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Der Orient · 1850-03-16 · Heft 11 (16.3.1850) · p. Seite 44

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 11 (16.3.1850)
Date
1850-03-16
Page
Seite 44 (sequence 7)
Language
German
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kurzen aber prakti schen Nothwendigkeit glauben, die Schule müsse schon den Anfang genommen haben, allein dies ist dennoch nicht der Fall. Die Frage über Sein und Nichtsein der Schule hat das zweite Stadium betreten und ein Nostrodamns würde uns jetzt gut zu statten kommen, um uns Ausschluß darüber zu ertheilen. Wir meinen die Krisis in Beziehung der Lehrer, die den Religionsunterricht f o r t tre i ben sollen. Nach PapaS eminenter' Ueberzeugung, daß Männer der neuen Zeit verderbt sind, darf weder Studirter noch neuer Rabbiner der heiligen Sache angetraut werden. Nun denke man sich diese Kalamität!" Unfern Nestor geht selbst der Verstand aus, ein ihm Passendes Subjekt ausstndig zu machen, das die Jugend nicht verderben soll. Zwar meinte ein Witzling, man solle, um den neuen jüdischen Lehrern zu entgehen, zu einem christlichen Religionslehrer seine Zuflucht nehmen, allein wir wissen der hiesigen Orthodoxie einen bessern Rath zu ertheilen, wie sie die Scylla und Charybdis umschiffen kann, indem wir sie auf das Geschlecht der Stahliden aufmerksam machen. Daß auf diese Weise dem widerspenstigen Geschlecht die glücksetigmachende Lehre am besten imputirt wird, darf wohl kaum erörtert werden.—Doch genug 1 Wir haben die komische Seite der Religionsschule, wie sie uns auf der Kanzel sich gezeigt hat, betrachtet, wir wollen aber unsererseits nicht ermangeln, ihre ernste Seite näher ins Auge zu fassen, und unsere Betrachtungen daran anzuknüpfen. — Brenttrschweig im Februar. Es ist hier kürzlich bekannt geworden, daß von einem Gerichte des Landes als Obervormundschaft angeordnet ist: Der Vormund habe seinen, dem Jacob so ns-Institute zu Seesen übergebenen Curanden deshalb sogleich von dicseril fortzunehmen, weil der Curande der christlichen Religion und zwar der evangelisch-lutherischen Confession angehöre, das Institut und seine Schule aber eine jüdische Anstalt sei. Ich kann nur glauben, daß die Obervormundschaft nicht nähere Kenntuiß von der Einrichtung dieser Anstalt gehabt und die ihr darüber wahrscheinlich zugekommencn Ausschlüsse für genügend nicht gehalten hat und da ich meine eigenen Söhne ans dieser Anstalt unterrichten lasse, so halte ich mich auch im Interesse derselben für verpflichtet, über ihre Wirksamkeit öffentlich ein Zeuguiß zu ertheilen. Die Anstalt zeichnet sich durch Humanität und Wohlthätigkeit gegen Christen und Juden vor vielen christlichen Anstalten ähnlicher Art rühmtichst aus, die Confession macht dort keinen Unterschied, um Kinder armer Eltern vom 9. bis 15. Lebensjahre nnmtgetdlich in Wohnung, Kleidung und Beköstigung zu erhalten , sie zu erziehen und ihnen jede Ausbildung, die ihren Fähigkeiten entspricht, eben wie denen von begüterten Eltern zu geben; Verlag von C. L. Fritzsche. die Richtung'der ganzen Anstalt ist: die Grundsätze! ächter Humanität zu verbreiten, dabei aber den Kindern $ christlicher Confession auch christlichen Religionsunterricht i (der zur Zeit vom Dirigenten der Bürgerschule und 3 vier am Institute angestcllten christlichen Lehrern ertheilt fl wird) in getrennten Klassen ertheilen zu lassen, was & überdem vom Herzog!. Consistorio zu Wolfenbüttel spe- S ciell genehmigt ist und wobei dieser Religionsunterricht fortwährend durch dm Ephorus der Bürgerschule über-! wacht wird. Der Anstalt sind zur Zeit 70 bis 80 Zög- 1 linge gemischter Confession aus allen Ständen anvcrtraut! und wird die Schule daneben noch von etwa 100 Schülern aus der Stadt und Umgegend besucht. Die Schalle ' ist eine Realschule und zugleich ein Progymnasinm, : . auf dem schon Knaben so weit gebracht sind, daß sie 3! ans Gymnasien unseres Landes in Seennda bei ihrem! Abgänge ausgenommen sind. Diesen Thatsachen gegenll über, dürste daher keine Obervormundschaft, deren Cu- - randen sich in den Händen der Anstalt befinden, gegründeten Besorgnissen für das leibliche und geistige , Wohl auch ihrer christlichen Zöglinge Raum geben; können. Es möchte dieser Fall aber auch den Leitern \; der Anstalt Veranlassung geben können, die Einrichtung j , derselben dem Publiko möglichst bekannt zu machen. \\ Sie würden dadurch gewiß auch nicht gegen den Sinn j - und Geist des edelen Mannes handeln, der aus reiner h Menschenliebe und nur mit. eigenen Mitteln sich durch ■ die Anstalt ein Denkmal gesetzt hat, was die Zeit über- ' dauert und was seine, von gleichen Beweggründen ge- : leiteten Söhne freigebig nach den jetzigen Zeitbedürfnissen - und Anforderungen erweitert haben.. Lilly, Jnstizamtmann zu Seesen. Personalchronik und Miscellen. Pesth, im Jan. Eine große Anzahl Juden, die als : Honoed bei Komorn durch -Vertrag frei wurden, sind hier als - affentirt durch unsere Stadt geführt, worden. Viele suchten sich durch die Flucht zu retten. . * , ■ * i Preß bürg, im Jan. Die Verarmung in unserer Ge- *} meinde nimmt trotz der Befreiung von der haynau'schen Kon- , j triducion furchtbar überhand. Das Räubersystem des Fiskus, die Schulden der exilirten und vom Staate ausgeraubten .’j Edelleute nicht anzuerkennen, um von dem Raube nicht Ei-! \ niges abgeben zu müssen, veranlaßt dieselbe. Lj Brkefkaste». Hr. U—r in L.: Das Gedicht eignet sich nicht zur Auf- - nähme. In den Mittheilungen bitte ich nur die nackte Wahr-; heit ohne Pro- und Epilog. j; Druck von I. H. Nagel.

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