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Der Orient · 1850-03-09 · Heft 10 (9.3.1850) · p. Seite 40

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 10 (9.3.1850)
Date
1850-03-09
Page
Seite 40 (sequence 7)
Language
German
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40 Bissen zu essen? Geht hin und macht Euch satt. Mich geht das nichts an, was ein Anderer thut." Nach einer langen Pause fragte Emanuel mit gedrückter Stimme: „Rebb Schimme, würdet Ihr denselben Rath Eurem Sohne geben, wenn er sich in derselben Lage be- Mde?" ' . „Schweigt, schweigt," rief der mit einem Male verdüsterte Dorfgeher, „man soll den Satan nicht umsonst rufen, er könnt' kommen " Ein schönes Bauernkind mit rothen Wangen kam beim Eintritt in das Dorf auf den Vater zu, und er lächelte als er das kleine Geschöpf wackelnd auf sich zuschreiten sah. „Baruschka," rief er ihm entgegen. Das Kind flog ihm in die Arme und er küßte es herzlich. „Was macht Deine Mutter?" fragte er es. „Sie ist.zu Hause," sagte das Kind und rang sich von ihm los um zu seiner Mutter zu laufem „Wessen ist das Kind?" fragte Emanuel erstaunt. „Dem Kind seine Murrer," gab der Dorfgeher Bescheid, war einmal das unglücklichste Weib auf der Erd', und wenn sie's nicht mehr ist, so har sie das Schimme Prager zu verdanken." „Vielleicht Eure schöne Bäuerin?" rieth Emanuel Uhr nungsvoll. „Die ist's," sagte Rebb Schimme, „und weil Ihr vorhin gemeint habt, der Bauer kann den Juden nicht leiden, weil er mit ihm nicht will aus Einer Schüssel essen, so will ich Euch von meiner schönen Bäuerin was erzählen. Der Water von jener Bäuerin der hat zwei Stunden von hier .gewohnt und war Richter im Dorf; ich soll's zu Eigen .haben, was der Bauer hac im Vermögen gehabt. Pawel hat er geheißen und Pawel hat Stücke auf mich gehalten, ich war wie das. Kind im Haus bei ihm und Hab' dort viel Geld in meinem Leben verdient. Der Bauer hat ein einziges Kind.gehabt; es ist meine schöne Bäuerin. „Gewöhnlich meint man, nur bei uns Juden hat man seine Kinder gern; der Bauer gibt auch sein Leben für-sie hin. Ich Hab' das an meinem Pawel gesehen, er hält' für -die Tochter die Sonn' vom Himmel heruntergerissen. Einmal sagt mir Pawel: Wenn Du wieder herauskommst zu uns, Schimme, so bring' mir Leinwand, Tücher, Spitzen und Bänder und was Du nur Schönes hast, ich will meiner Tochter Hochzeit machen. „Mir wun", frag' ich, „Du hast mir ja nichts gejagt, Pawcl!" Da nennt er mic einen jungm Bauernsohn aus einem andern Dorfe, den ich auch'gut Hab' gekannt. „Dem willst Du sie geben, Pawel?" schrei' ich, „ich bring' Dir keine Leinwand, ich bring' Dir keine Tücher, ich bring' Dir keine Bänder, und dem wirst Du Deine Tochter nicht geben." „Warum?" fragt der Bauer. ,„Weil's ich nicht leid, Waczlaw ist ein Spieler und ein Trunkenbold, der wird Dir Deine Tochter unglücklich machen." Verlag von C. L. Fri.tzsche. ■ ' | Da hat er mir eingestanden, daß er von dem Allen weiß, [-f aber er hätt' keine Gewalt über sein Kind , sie will ihn, und ' f eher. stirbt sie als sie von ihm läßt." „Laß mich mit ihr ■ reden, Pawel, sag' ich." H „Red' mit ihr ," meint der Bauer und nu,§, sich weg- ./| wenden, weil er das Herz weich bat. Ich Hab' mit derToch- '/>; ter gered'r, ich Hab' ihr vorgestellt, was sie da an ihrem Vai ter will begehen, aber leider Gort, bei den Christen ist es ■’J nicht so wie bei uns Juden. Da weiß das Kind, daß cs H Mutter und Vater nicht einmal vom Schlaf auswecken darf, >;‘j was soll ich Euch länger verzählen: sie hat mir gar nichtt\ zuhören wollen, und vier Wochen darauf ist sie das Weib ' / en von jenem Waczlaw gewesen. Was ist aber geschehen? Wie.'"',! wenn's ein Prophet hält' vorausgesagt, so ist Alles einge- £? all tröffen, was Schimme Prager hat gesagt. Es sind nicht' J Ul zwei Jahr' vergangen, so hat Waczlaiv keinen Groschen von dem Geld gehabt was er von seinem Weib hat bekommen, vertrunken und verspielt war Alles. Ich Hab' mich gar nicht ‘A zu Pawel's Tochter stellen -können vor großem Herzleid, so v] bleich und abgezehrt hat. sie ausgcsehen/, und einmal Hab' ich - blutige Striemen auf ihrer Stirne gefunden, da muß er sie' j geschlagen haben. Der alte Pawel , dem Hab' ich gar nichts!; tin erzählen dürfen von ihr, und so soll mir Gott so viel Tau- 4 sende geben was seine Tochter mich hat Gulden gekostet, dir: />_ ach ihr Hab' geborgt, und Hab' doch gewußt, daß sie's nicht/ zurückzahlen kann. Es war vielleicht Unrecht von mir, aber — | / „O nein, nein!" rief Emanuel ln großer Bewegung. > / (Fortsetzung folgt). { Personalchronik und Miseellen. Frankfurt a. d. O., 26. Febr. Sie wollen / Hr. Redakteur folgende Berichtigung in Ihr Blatt ausnehmen. In einer Korresporldenz von hier wird berichtet, daß ich nun definitiv als Prediger der hiesigen iör. Gemeinde ereirt wurde. Diese Mittheilung ist ungenau, / da dies nur von den Herren Syriagogenv erste heu pro- -^ei jektirt, von dem Repräseutautenkollegium aber noch nicht/ beschlossen wurde. Dr. Lewysohn. ,bei ■ * *; 'i . . . , /we F r an k fu r t a. d. O., im Febr. Der Gemeinde-.- Vorstand der israelitischen Gemeinde zu Berlin soll ein* .. Jmnlediatögesuch , betreffend die'Abänderung des Eides pro mnre jud. au das Jllstizministeriunl zu richte^' luH Willens sein, und fordert daher auch auswärtige Ge- '/get meindeu zur Meinungsäußerung, eveut. Unterschrift aus; -^Ta auch an die hiesige Gemeinde gelaugte vor einiger Zeit;;^a die gedachte Aufforderung. — Was den Aufruf des, Hrn. Dr. Philippson betrifft, dessen auch Sie ni^M der letzten Nummer des Orients erwähnten, so ist dem-EW^ selben°der beste Erfolg zu wünschen. Nur die innere Einheit der Gemeinden kann allein der drehenden Ge- 'drr fahr vor gänzlichem Untergang der Religion entgegenwirke!:. Mag dieses Projekt des Hrn. Dr. P. nicht wie sonst — zu den piis desideriis gehbren! wer /res, - -Hi Druck von I. H. Nagel. MllE.

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