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Der Orient · 1850-03-09 · Heft 10 (9.3.1850) · p. Seite 38

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 10 (9.3.1850)
Date
1850-03-09
Page
Seite 38 (sequence 3)
Language
German
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das war ihnen in ihrer beschränkten Judenihümelei gleichgiltig. Dciß die Ewancipation sie zu Staatsbürgern erhebe, daran dachten sie nicht, und behielten nur ihr jüdisches, nicht ihr staatsbürgerliches Interesse im Auge. So gingen sie mit der Partei der Linken so lange etwa, bis sie ihre Emancipation gesichert hielten, und machten dann ein loyales Rechtsumkehrt. I Anders die Männer des Prinzips, zu denen die edelsten, gebildetsten Juden Deutschlands zu zählen sind. Lange vor dem Jahre 1848 hatten sie mit Schrift und Wort für die Sache der Freiheit Deutschlands, für Entfesselung der Presse, für freisinnige Volksvertretung gestritten, hatten sie einen festen politischen Standpunkt sich errungen, und auf ihm blieben sie stehen im März und nach dem März. Und diese Männer sind Juden im wahren Sinne des Worts; durch Schriften und vor Allem dnrch ihre eigene Persönlichkeit traten sie zu aller Zeit da in die Schranken, wo es galt, die Rechte ihres Volkes zu vertreten. Und ihr Wort mußte um so eindringlicher, ihr Kampf um so entscheidender werden, da sie nicht die Freiheit des Emen begehrten, unbekümmert um die Knechtung des Andern; da sie nicht Toleranz verlangten und Billigkeit, sondern Recht und Gerechtigkeit. Sie hatten es klar erkannt, noch lange, ehe die Grundrechte verfaßt wurden, daß die Emancipation der Juden ein Glied jener Kette sei, die die Einen mit Spott, die Andern mit Begeisterung die Menschenrechte nennen; sie hatten es klar erkannt, daß der Druck nur da aufhöre, wo die Bevorrechtung ein Ende nehme, und daß demnach nicht von den bevor-, rechteten Ständekammern und Thronen, sondern nur von einer wahren, echten Volksvertretung eine Gleichstellung zu hoffen sei. Mit wenig Worten: den Principicllen war die Februarrevolution erfreulich, weil sie den Julithron stürzte; den Egoisten — weil sie Cr 6 mieux zur Regentschaft verhalfl Was aber jene Männer des Prinzips und ihre Partei anstrebtcn, ist nicht verwirklicht worden. Die Egoisten und die Männer des Vertrauens, Christen wie Juden, haben den Sieg ihnen entrungen, sich selbst aber nicht zu erhalten vermocht. Kein Wort hier über die jetzige Gestalt Deutschlands! Es heißt: inter <arma filent leges, und wir möchten hinzusetzen: 6t verba, wenn wir nicht fürchten müßten, es werde uns das erfurter Parlament zeigen , wie man auch in Festungen, und mitten unter Bajonetten und Kanonen den Muth haben könne — schön zu reden. Ein einigesfreies Deutschlands ist nicht zu Stande < gekommen. Und die Inden Deutschlands, sind sie frei, sind sie gleichberechtigt? Die Frage ist schwer, ist kitzlich zu beantworten. Wenn Versprechungen, wenn Verfassungen — geschworene und nicht — wenn Grundrechte Garantien sind, nun so sind die Inden, auch in den meisten Ländern Deutschlands gleichgestellt. Wenn aber die als Grundgesetz für ewige Zeiten pnblicirten Grundrechte unausgeführt bleiben, wenn man sie als einen Vertrag — nicht der Regierungen mit dem Volke .— sondern der verschiedenen unter einander ansieht, wenn man diesen Vertrag als aufgehoben betrachtet, sobald (wie jetzt der Fall, nicht alle Regierungen ihn anerkennen — dann wird Art. V der Grundrechte eine würdige Fortsetzung von Art. XVI der Bnndesakte werden. Wenn man aber nicht in einem beschriebenen Blatte Papier, nicht in Gesetzen die Gewähr findet, sondern im Leben, in der Stimmung und Abstimmung der Volksvertretung, der wirklichen oder der scheinbaren, dann giebt es allerdings eine positive Antwort auf die Frage: wie es für jetzt und die nächste Zukunft um die Juden Deutschlands stehe. Die A n t w o r t d a r a u f si n d die Verhandlungen der bairischen Kammern in der In den frage. E. L. Deutschland. Wtüncherr, 21. Febr. Die Herren Reichsräthe werden von der bairischen Presse bereits in einer Weise für ihre Verwerfung der Judenemaneipalion gezüchtigt, daß es nicht nöthig sein wird, zu dieser Kritik etwas beizufügen. Ist es doch sogar der Allgemeinen Zeitung passtrt, bei Behandlung dieser Frage energisch und witzig zu werden. Im Publikum findet dagegen diese Züchtigung kemesweges ihren treuen Wiederhall. Nicht der Jude ist es, den dieses in mittelalterlichen Zunft- und Gewcrbsvcrhältniffen bequem hingelagerte Publikum auöschließen will von der Möglichkeit einer Konkurrenz auf Grundlage staatsbürgerlicher und bürgerlicher Gleichheit, sondern der rührige Geschäftsmann ist es. Die bairische Bequemlichkeit kann sich nicht an den Gedanken gewöhnen, aufhören zu sollen. Bei den Reichsräthen mochte freilich eine Vorschwebung vom christlichen Staate den Beschluß diktiren, im Volke aber entscheidet nur die gewerbliche Frage. MÄncheu, 23. Febr. Die Israeliten der Residenzstadt werden nächster Tage in Betreff der Emancipationsangelegenheiten eine mit sehr zahlreichen Unterschriften versehene Dankadresse an die Kammer der Abgeordneten eiureichen. Aus verschiedenen Provinzen des Landes vernimmt man, daß in Folge der Verwerfung der Emancipation durch die Reichöraihökammer viele Israeliten Baiern verlassen werden, um sich in andern deutschen Staaten, in welchen jede Rechtsungleichheit zwischen dm Bewohnern eines und desselben Staats be- |j in I ' j dies 1 wer' . wer' 0 blci f) ten : mil gck> fgf me W Hu pg Pr lil när |! SR. \ ) der \; hal der feil der ■ ’ die ' bei I fäl , Ei @ i Ui 0 ve'! I thr 0 Ui W da : ui 0 gc II | m II et I kr ‘ " n i! 5 II V fl ü ck ll c ■4 £ W d -/ h ■; s M r e n

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