Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1850)
- Date
- 1850-05-04
- Page
- Seite 70 (sequence 3)
- Language
- German
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70 trifft, und doch hätte er es als Regierungs-Sekretär — | wenn aud)\CL D. — wissen muffen, wie erst feit kurzer Zeit kaum die ausländischen Handwerksgesellen jüdischen Glaubens nur nach Preußen einwandern und da arbeiten dürfen! Man spricht immer und immer von der Scheu vor dem Handwerk bei den Inden, ohne jedoch der Schwierigkeiten die ihnen Unverstand und Bosheit noch überall in den Weg zu stellen c suchen, gedenken zu wollen. — So sagt ja auch Hr. Falk: „Es ist schon eine traurige Erscheinung, daß in e.inem christlichen Staat überhaupt Juden sin t>." — Wir z. B. kennen eine sehr bedeutende Stadt im Varerlande, wo ein jüdischer Hutmachergeselle sofort aus der Arbeit gehen mußte, als seine Mitgesellen seine Konfession — halt! nach Hrn. Falk muß ich Religion sagen — erfuhren. Deckt der Hut auch den Zopf so har er doch auch den Kopf, den Sitz der Intelligenz zu vedeckei,; was darf man da erst von anderen Gewerken, die es nicht mir solchen edeln Körpertheilen zu thun haben, erwarten! Doch zurück zu Hrn. Falk. „Es ist ibm — so sagt er — zumeist darum zu thun, viele Juden der christlichen Gemeinde zuzuführen, wozu gerade die handwerkliche Tdätigkeit führen wird, indem diese am allermeisten dazu dient, die Juden zu domiciliren und zu sixiren." Sollte man nun demnach nickt meinen, daß Juden, wenn sie erst der christlichen Gemeinde zugeführt sind, sich der ganz besonderen Gewogenheit des Hrn. Falk, Regierungß-Sekretairs a. D. zu erfreuen haben müßten? und doch spricht er in derselben Nr. 12 von dem „jüdischen Agenten Block," wiewohl Herr Bloch seit Jahrzehnt dem Christenthum zugesührt ist. Dergleichen Widersprüche und Unwahrheiten ließen sich Hrn. Falk noch unzählige Nachweisen, wir halten dies nach den gegebenen Proben jedoch für überflüssigdagegen aber für nothwendig anzuführen, daß Hr. F.ilk auch einmal die Wahrheit gesagt: „Es giebt unzählig viele Christen , welche viel schlechter sind als die Juden." — Hr. Falk, Sie sollen hierbei Recht haben. Zum Schluß haben w>r nur die Gründe anzugeben, weshalb wir die A. G. Z. — gegen Hrn. Falks Behauptung — — engverbunden mit der Kreuzzeitung glauben. Hrn. Falks Aeußerung vom christlichen Staat haben wir bereits oben angeführt z außerdem sagt er noch: „die Gleichstellung aller Konfessionen in der bürgerlichen Gesetzgebung ist gewährt. Nun folgern die Juden daraus eine völlige Gleichberechtigung mit den Christen. Sie befinden sich hier aber in einem gewaltigen Jcrthum. Zwar sind alle Konfessionen gleichgestellt, nicht aber alle Religionen. Die Juden aber haben nicht eine andere Konfession, sondern eine andere Religion" u. s. w. und Aehnliches hat uns die Kreuzzeilung schon oster ausgetischt, wo also das Zusammentreffen der großen Geister kaum zufällig sein dürfte. ' Schade nur, daß Hr. FZM. Baron von Haynau diesen feinen Unterschied nicht kennt. Derselbe soll nämlich, nach der getroffenen Modifikation, die Geistlichen jeder Konfession zu entlassen, auch einige Rabbinen entlassen haben. 'So geht es, wmn man die A. G. Z. für-Preußen nicht lieft! Ganz neu ist diese Auffassung der A. G. Z. übrigens nicht. Wir erinnern uns davon und vom christlichen Staate schon zu Eichhorns Zeit gehört zu haben, und dürfte deshalb von keiner jüdischen Kirche und von keinem jüdischen Geistlichen damals die Rede sein. Wie cs jetzt ofsiciell damit gehalten wird, wissen wir nicht ganz genau, wollen es jedoch nicht verhehlen, daß der jüngste Wahltag für die erste Kammer a m .1 6. M ä rz a n e i n e m S a b b a t w a r! — — n Deutschland. Frankfurt a. d. D., 17. April. Gestern verweigerte auch hier ein jüdischer Zeuge beim hiesigen Stadt- und Landgericht den Eid more jmlaico zu leisten. Seine Erklärung wurde zu Protokoll vernommen. Es heißt in demselben: Zeuge verweigert den Eid nach jüdischem Ritus zu leisten und will den christlichen Eid schworen. — Die Protestation des Zeugest, daß er nicht den christlichen, sondern den Eid nach der Form des Bürgereides schworen wolle, wies der Richter zurück, da er in konfessioneller Beziehung nur einen jüdischen und einen christlichen Eid kenne. — Mag daher diesem Gewissenszwange bald ein Ende gemacht und der von dem Berliner Vorstand den: Jnstizminister eingereichten Denkschrift wegen Abschaffung der jetzigen Form der jüdischen Eide Berückstchtignug zu Theil werden. — äßir haben keinen Kaiser in der Residenz bekonnnen, dafür aber aus der Residenz einen funkelneuen Kaiser erhalten, den von Berlin atts bekannt gewordenen Konstabler Kaiser. Derselbe weihte sein hiesiges Staatsamt als Polizist durch eine namhafte Arretirnug politisirender Demokraten ein, welcher Ehre auch einige jüdische Individuen sich zu erfreuen hatten.Die jüdischen Zöglinge auf dem hiesigem Gymnasium zeichnen sich nach dem Lobe der Lehrer durch Fleiß und Fortschritte aus.. Einer der Erstem verließ 16 I. alt, zu Ostern als Abiturient das Gymnasium und hielt eine sehr gelungene lateinische Abgangsrede. Berlin, 18. April. Heber die bevorstehende neue Organisation tut Gemeinde- und Schill wesen, die unser zeitiger Vorstand, der eine große Thatigkeit zu ent* wickeln scheint, vorznnehmen gedenkt, eirknliren in der Stadt so viele Gerüchte, daß man wahrlich nicht wissen kann, welchen menen Bau der Vorstand anszuführen, und auf welchem Fundamente er denselben überhaupt bastreu will. — Das unter Leitung des Hrn. Dr. Zu uz seit 10 Jahrm' bestandelte Seminar, ist, wie Ihre Leser wissen