wie es in Folge des höchsten Dekretes überhaupt unmöglich ist, die Zahlungen einzutreiben, da ein jeder auf solche Ausweise sich stützend der Zahlung sich weigert, es wurde abermals die Frist von einem Monate bis Ende dieses gewährt. Allein allem Hin- und Herschieben zum Trotz, der Jude muß und wird zahlen. Die Zahlung soll nach dem Toleranzschlüssel geschehen; doch hört man scheu hier und da Klagen über ungerechte Reparation erheben; so hat manches Komitat drei Mat so viel zu zahlen, wie bei der Toleranzsteucr, während doch die ganze Zahlung und etwas mehr als das Zweifache ausmacht, was aber wohl daher kommen mag, weil wieder andere Komitate und Städte durch den Krieg ganz unfähig geworden, irgend eine Zahlung zu leisten. Eine andere Unbilligkeit aber ist diese. Wie bekannt, hat sich die jüdische Population in Pcsth seit 1840, wo. die Uebersiedlung den Juden in ganz Ungarn gestattet worden, durch einen Ungeheuern Zufluß von außen über alle Maßen vermehrt. Wer nur Flügel hatte, d. h. goldene oder auch nur silberne, zog und zieht noch immer nach Pesth, welches das Eldorado der ungarischen vorzüglichen reichen Juden geworden. Bei der Toleranzsteucr war man so billig, daß alle jene, die in Felge des erlangten Rechtes von 1840 nach Pesth übersiedelten, zu ihren ftühern Wohnorten zahlen mußten; der Steuerschlüssel konnte also etwas höher angenommen werden in Rücksicht dieser reichen Mitkontribneuten aus Pesth, . während man jetzt diesen erhoheten Schlüssel, ohne jedoch die benannte Begünstigung beibehalten will, dies ist aber um so unbilliger, da die übrigen ungarischen Juden diese Last nur deshalb zu tragen haben, weil sie ihnen die pesther auf den Hals geschoben. Wir wollen uns keineswegs nach Muster der P—ger Herren von dem Gebete rwyn 31IJJ losmachen, aber ioy, so man Hand in Hand mit uns geht und nicht Alles uns allein tragen läßt. Ein zweites „Sein oder Nichtsein" macht bei uns die jüdische Emancipation aus. Sie wissen wohl, Herr Redakteur, daß seit der Regierung Franz Joseph I. alle Einwohner des 'österreichischen Staates ohne Unterschiedes Religionsbekenntnisses in den Genuß der bürgerlichen und politischen Rechte eingesetzt wurden, wenigstens lautet so der erste § der Grundrechte vom 4. März 1849, und ist seit dem keine Widerrufung, oder etwa eine Nachklausel „Juden ausgenommen", oder eine einstweilige Verschiebung ad caleudas Graecas crfoigt. Jndeß wissen wir nur wenig von dieser so lange mit Sehnsucht erwarteten Heilcsbotschast zu sagen, dasGan^e beschränkt sich darauf, daß in manchen Städten, wo Juden keine Hauser auf eigenen Namen haben durften^ dieses ihnen jetzt, aber auch nur unter allen möglichen Ehikanen von Seite der Unterbeamtm gestattet wird. Ob diese es auf eigene Verantwortlichkeit wagen, das! kaiserliche Gesetz derart zu mißhandeln, oder ob stewohl, wissen -pcfr HO by OH bw*t ist mir unbekannt. Jedenfalls scheint die Regierung seit der ungarischen Revolu-I tion mehr Aufmerksamkeit der jüdischen Bevölkerung znzuwendcn, als es ehedem geschah. So erließ sie jüngstens an alle Obergospäire den Befehl ergehen, ihr in Betreff der jüd. Verhältnisse, vorzüglich aber des Rabbinatswesens ganz genaue Daten mitzutheilen, aus welchem Erlasse zu ersehen ist, daß mau mit dem Plant umgeht, irgend eine Keneentral - Behörde der jüdischen Geistlichkeit, etwa ein Konsistorium oder Bezirksrabbimr zu freiren. Der Plan eines ungarischen Landrqbbinats, veti der preßbnrger Gemeinde geheim vorbereitet, scheiterti durch eine Gegenmiene .der pesther Inden, hie mit ihre»! feinen Instinkte den mißliebigen Brater, d.er preßburgec Hierarchie aus weiter Ferne rochen, Noch haben m ein drittes „Sein oder Nichtsein^ hier zu berichte!!. Es sind die jüdischen Reform bestreb rurgen in Ungarn, die ihren eigentlichen Centralodex Haltpunkt im pestha Reformvereiu gehabt, nun aber, wie es scheint,' "Wj; -ffly ^211. Das Schicksal des letztem mag Ihnen wohl nicht unbekannt sein. Herr Einhorn, Prediger des selben, ist in Folge seines allzugroßen Patriotismm landesflüchtig und verwiesen m yu Ob die Reform, die sich ohne dies nicht Recht zu thun weiß, ob jlf n"n oder 1850 zu zählen haben, nicht auch cim neue Hegira zu seinem Andenken zu stiften gedenkt, i|t mir unbekannt, ebenso wenig bin ich im Stande anzugeben, wie lange ihre Aera im Ganzen dauern witt, jedenfalls wird sie, wenn auch nur des Anstaudes halber, ihre nprn W, yulgo drei Jahre, auf wie lange sie das Detlpkal gemiethet und die Betheiligten sti schriftlich verbunden haben, sicherlich aushalten. Wal nachher? Haben wir wohl daun Zeit zu berichten. ..... 9. Perlag von C. L. Fritz sch e. Druck von I. H. Nagel.