Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 14 (6.4.1850)
- Date
- 1850-04-06
- Page
- Spalte 213-214 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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213 Studien. Natan Ghazzati's Reiseberichte. 214 meinem Derber verwüstet, wie der Herr durch seinen heiligen Geber es verkünoen ließ: „Weil du Pharao in deinem Dünkel sprachst, der Strom ist mem, ich habe mir ihn gemacht, und weil du meinem Volke Israel eine trügerische Stütze warst, so soll das Schwert unter deinem Volke wüthen, und von Syene (n^.O) bis Äthiopien (O-12) soll eine Wüste werden."^ Seit längerer Zeit hatten wir unseren gelehrten Reisemann nicht gesehen; schon bedauerten wir ihn als das unglückliche Opfer einer reissenden Hyäne, als er eines Tages zu unserer Freude mit einer Ladung von Sarkophagen, Mumienresten, Säulmfcagmenten, Skarabcien und Hieroglyphenabzeichnungen zu umö kam, und die Frage stellte: Natan l willst du nicht die Königsgräber zu Bab-el-Maljk besuchen? die Königsgräber? —- Bei diesen Worten siel mir ein, der Talmudist Rabbi Natan war der Meinung, die Leiche des Patriarchen Josef sei in den Königsgrcibern beigesetzt gewesen.^ Obwohl ich überzeugt war, des Patriarchen irdische Reste nicht mehr hier zu finden, so dachte ich doch die Möglichkeit, die Stelle zu entdecken, wo der Sarkophag Josefs gestanden haben mag. Wir gingen also nach Bab-et-Malik. Aber welch Entsetzen ergriff mich, als ich in diese Hatten des Todes trat! Siehst du an jener Wand die kunstvollen Abbildungen? sagte der Reisemann. Die Männer mit den Händen auf den Rücken gebunden; es sind die Opfer, die am Grabe der Pharaonen geschlachtet wurden. Schrecklich! rief ich aus; nein Rabbi Natan! hier hat Ioses's Leiche niemals geruht; er wollte sicher nicht, daß solche Gräuel an seinem Grabe verübt werde. Laß uns Weggehen von hier, sagte ich zu meinem Reisegefährten. Mir ist, als hörte ich noch röcheln, und als röche ich das schäumende Blut dieser vor so vielen Jahrhunderten geschlachteten Unglücklichen. ReisemanN. Mir scheint, du bewunderst diese herrlichen Bauwerke der alten civilisiclen Egypter ganz und gar nicht? Natan. Allerdings bewundere ich sie. Gryße Baukünstler waren diese alten Egypter, vielleicht die größten der alten Welt, das muß man gestehen, aber civikisict? nein: beim Namen des Herrn, das waren sie nicht! Wer Menschen schlachtet kann auf Civilisation keinen Anspruch machen! Da hatte unser Moses einen ganz andern Begriff von C-vilisation : „Wer Meuschenblul vergießt, Dessen Blut soll vergossen werden", heißt sein Gesetz. Mt verschiedenen Empfindungen trennten wir uns von Bab-cl-'Malik. Unser Reisemann bewunderte diese Grabeshohlen der alten Egypter; ich verließ sie mit Abscheu, und 1) Ezechiel Kap. 29, 9. 10. DnatrpN nnvp : toj; *b “w new ijp nin\w-’3-iyTi rmni nirnn1? onsD-pN-riN ’nrw pnPw ybx \un pb : trä "W rrn? nooKf mn 2) Sota13 -,Df> »TH DO^D TON ]ftf ,#T bewunderte die hohe Weisheit unseres großen Gesetzgebers, der uns so ernstlich von den Gräueln Egyptens abmahnte. Wir nahmen von unserem gelehrten Reisemann, der noch einige Zeit unter den Ruinen von Theben sich aufhielt, Abschied, und reisten wieder nach Kairo zurück. Ich und mein Blrber besuchten das in einiger Entfernung von Kairo liegende Matarieh. In Egypten sind gewöhnlich die Häuser aus Lehm; findet man aber Wohngebäude aus Stein, so kann man schon im voraus rechnen, daß man nicht sehr entfernt von nner verfallenen Stavt, oder einem zerstörten Tempel sei. Matarieh ist ein Dorf, dessen Häuser aus den Ruinen des naheliegenden Heliopoliß erbauet sind. Die Bewohner von Matarieh pflegen mit vieler Sorgfalt die Balsamstaude (Amyris Gileadensis). Als der jüdische Hohepriester OniaS (l’Oin) während der Regierung des Ptolemäus Philometor in Heliopolis (WüWTPjf) einen dem Jerusalemischen ähnlichen Tempel bauete, scheint die Balsamstaude aus Palästina hierher gewandert zu fein,3 4 5 6 Sie ist auch sonst nirgendwo in Egypten zu finden. Eine Viertelstunde von Matarieh stand das prächtige Heliopolis. Nichts ist von seiner alten Herrlichkeit mehr übrig, nichts als Trümmer umgestürzter Obelisken, von denen ein Einziger aus rothem Granit sich aufrecht erhalten hat. Stünde jetzt der elegische Jerenua hier, so würde er sagen: so hat es ja der Herr durch mich verheißen! „Er (Nebuchadnezar) wird zertrümmern die Obelisken von Heliopolis im Lande Mizrajim, und die Tempel von Mizrajims Göttern den Flammen preisgeben." * Unter den Ruinen von Heliopolis begegneten wir einem Kopten, mit dem wir uns einige Zeit unterhielten. Er erzählte uns mehrere Sagen aus der Vorzeit der alten Egyprer, deren zwei einige Ähnlichkeit mit biblischen Erzählungen haben. „Herkules nämlich trug einst das Gelüste, den Gott der Götler Jupiter in höchsteigener Gestalt zu sehen. Letzterer weigerte sich, in sein Verlangen zu willigen. Als Herkules aber immer dringlicher wurde, zog Jupiter einem Widder die Haut ab, bekleidete sich mit dem rauhen Felle, hieb dem Thiere den Kopf ab, und hielt ihn vor semem Antlitz. In dieser Gestalt präsentirte er sich dem neugierigen Herkules. Daker bilden die Egypter den Jupiter mit einem Widderkopfe ab."-'' Natan. Ich sagte dem Kopten: Auch unser Moses hatte das Verlangen, Gott selbst zu sehen; aber welcher Bescheid wurde ihm? „Aus meinen Werken wirst du mich erkennen, sprach der Herr, mich selbst kannst du nicht sehen."" 3) Flav. Josephi Keil. jud. Lib. VIT, c.'VII. 4) onäD pN3 “K0N WOW TO TOSET HN "EPl Ier. 43, i3. onsEnr^N 'nrwi. 5) Herodot lib. 11 33. 6) ysi nriN-nst rwn. Er- 33, 24. 14*