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Der Orient · 1850-04-13 · Heft 15 (13.4.1850) · p. Seite 58

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 15 (13.4.1850)
Date
1850-04-13
Page
Seite 58 (sequence 3)
Language
German
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vorläufig mit diesem beseitigten Zwange auch jedes äußere Band den jüdischen Gemeinden genommen. Die Formen, durch welche und innerhalb deren eine Einigung derselben sich vollziehen soll, sind noch nicht gefunden, die Organe noch nicht gegeben, die dem-erwachenden Bedürfnisse nach einer Gestaltung von innen heraus zum Ansdrucke verhelfen können. Statt des Zwanges gilt es, der Gesinnung und Ueberzeugung, der lebendigen Theilnahme und Anhänglichkeit den Boden, muf dem sie in frischer Lebenskraft eine neue Gestalt gewinnen können , zu gründen. Der festere Anschluß der Gleichgesinnten und der in demselben religiösen Bedürfnisse sich Begegnenden an einander und an das Allen Gemeinsame wird die nächste, segensreichste Folge der sich selbst wieder gegebenen Gemeinden sein, und der durch keine politischen Hinblicke und Nebenzwecke getrübte religiöse Geist und Sinn wird in seiner schöpferischen Frische Halt und Festigkeit, Dauer und Bestand in angemessener und würdiger Weise erzeugen. Unbefangen und unbeirrt wird die Gemeinde ihre eigensten und heiligsten Aufgaben erkennen, und lange versäumte Sorgen und Fragen mit Ernst und Eifer wahrnehmen können und dürfen. Die der Pflege und Wartung religiöser Bedürfnisse gewidmete Theilnahme wird nicht durch die Besorgniß verkümmert werden, daß in solchen Bestrebungen Isolation und Partikulariömus gesehen werden könnte, und darin ein Vorwand gefunden für die Ausschließung von der politischen Gleichberechtigung, die ja eine anerkannte, gewährleistete ist. Der Jugend-Unterricht, die Synagoge, die Erhaltung religiösen Wissens, eine mögliche Einheit in den Kultur- und Gemeinde-Angelegenheiten, — das immer lebhafter hervortretende Bedürfniß, in dem Hin- und Herwogen religiöser Meinungen und Beliebigkeiten, in dem Gegensätze zwischen Altem und Neuem, zwischen den Ausschreitungen der Parteien eine versöhnende Ausgleichung zu finden, — das Verlangen nach Anstalten, die die gleichberechtigten Forderungen der Gegenwart und die ererbten in tüchtigem Ansdrucke befriedigen, aus denen Rabbiner, Prediger, Lehrer hervorgehen, wie sie dem Sinne und Geiste der Religion, so wie der intellektuellen und socialen Gestaltung der Zeit entsprechen — alle diese Punkte werden ihre dringende Berechtigung geltend machen, und ihre kaum länger abzuweisenden Ansprüche erheben. Um ihnen zu genügen, bedarf es eines Einigungs- Punktes, in dem sie zusammenlaufen, von dem aus ihnen möglicher Weife Befriedigung werden kann. Wo so Mannichfaches sich regt und aufthut, wo auf allen Seiten, in Individuen und Gemeinden, ähnliche Bedürfnisse empfunden werden, ta muß es einen festen Mittelpunkt geben für die bunte Fülle von Erfordernissen. Kein Einzelner und keine einzelne Gemeinde ist in der Lage, ihnen gerecht zu werden. Hier gilt es ein Zusammenhalten und Zusammenwirken der Gemeinden, j ■ gleichviel ob größerer oder kleinerer, hier ein. vereintes Streben der Gleichbedürftigen nach einem gleichen Ziele i der Befriedigung. S (Beschluß folgt.) | \ Deutschland. Berlin, im März. Als ich Ihnen vor wenigen Wochen über die bei Gelegenheit der Vereidigung auf die Staatöverfassung hier stattgefundene Synagogeuseier berichtete, wozu sich unser Gemeindeverstaud mit Recht durch die verbürgte Judeueluaucipation veranlaßt sah, da glaubte ich Ihnen recht bald über die praktische Anwendung dieses ersten Menschenrechtes irgend eine Mitthcilung machen zu können. Auf welche Weise jedoch unsere Regierung durch ihre Behörden bemüht ist, daß die Emancipation im Volke Wurzel fasse, mögen Sie aus felgendem ersehen. Am 19. d. M., dem glorreichen Tage der Preußischen Revolution und der Erhebung Deutschlands überhaupt, figurirte in den hiesigen öffentlichen Blättern ein von der Körugt. Kreis-Gerichts-Kommission zu Gransee erlassener Steckbrief, gegen eine wegen Zelldeftaudation verdächtige Person, in welchem es im Signalement unter andern heißt: Gewerbe: u m herziehender Handelsjude; Religion: Jude. — Wie dies mit dem Paragraphen unserer Verfassungs- Urkunde, nach welchem vor dem Gesetze alle gleich sind und gar kein Unterschied nach dem religiösen Bekenntnisse stattfinden dürfe, zu vereinbaren wäre, dürfte nicht leicht zu enträthseln sein. P. Berlin, 26. März. Die in den öffentlichen Blättern mehrfach besprochene Auflösung des hiesigen israelitischen Seminars, ist nun endlich gestern Vormittag definitiv erfolgt. Mit dem Direktor Herrn Dr. Znnz waren alle Lehrer wie auch alle Schüler der Anstalt zu dieser Feier anwesend', Herr Leb recht, bisheriger Lehrer dieses Instituts, hielt eine kurze Anrede au den Direktor, in welcher er die Leistungen desselben erwähnte, worauf Letzterer in wenigen Worten von. seinen Kollegen und Schülern Abschied nahm. — Auf welche Weise dies Institut hier ersetzt werden soll, hierüber verlautet noch nichts, wie überhaupt über das neu zu errichtende israelitische Real-Gymnastum noch nichts bekannt ist. Wir dürfen jedoch von unserem zeitigem Gemeinde-Vorstände, der mit großem Eifer für das Wohl und Interesse der Gemeinde bedacht ist, erwarten die Organisation der projektirten Schule, die uns ein großes Dedürfniß ist, recht bald vorzunehmen. — Das von unsren Repräsentanten ausgearbeitete künftige Grund- Statut der Gemeinde hat bereits die Presse verlassen

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