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Der Orient · 1850-03-30 · Heft 13 (30.3.1850) · p. Seite 52

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 13 (30.3.1850)
Date
1850-03-30
Page
Seite 52 (sequence 7)
Language
German
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wir einige Stellen in ziemlich wortgetreuer Übersetzung hier wiederzugeben uns erlauben wollen.1 „Es ist uns geboten, unfern Nächsten wie uns selbst, ja selbst unsere Feinde zu lieben. Wir erkennen dieses wahrhaft göttliche Gebot für ein Haupt- und Grundgesetz unserer Religion, und dennoch behandeln wir die jüdische Nation, .so unter uns lebt, Glück und Unglück mit uns theilt, noch immer nicht als Mitmenschen, Mitbürger und Brüder (confreres). Dieser Widerspruch zwischen unserer Lehre und unserm Thun muß einmal aufhören, und wir sind in unserer Denkungsart dem menschenfreundlichen Geiste des Christenthums hoffentlich so nahe gekommen, daß er bald aushöcen wird."3 — „G e l d ist leider! bei der traurigen politischen Lage der Juden ihr ganzes Wohl und Weh, ihre Existenz. Ohne Geld wird der Jude selbst in dem Lande nicht geduldet, wo ec geboren worden, wo die Geburt ihm ein Bleiberecht ertheilt zu haben scheint. Ohne Geld bleibt ihm kein Mittel zu feiner Erhaltung, da alle Gewerbe, alle Stände, — das einzige Gewerb des Kaufmannes ausgenommen, von welchem aber das Geld die Seele ist — ihm verboten und versperrt sind (inhibees et barrees).3 „Wie sehr eine solche angenöthigte Liebe und ein solcher angezwungener Hang zum Gelde ein Volk verkümmern kann und muß, ist wohl Jedem reicht einzusehen z eben so leicht, wieviel gesellige Lugenden dadurch eben bei ihm verloren gehen, erstickt werden müssen^ Allein wem ist die Schuld dieser traurigen Folgen zuzuschreiben? Doch nicht denen, die gewaltsamer Weise in diesen Zustand versetzt und darin erhalten. werden? — Kann man von dem gelähmten Haus- 1) Es war damals gerade in der Zeit, wo die Akademie zu Metz, einen Preis von 400 Livres auf die beste Schrift „über die bürgerliche Verbesserung derIuden" ausgesetzt hatte, ein Ereigniß, welches in den Blättern des Elsasses und Lothringens eine große Menge von Artikeln sowohl für, als auch gegen die Juden hervorrief. 2) Hier macht der Redakteur des Journals die Randbemerkung: „Ehre genug für Deutschland, daß es hierin die Bahn bricht, daß des Edelu ven Dohm ,,S chu tz sch ri ft für die Juden" mit so allgemeinem Beifall ausgenommen worden. — Auch in Frankreich fängt man an milder gegen dieses Volk zu denken." 3) Hier macht der Korresp. eine Randbemerkung wie folgt: „Auch in Preußen, wo es die Juden noch immer fast am besten gehabt haben, muß doch jeder Eingeborne aus diesem Volke, wenn er heirathen will , Nachweisen können, daß er mindestens 2000 Thlr. im Vermögen habe; und ein fremder Jude würde schwerlich ohne ein noch weit ansehnlicheres Vermögen das elende Privilegium eines Schutz-Juden (d. h. kein Pächter, Gärtner re./ kein Schuster, Bäcker, Brauer rc., kein Drucker, Binder, Goldschmied re., kein Schulmann, Professor, Rechtsgelehrter rc. sein zu dürfen) erlangen können/' Verlag von C. L. Fritz sch e. vogel verlangen, daß er sich mit Adlersflügeln in die Höhr s schwinge?" ' . ' . «' „Man lasse die Juden alle Kräfte und Fähigkeiten, die \ ihnen die Natur, wie jedem andern Erdenbürger anerschaffen, f/ entwickeln, bearbeiten und vervollkommnen.; man belebe den bis jetzt so unbillig in ihnen erstickten Freimuth wieder, man; erlaube ihnen, Menschen und S t a a t s.b ü r g e r zu sein, < trage etwa noch mit den beiden ersten Generationen die Ge-, duld, welche man mit christlichen Kolonisten nur zu oft ■ tragen muß, und mit Recht gern trägt; so werden die küns- . tigen Zeiten das Andenken ihrer jetzt lebenden Väter segnen; : die ihnen in den verbesserten Juden (Juifs reformes) eine Anzahl thätiger, gesitteter und nützlicher Bürger mehr hinter- - lassen haben, eben so gebildet, ebenso für das Wohl des Staa- : tes besorgt, als die freier» Nachkommen der rohen Eroberer! dieser Länder. 7— So ungesittet sind die Juden nicht, und.! sind es niemals gewesen, als unsere Vorfahren, als die Väter i ' des ganzen jetzt lebenden Europa waren.'" — 4i Wir bitten den Leser, nicht zu vergessen, daß diese Sätze bereits vor 63 Jahren niedergeschrieben worden . Heute der Feder eines Publizisten entflossen, würden wir sie vielleicht mit Gleichgiltigkeit betrachten. — . Notizen aus dem vorigen Jahrhundert. (Gesammelt von L. Weil in Lissa.) 3. Juden in Ungarn. Im I. 1785 erließ , der Kaiser Joseph U. eine Verordn M nung, nach welcher den Juden in Ungarn gestattet wurde: t) künftig Ackerbau zu treiben, t 2) sich in den Ortschaften, welche dem Central-Religions- und Studienfonds gehören, anzusiedeln und 3) auf dem platten Lande alle Freiheiten der christlichen Bauern zu genießen. Ein süddeutsches Blatt aus jener Zeit (Würzburger Anzeiger 1785 Nr. 37) nennt diese k. k. Verordnung einen Akt der Billigkeit und bedauert nur, daß derselbe nicht schdn weit früher zur . Ausführung gebracht worden. — Und heule, .65 Jahr spater, sagt man im Lande der Wittelsbacher, die Juden seien weder reif noch würdig, die Rechte und Freiheiten ihrer christlichen Mitbürger zu beanspruchen. — Tempora mutantur! — Personalchronik und Miscellen. Prag. Prof. Dr. Wesse ly's juristische Vorlesungen finden den größten Beifall. Wahrscheinlich wird derselbe bald ein hohes Slaatsamt bekleiden. Druck von I. H. Nagel. m

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