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Der Orient · 1850-03-16 · Heft 11 (16.3.1850) · p. Seite 43

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 11 (16.3.1850)
Date
1850-03-16
Page
Seite 43 (sequence 5)
Language
German
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Staats uns deßhalb zu bedrücken, da wo wir in unserem Rechte sind. Wir wollen Nichts der Toleranz, Nichts der Billigkeit verdanken da, wo das Recht auf unsrer Seite ist. Wir wissen wohl, daß wir hiermit einem Prinzips zustimmeu, dem sich Viele hochweise abwenden. Wir; wissen wohl, daß cs Viele gicbt, die gern auf ihr gutes Recht verzichten, und vorziehen sich das schenken — auf französisch oc tr o y e r — zu lassen, was zu fordern sie wohl das Recht nicht aber den Muth haben. Wir wissen wohl, daß Tausende im Kerker schmachten, und in der Verbannung umhcrirren, deren einziges Vergehen konsequente Befolgung jenes Prinzips war; die ihr Recht forderten und sich nichts schenken lassen wollten. Wir wissen wohl, daß mau darauf hinweisend, dieses Prinzip unpraktisch nennen, und daß man sich gegen die Anwendung desselben auf die Judensrage sträuben wird. Wir wissen wohl, daß Leute die das Frühjahr 1848 verschlafen oder doch verträumt haben, uns cer Undankbarkeit zeihen werden gegen eine Gesetzesvorlage, der wir, und mit Recht, vor dem Jahre 1848 zngejauchzt haben würden. Der Verlaus der Kammerverhandlungen wird zeigen, inwieweit unsere Kritik des Gesetzentwurfs berechtigt ist. Man appetlirte nicht an den Rcchtssinn, sondern an das Billigkeitsgefühl, an die Bruderliebe von — Jesuiten und Reichsrathen! Und bedachte man nicht, wie gefährlich es sei, in einem Lande wie Baiern, die Juden allein einer Verhandlung auszusetzen, und sie in einem besonderen Gesetze gleichzustellen! Die Judensrage ist — wer wollte es leugnen — unter den prineipiett mit ihr verrankten die unpopulärste, theils aus altem, eingesogencm neutestamentarischem Vorurtheile, theils weil die Juden den geringsten Theil der Bevölkerung bilden, theils weil der bornirte Egoismus (auf Werkstätten, Kanzeln und Tribünen) in ihrer Gleichstellung eine Gefährdung seiner materiellen Interessen erblickt. Es ist aber — und daö sollten die Juden nie vergessen, — das Verdienst der Demokratie, diese Vorurtheile zurnckgedrängt, die materiellen Bedenken" widerlegt, und wenigstens bei allen wahren und echten Demokraten vernichtet zu haben. So blieben die Demokraten ihrem Grundsätze von der Gleichheit der Menschen in ihren Rechten, auch in der Judensrage, getreu. In Baiern aber sind Lehrer und Führer der Massen nicht Demokraten, sondern Pfaffen; und diesen mußte es leicht werden, die ohnehin vorhandene Abneigung gegen die Gleichstellung der Inden bis zu einem förmlichen, fanatischen Kreuzzuge gegen dieselben zu steigern. Und was die Pfassen auf den Kanzeln und in Beichtstühlen verabsäumt, das holten die Pfassen auf den Tribünen nach. So hat der Gesetzentwurf, eben weil er bloS von Juden handelt, diesen nicht nur nichts genützt, sondern auch noch geschadet; er hat halberstickte, oder doch schlummernde Leidenschaften geweckt, und dem Hasse neue Nahrung gegeben. Daß ein Diplomat, wie Herr von der Pforten, so handeln konnte, würde uns Wunder nehmen, wenn nicht von seiner Wirksamkeit in Sachsen her bekannt wäre, daß es ihm um Gleichstellung der Juden nicht so ernst zu thun sei. - Wir bekämpfen hier den Gesetzentwurf von einem Standpunkte, der selbst in .der zweiten Kammer nur wenig Vertheidiger fand, von dem der deutschen G r u n d r e ch t e. Wir werden sehen wie diesen Entwurf ganz 'andere Bekämpfer enigegentraten, ja wie selbst die Minister, gewiß die natürlichsten Vertheidiger dieses ihres Geschöpfes, von ihm abfielen, bis er endlich in den reichsräthlichen Papierkorb ad acta geworfen würbe, E.L. Deutschland. Breslau, 18. Febr. Auch über die Ereignisse diesseits des Jordans will ich Ihnen, Herr Redakteur, Mittheilnng zu machen nicht .verabsäumen. — Von einem Plane, daß Tiktin eine neue Religionsschule crschassen will, u m G o t t e s Willen, habe ich zur Zeit schon berichtet. Jetzt soll die Dichtung oder besser der fromme Wunsch nach einer tiktinarischen Religionöschule, die zur Rettung der Menschheit sei, endlich zur Wahrheit werden. Wer bis jetzt so profan war, an der Ausführung dieses heiligen Projekts zu v er z w eifeln, muß nun nach der am verwicheuen Sonnabend gehaltenen Rede „rräm" reuemüthig eingestehen, daß die hiesige Orthodoxie nach rhetorischer Weisung ernste Miene macht, selbe ins Leben treten zu lassen. Wurde auch schon früher, wie einst Demosthenes, .domiernd ausgerufen ,,laßt uns ausziehen-die verderbte Zeitlaßt uns siegen oder sterben," so wurde jetzt mit göttlichen Worten hingewiesen, daß in der jetzigen Zeit der Noth eine tiktinarische Religionsschule eine Noth ist. — Wer sollte crn ch hierin anderer Meinung sein. — Wir sehen es selbst ein, daß in der jetzigen verderbten Zeit, wo die si'rndftuthliche Aufklärung die Welt der Religion zu überschwemmen droht, solche Religionsschule als Arche zum Zufluchtsort der frommen Menschenkinder erheischt wird, rlm bei abnehmender Strömung dann Gott für die Rettung anbeten und seinen Weinberg bebauen zu können. — Die Sache hat ihre Richtigkeit. — Denn ohne Religionsschule keinen Religionsunterricht, ohne Religionsunterricht keine heiligen Väter, ohne heilige Väter keine Religion, ohne Retkgien keinen Gott, und Gott muß es gebe«, also muß Reliligionsschule sein. — Nun sollte man doch nach der

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