Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 12 (23.3.1850)
- Date
- 1850-03-23
- Page
- Seite 47 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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M- Nichts , wenigstens 'Gutes nicht, erwarten. Auch Zollen wir, so gering die eigenen Kräfte fein mögen, |für ein eigenes Gemeinde-Obdach sorgen; aber^in den liuciüflCH Wochen, die mau UNS gönnt, läßt sich fein EHimS erbauen. Wir kommen daher zu Euch, Bruder! Mir bitten Euch: Gönnt uns in Eurem Bcthanse äjftfamn für eine Stunde der Uebung unstrer Religion, |cinc Stunde nur der Woche, an einem Tage, wo das i^aus ohnehin leer steht. Wir bitten Euch darum, und staö ist, glauben wir, die ganze volle Rechtfertigung finstrer religiösen Ansichten. Der Gott, den Ihr in ßmem Tempel verehrt, ist ja doch wohl aller Welten |nufc aller Menschen Gott, dcrstlbe, der über allen Parteien waltet, wie sich sonst auch deren Meinungen aus- Hrechen mögen. Irr diestm Glauben nennen wir Euch ßiliich Brüder; wir können es; unsere Religion lehrt cs?se. Wir wenden uns an Euch, weil wir bei Euch zu Puden hoffen, was wir bei Christen vermissen, Humanität; diese kennt nicht Konfessionshaß. Wir trauen sie Much zu, denn die Geschichte sagt unö, daß das jüdi- IMe Volk selbst in seinen bittersten Leidenstagen sic übte, teo ihm nur immer die Gelegenheit gebeten ward. Al- Mrdings haben auch die Väter der Kinder Stettins am ^Vclke der Inden viel verschuldet. Das Wort der frohen Motschast eines Rabbi Eures Stammes im Munde, die ßD:e Hand aus alte Urkunden Eurer Ahnen gelegt, erho- |kn sie die gewichtige Rechte, das Judenvolk zu schlafen, erheben sie den Fuß, es zu treten. Doch die ZSühnung tritt ein. Die Geschichte zeichnet in ihre "Jahrbücher die bedeutungsvollen Worte: Von Christel: verfolgt, suchen die Kinder Obdach bei dem Wolke der Juden. — Nehmt uns ans! Nur so lange, bis wir ^ims selbst Helsen köilncn. Wir werden Euch keine Sym- Pele mtb Zeichen in das Haus bringen, die Euren -MtnS stören könnten. Unser Gebet und unser Wort Per Erbauung'ist das des gesunden Verstandes und Herzens; es wird in Eurem Hause nicht anders sein. Vor ^Gottes Richterstuhle werden aber weder wir straffällig ^erscheine:,, daß lvir Glich' um Gastfreundschaft baten, Piech Ihr, daß Ihr sie geübt. Nur Menschen, nicht Piach Gottes Bilde geschaffen, nicht duldsam und milde, Nicht brüderlich und friedlich, werden es beschämt nicht; .begreife:: können." (Ostscc-Z.) w Aus der Provinz Posen, im Febr. Was | ^icbt'ö Neues. Ich weiß wieder nur sehr wenig. l/Ooch was ich weiß, will ich Ihnen mittheilen. — ^JnNakel wird die N e form-Med ie i n, welche von (. der Krankheit des alten Schlendrians heilen soll, leider! pmt tropfen weis e cillgenommen, und zwar alle- 6 : Monate 1 Tropfen. In: Sommer v» I. ist daselbst ..M der Synagoge , die M iz w ot-Auktion abgeschafft worden (s. Nr. 46 v. I.). Jetzt ist man scholl einen ^Schritt weiter gegangen, indem man auch das ^Aufrufen zur Tora mit Namen und Titel" anfgeho- , len. — Noch ein halbes Jahr, und wer weiß, ob ' nicht dailn auch das ,, S ch u l k l o p fe n " eingestellt : wird? Wahrscheinlich. — Nur Geduld, Hr. Redakteur, bic Nakelenstr gehen langsam, aber sie gehen doch wenigstens. — In W y sse k (Kr. Wirsitz) ist, weil «n die jüd. Kinder in die christl. Schulen deS Orts nicht ausnehmen wellte, eine neue jüdische Schule organisirt worden, welche, da die dort wohnenden 14 Judenfamilien größtentheils arm sind, fast ganz aus Kosten der Regierung unterhalten wird. Dies Beispiel steht einzig da in der Provinz Posen. Und vielleicht auch in ganz Preußen. — In gerben {bä Bremberg) verdrängte man den dritten Lehrer ans stillem Amte, I vergebend, die Gemeinde hätte sich sehr verkleinert, so daß an ihrer Schule nur noch für 2 Lehrer Beschäftigung vorhanden wäre. Uild die Negierung verlangte nicht, daß der Verstoßene, eil: Greis von 60 Jahren, wieder m sein Amt eingesetzt werde, sondern verpflichtete vielmehr die Gemeinde, an seiner Stelle einen andern dritten Lehrer aufzun.ehmcn, ihm, dem Abgedankten aber eine lebenslängliche Pension von 50 Thlr jährlich zu versichern. — In P eln. Crcne lvünscht man einen Mann anzustellei:, der ein fünffaches Amt bekleiden soll; er soll nämlich sungircn als Kantor, Schächter, Lehrer, Rabbiner und auch — als Küster. Schöne -Gegend! — Bei einer jüd. Vermählungsfeier, die am 5. d. M. in Rakwitz stattgesunden, hat der Prcd. Dr« Wiener ans Kesten den Tranungsakt vollzogen und bei dieser Gelegel:heit eine Rede gehalten, die allgernein außerordentlich gut gefallen hat. — Die Gemeinde von Lissa hat am 18. d. M. durch den Ted deS Herrn 'Michel Caro, eines ihrer wohtthätigstel: und frömmsten Mitglieder verloren. Unter den Legaten des Verewigten soll sich auch Eins von 800 Thlr. für den Bau eines Bet ha-Midrasch befinden. Nächstens mehr hierüber. — Der Bruder-Verein in Posen will einen nenei: Kantor cngagiren, weil des Alten Melodien nicht lnehr gefallen; der Prediger aber wird bleiben, denn seine Predigten gefallen immer besser. — —L—W — Oesterreich. Aus Muhren, im März. Endlich soll die Bcrathung über den Anschluß der jüdischen Geureindcu an die christlichenzufolge eines ministeriellen Befehls binnen 14Tagen vorsichgchcn. Das Resultat dieser Beratung kann man zwar nicht errathen; so viel können wir vorläufig sagen, daßweder die jüdischen noch die christlichen Gemeinden dafür sind. In Gemeinden, wo noch Judenhäuser von Christen beschmiert werden, da gibtö wirklich mehr U'nrath als Rath, da inuß man mehr ans Berath schlage n gefaßt sein. Mit fröhlichem Gefühle müssen wir es aber gestehen, daß die Regierung ans die genaue und treue Anfrechthaltnng der staatsbürgertichei: Gleichberechtigung ein wachsames, Auge richtet, wofür man sich auch zu jeder Zeit dankbarbezeigt. Der 4. d. M. wurde als Gedächtnißtag der Emaneipaticns-Verleihung in allen jüd. Gemeinde:: sehr festlich begangen. Synagogen wurden mit Illuminationen, Transparenten und mit dem wohlgetroffenen Bilde