Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1850)
- Date
- 1850-03-09
- Page
- Seite 39 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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39 |;i seitigt ist —- was dermalen bekanntlich außer Baiern f in allen deutschen Ländern der Fall niederzulassen. Da - dies natürlich nur die Vermögenden thun können, so -1 werden hierdurch dem Lande viele Kapitalien entzogen f werden, während die ärmer« Israeliten-dem Lande ver- / bleiben. In Folge der Uebersidelung nach andernStaaten haben daher auch bereits viele Israeliten, wie uns i ' mitgethcitt wird, ihre im Lande angelegten Kapitalien gekündigt. Oesterreich. Leipnik, im Febr. Die P re rau er Judenge- 1 | meinde hat neulich eine seltene Probe ihrer Bildung und ' Humanität bewiesen, wofür sie in der That an den;; Pranger gestellt zu werden verdient. Sie maßte sich '/-'nämlich an, einem hiesigen mit einem dort wohnenden i - Mädchen verlobten, jungen Manne, das Recht, sich nach der Vermählung daselbst ansässig zu machen, vorzuenthatten und streitig zu machen, ja sie drohte ihm sogar, den Schnittwaaren-Handel, welchen schon seit Jahren seine Braut daselbst öffentlich betreibt, zu verbieten und dm Kaufladen sperren zu müssen. Als Beweggrund :■ ’ dieses Verfahrens äußerte sie zwar, daß ihre Konkurrenz beim Zuwachsen eines Gliedes an ihrem Corpus gefährdet werden könnte; allein diese schändliche Larve des . Eigennutzes birgt allem Anscheine nach noch etwas; Schändlicheres und zwar — den abscheulichen Neid, s ' Und der angegebene Grund selbst, wie erbärmlich und; verwerflich ist er-1 Was sollen die christlichen Gemeinden \ ' thun, wenn Glarrbensgenossen miteinander so verfahren? Uns drängt sich die Frage im Gegentheil auf: Kann je - das allgemeine Wohl einer Gemeinde gedeihen, in wel-! * cher weder Gemeingeisi noch Gemeinsinn, sondern Neid! und Eifersucht das Wort sprechen? Kann der Handels-;! geist, Kunst und Gewcrbfleiß befördert werden, wo man ' pedantisch und ungestört das kleinliche Gewerbe betreibt und das liebe Krämchen pfleget? Kann endlich der Geist etwas gewinnen, wo'der NachahmnngsLrieb stets an mi- . krvlogischen Dingen gefesselt und beschäftigt ist, wo nämlich der Sohn in die Fußtapfen seines Vaters geht? Die Geschichte und die eigene Erfahrung lehren uns < das Gegentbeit, da doch selbst der Unwissendste nicht 'i glaubt, daß London, Paris und Wien binnen einer .'Nacht von einer Schaar Engel erbaut, bevölkert, berei- ' chert und groß wurden. — - / Wenn nun jüdische Glaubensgenossen, die achtzehn Jahrhunderte gemeinschaftlich unter dem eisernen Joche l der Unterdrückung schmachteten, so die errungene Freiheit einander genießen lassen; wenn der Bruder dem Bruder, welche Beide so lange vom klirrenden Eisenring des unerbittlichen Geschickes gefesselt waren, die endlich erwünschte Emaueipation mit solchen Maaßnahmen feiern: was Wunder also, wenn manche Spießbürger andern Glaubens, auf die Gleichstellung de.r Juden, mit schelen Blicken sehen? Vorläufig habe ich Ihnen sonst nichts Erhebliches mitzutheilen, denn wenn ich recht sehe, das heißt, wenn ich nicht schlafe, so däucht mich, daß Alles um mich her schlafe — allenfalls wird es nächstens Träume geben. U—r. Der Dorfgeher. Won Leopold Kompert. (Fortsetzung.) „Ihr meint", sagte der Dorfgeher ftirnrunzelnd, „ich hält' bei der Bäuerin essen sollen? Nicht um eine Million," rief ec dann heftig, „Ihr könnt mir sie gleich baar aufzählen." „Bei der Hand Hab' ich sie nicht," rief Emanuel versuchsweise. „Hört an," sprach darauf der Dorfgeher, „Ihr glaubt mir nicht, das seh' ich Euch an. Ich frag' Euch nur Ein's: Ist das Leben eine Million^werth? Und ich geb' mein Leben darum und eß' bei der Bäuerin nicht." „O Gott, dachte Emanuel erbleichend, mit welcher Seelenkraft er das ausspricht! Wie werde ich die Klu^t ausfüllen können, die sich immer endloser vor meinen Füßen zeigt, wenn ihm schon der Schatten einer kleinen Sünde an das Leben greift? Mein Verrath wird ihm wirklich das Lebm kosten! Und die Mutter erst!" Seine Traurigkeit wuchs nun mit jedem Schritte, dm 'er mit seinem Water vorwärts that; er hatte nicht mehr dm Muth, eine Frage an ihn zu richten. Wie konnte er noch fragen, was konnte er für Antworten erhalten? Jedes Wort das er sprach, jede Aeußerung seines Vaters war ein Nagel zu dem Sarge seines Glückes, ein Messer, das mitten durch das Herz ging, woran Liebe und Neigung so liebend Anthril hatten. Dem Dorfgeher war der Begleiter seiner Wochenwanderung lieb und werth geworden; er bemerkte bald die veränderte Stimmung Emanuel's und das Stillschweigen, das er durch eine lange Strecke Weges beobachtete. „Das habt Ihr davon, Gast," begann er, „daß Ihr einen armen Dorfgeher thut begleiten. Wärt' Ihr Euren Weg gegangen, wer weiß, was Ihr für gute Bissen hättet gefunden. Jndeß, fügte er verstohlen lächelnd hinzu, ich komm' jetzt zu meiner schönen Bäuerin, der geb' ich nur ein gut' Wort und sie tischt Euch auf, was sie nur im Hans hat. Vor mir braucht Ihr Euch nicht zu geniren, ich kann ein Aug' schon zumachen." „Rebb Schimme!" rief Emanuel erstaunt aus der Tiefe seiner Seele, „Ihr gebt mir den Rath?" „Und warum nicht?" sagte der Dorfgeher mit unaussprechlichem Wesen, „wenn's Euch gelüstet, einen warmen