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Der Orient · 1850-03-30 · Heft 13 (30.3.1850) · p. Seite 51

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 13 (30.3.1850)
Date
1850-03-30
Page
Seite 51 (sequence 5)
Language
German
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51 — („Schcchlta" und „Mikwe"). Außer diesem Hauptzwecke, der ganz dem Geiste des Jahres 1850 entspricht, sind alle übrigen Paragraphen des Statuts in Harmonie mit diesem Geiste. (83 off. Ztg.) Berlin, 12. Marz. Die Morgen-Ausgabe der ,,National-Zeitung vom 9. d. M. enthält unter den Berliner Nachrichten eine Mittheilung über den jetzt von den Repräsentanten der jüdischen Gemeinde aufgestellten Entwurf eines Gemeinde-Statuts, aus dem der Berichterstatter nichts weiter herausgelesen hat, als daß die Konservirung zweier, dem jüdischen Ritus gewidmeten Anstalten zu den Hauptzwecken der neuen Konstituirung gehört. Es ist auch in der That gegründet, daß die Erhaltung der genannten Anstalten jedoch neben den für Kultus, Religionsunterricht und Beerdigung als eine Pflicht der Gemeinde bezeichnet werden; wir muffen jedoch bemerken, daß wir nach Einsicht des Statuts auch viele auf den Grundsatz der Selbstbestimmung der Gemeinde beruhende Bestimmungen^ darin gefunden haben, und geben daher im Interesse der: Wahrheit hier eine Skizze jenes Statuts. Alle nur einigermaaßen wichtigen , auf den Kultus und die Verwaltung bezüglichen- Maßregeln, auch die Anstellung / Entlassung und Penflonirung der Beamten können nur aus einem Gemeinde-Beschluß hervorgehen. Zur Fassung eines solchen sind nur die 21 Gemeiude.-Vertreter und die von diesen gewählten 7 Äettesten in vereinigter Sitzung berechtigt. Die Vertreter werden von sämmtlichen Gemeinde-Mitgliedern (und daß sind alle Juden in.Berlin, die zur Gemeinde' einen Beitrag zahlen , durch Stimmzettel gewählt, und zwar werden, alle Vertreter von allen Wählern gewählt. Die Aeltesten (Gemeinde-Vorsteher) haben noch das besondere Recht, die Gemeinde-Beschlüsse vorzubereiten und ausznsühren und demnach auch das Recht des Antrages auf Geldbewilligung. Die Kontrolle über die bewilligten Gelder führen allein die Vertreter. Die Rabbiner werden ausdrücklich zu den Beamten gezählt, ihre Instruktion wird durch Gemeindebeschluß erthcilt undsie sollen nach dem Statut nur für specifische Ritnalgegenstände und bei der Anstellung von Kultus - Beamten eine technisch begutachtende Behörde bilden. D esterreich. P»esth, 15. März. Die Regierung hat alle jene/ die ihre Nichtbetheiligung an. der Revolution dokumentirm können, von den Strafgeldern befreit. — Für den Fortschritt der ungarischen Juden selbst auf dem Gebiete der Kunst zeugt, daß der beste Daguerretypist und Photograph ein Israelit, Hr. 8. Strelisker ist. Die angesehensten Magnaten, Beamten und Offnere besuchen sein Atelier. Er. ist der Bruder, des bekannten hebräischen Stylisten Stretisker in Brody, der die Biographie feines Vaters, des berühmten Sängers Dawid Brody, in einem ausgezeichneten Hebräisch veröffentlicht hat. — Man spricht davon, die Regierung werde das Schul- und Kirchenwesen in Ungarn bald ordnen. —> Zu der Haynau-Stistung schenkte der isr. Großhändler I. 8. Boskowicz 2000 fl. CM. Die Wirksamkeit der Stiftung erstreckt sich auch auf die invalidem Houveds. Die Juden und das Geld. Fragmentarische Zusammenstellung von L. LVeyl. Geld, Geld, und wieder Geld, und Nichts als Geld heißt der Vorwurf, den man von jeher den Juden zu machen gewohnt war und leider! noch bis auf den heutigen Lag — wann und wo sich nur irgend eine Gelegenheit dazu darbietet — zu machen nicht aushört. Doch, was sage ich, darbietet?" — Wartet man denn so lange? Man zieht und zerrt die Gelegenheit bei dm Haaren herbei, und zu den Juden sagen zu können: „Du hast nur Geld — Du willst nur Geld — Du bist selbst Nichts weiter als ®e'lb!" — Und selbst das Gute, das ihr schon so häufig an den-Juden anzuerkennen gezwungen wäret — ich meine: seinen außerordentlichen W o h l t h ätigke itssin n, sein Mitleidgegen Anderer Noth — suchtet ihr in den Staub zu ziehen und zu besudeln mit dem Geifer-eures'Haffes, indem ihr dem lächerlichen Vorwurf erhebet: „Es war ja nur Geld, was der Jude gegeben $ weiter hat er ja so Nichts.." — Also geschah es auch im Jahre 1787 nach dem großen Brande von Neu-Ruppin, wo es in allen norddeutschen Blättern wiederhallce und gerühmt wurde/daß die Berliner jüdischen Kaufleute allein die Summe von 1250 Thlr. zum Besten d er Verunglückten kollektirt hatten. Da waren es zwei Zeitungen Thüringens <das Erfurter JrUe.lligenzblatt und der Weimarische Anzeiger), welche' den a lt.en Zopf nicht verbergen und sich nicht enthalten konnten, zu kreischen, daß es doch weiter Nichts als Geld gewesen, womit die Berliner Judenschast den Abgebrannten von Neuruppin zu Hilfe gekommen. UndderMainzer „Bürger freun d" krächzte es nach und gab auch einige andere allerliebste Randbemerkungen zum Besten. Aber das Judenthum, überall und zu allen Zeiten angegriffen und verletzt, überall und zu allen Zeiten geschmäht und geschändet, hat überall und. zu allen Zeiten auch unter den Bekennern anderer Religionenseine wackern Vertheidigcr gefunden. Bei der in Rede stehenden Angelegenheit war es Herr' M. Cherbourg aus Mainz, welcher für das jüd. Volk in die Schranken trat und in das Journal i«e. Strasbourg unter dem Lite! „L’anride ia verite“ einen Aussatz lieferte, aus dem

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