Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 14 (6.4.1850)
- Date
- 1850-04-06
- Page
- Seite 55 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2360092-2360634-2360649--7048-3535661- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
55 Kann also in dieser Beziehung das Resultat nur als!.^ein ersseulicbes bezeichnet werden — so müssen wir leider! ‘ : im Hmblick auf die Geldverhältniffe begründete Klagen aus- } sprechen. Die Anstalt ward, bei durchaus ungenügenden Mit- " teln und unter den ungünstigsten Zeitverhältnissen, nur in der /' festen Zuversicht vorläufig eröffnet, daß ein Werk, dessen i Nothwendigkeit und Nutzen zumal für die jüdischen Landge- ■ meinden so offenkundig ist, wenn es einmal ins Leben getreten, lebendigere, thätigere Theilnahme finden werde — daß Manche, welche im Zweifel über das Zustandekommen ihre /Beitrage zurüügehalten, freudig beitragen würden, wenn T ihre Zweifel durch das fertige Werk gelöst worden« Leider! //ist üufi Hoffnung bis jetzt nicht in Erfüllung gegangen, viel- 1 - mehr sind feit jener Zeit fast gar keine Beiträge mehr ein-! gegangen, uno ohne eine außerordentliche Unterstützung, welf! che uns durch die Munisicenz des hohen Königlichen Mintsterii des Innern zug'sslossen ist, hätten wir schon jetzt uns - . genöldigt gesehen, das Kapital anzugreifen. Unsere Einnadme an Zinsen beträgt nämlich circa 400 Tbaler, unsere - jährliche Ausgabe mindestens 900 Thater; und dabei haben wir der Ersparung willen nicht nur die Lehrmittel, sondern auch die Uncerrichtsgegenstände auf das Nochdürftigste beschränken und Manches für jetzt ausschließen müssen, was j - für das Gedeihen der Anstalt und die Ausbildung der Schül / ler sehr wünschenswerth wäre. j ' Bei dieser, Sachlage sind wir genölhigt, uns wiederum; an alle Förderer des Guten mit der dringenden Bitte zu wenden: die junge Anstalt durch fermere B e i-; / träge stützen, befestigen und vervollkommnen .zu wollen. Die jüdischen Gemeinden des Königreichs zu- ■ mal, denen jetzt so viele drückende Lasten abgenommen sind, / denen auch die letzte, die Stolgebühreir, demnächst abgenom- ' men werden wird: wie könnten sie ihre Freude und ihren Dank gegen die Vorsehung besser bethätigen, als durch Ver- / Wendung der dadurch gewonnenen Mittel für den Zweck der .Bildung ihrer Jugend! Es. sind nicht große Opfer, welche /gefordert werden; wenn jede der 136 Synagogengemeinden des Königreichs durchschnittlich jährlich nur vier Thaler beisteuert, so ist der Bestand der Anstalt gesichert. : Wir wünschen zwar sehnlichst, daß Einzelne auch ferner . durch kLeinere und größere Summen zur Vermehrung des : Grundkapitals der Anstalt beitragen und daß Schenkungen und Vermächtnisse ihr zufließen mögen — aber zunächst / bitten wir die Herren Vorsteher, Lehrer und sonstige einfluß- . reiche Mitglieder der Gemeinden, dahin wirken zu wollen, ..daß jede S y n a g o g e n g"e m ei n t> e einen Beitrag; f ü c das 'Seminar, n a ch V e r h a l t n i ß ihrer M i t- . t e l, a \i f i h r Budget als stehende Ausgabe, und wäre es a uch z u n ä ch st nur auf 5 Jahre, übernehme. Die Ausgabe für den Einzelnen ist unbedeutend und doch erspart sie der Gesammtbeit die Zchmach, daß eine von ihr gegründete, heilsame Anstalt unter dem Drucke des Mangels nur kümmerlich fortvegetire, oder gar im Laufe / der Zeiten durch Aufzehrung ihres Kapitals sich auflöse! — Doch nicht nur die Bedürfnisse der Anstalt — auch die der meistens unbemittelten Zöglinge müssen befriedigt werden. Mt anerkennenswenher Bereitwilligkeit hat die hiesige jüdische Gemeinde den Zöglingen der Anstalt durch Freitische und andere Unterstützungen den Aufenthalt in hiesiger Stadt erleichtert — aber diese Mittel reichen nicht aus für die wachsende Schülerzahl und für die mannigfachen Ausgaben, welche bei der größten Sparsamkeit erforderlich sind. Wie wir daher das Beispiel mehrerer Synagogengemeinden zur Nachahmung empfehlen müssen, welche die Zöglinge aus ihrer Mitte durch Stipendien aus der Gemeinde - Kasse oder von Privaten unterstützen, so möchten wir vorzüglich den kürzlich durch eine Schenkung von circa'500 Tdaler gestifteten StipendienfondS für dürftige Schüler der Anstalt der Theilnahme aller Wohlrhäter empfehlen. Wir sind bereit, alle Schenkungen und Vermächtnisse für die Anstalt, zu Zwecken, welche mit derselben in Verbindung stehen, unter den von den Gebern selbst hinzugesügten Bedingungen anzunehmen, und sie zum ewigen Andenken ihres Namens als besondere Stiftungen auf das Gewissenhafteste zu verwalten. Möge dieser Aufruf an die oft bewährte Wohltha'tigkeit und den bessern Sinn, der Großes schafft, nicht ungehört verhallen! — und mögen vor Allem Männer von Einfluß und Eifer sich bewogen fühlen, die Sache unserer Anstalt nicht nur durch ihre eigene Theilnahme, sondern durch Erweckung und Anregung der Theilnahme in ihrem Kreise, durch Verbreitung dieses Aufrufs, durch Sammlungen, durch Stiftung von Vereinen zur Förderung der jüdischen Lehrerbildungs- Anstalt, oder auf jede andere, ihnen zweckmäßig scheinende' Weise zu befördrrn. Wir sind gern bereit, wenn sie sich unmittelbar mit uns in Verbindung setzen, jede gewünschte Auskunft zu ertheiten und ihnen mit Rath und That an die' Hand zu gehen. Unsere Anstalt ist auf Liebe und Theilnahme begründet — und nur insofern sie diese auch in weiteren Kreisen und auch für die Zukunft findet, vermag sie ihren Zweck zu erreichen und ihre Wirksamkeit immer segensreicher zu entfalten! — Wir verbinden mit dem Vorstehenden die Anzeige, daß nach dem Passahseste dieses Jahrs wiederum eine Aufnahme neuer Schüler stattfindet. Diese müssen t5 Jahr alt sein, einen guten moralischen und religiösen Lebenswandel bescheinigen, die nöthigen Vorkenntm'ffe besitzen und Nachweisen, daß für ihre Wohnung, und Unterhalt dahier auf angemessene Weife gesorgt sei. Der volle Kursus ist ein dreijähriger; die Unterrichtsgegenstände vorläufig die Bibel mir Kommentaren, hebräische Grammatik, Mischna, biblische und jüdische Geschichte, Religion, deutsche Sprache, Pädagogik, Weltgeschichte, Geographie, Naturlehre, Schönschreiben, Rechnen und Gesangs Den Unterricht ertheilen der Landrabdiner Sr., Meyer, Oberlchrcr Dr. Frensdorfs und mehrere Hilfslehrer. Das Schulgeld beträgt halbjährig 6 Thaler. Die Meldungen zur Aufnahme sind baldmöglichst bei dem milunterzeichneten Landrabdiner Dr. Meyer einzurcichen, und haben sich die Aspiranten spätestens Montag