Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1850)
- Date
- 1850-03-09
- Page
- Seite 37 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien und Kritiken 11 Das Abonnment auf ein Jahr ist 5 Mir. : - Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und 'allen solid. Buchdand- >. lungen aus ein Jahr» für ' Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Df. Julius Fürst. Jahrgang. Don dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Boqen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. 1350. eipzig, den 9. März Inhalt. Die Emanci'pationsfrage in den Bairischen Kammern. Erster Artikel. — Deutschland. München. Der Brodneib und der christliche Staat. München. Adresse. Auswanderungen. — Oesterreich. Leipnik. Intoleranz der Glaubensgenossen gegen einanoer. — Der Dorfgeher. Eine Ghetto-Novelle von Leop. Kompert. sForts.) — Personalchronik und Miscellen. Franks, a. d. O. Franks, cr. d. O. — LB. d. Or. Die Emancipationsfrage in den barrischesr Kammern. lZ I. \\ Es sind nun zwei Jahre her., daß in Paris der \ Jrlüthron gestürzt, und ein Jude zum Mitgtiede der provisorischen Regierung ernannt wurde. Jubelnd be- - grüßten dieses Ereigniß die Juden Deutschlands, denn \ was zu erleben sie kaum erwartet, es sollte sich nun verwirklichen; woran sie nach langer, bitterer Err' fahrung mit Recht verzwelfelk'n, an ihrer Gleichstellung durch einen Machtspruch der Regierungen, das sotly, tcn sie durch den Machlsprnch des Volkes, durch p; die Revolution, erringen. Das deutsche Volk verließ den gesetzlichen Boden der Bundesakte und der Konferenzbeschlüssc; cs wagte es, nicht durch den Mund seiner sogenannten Vertreter, sondern direkt und unmittelbar Massel,- und Sturmpetitiouen seinen Fürsten zu überreichen; cs wagte es, ihnen; gegenüber eine drohend imposante Stellung einzuneh- " men; es wagte es, hie und da den fürstlichen Truppen Barrikaden entgegenzusetzen — alles dies aber unbeschadet der angestammten Treue zu seinen Fürsten, denen es freudig zujauchzte, wenn sie nur in den Trikoloren einherschritten und Versprechungen gaben. Diese Versprechen waren die Zusicherungen alles \\ Dessen, was irr jenen Stmmpetitionen gefordert war, i; J ' : I also namentlich allgemeines Wahlrecht, Preßfreiheit, Versammlungsrecht und Gleichstellung der Konfessionen. Diese letztere Forderung, überall auf gleiche Weise geltend gemacht, ward auch überall von den Regiermlgen zugesichcrt. — Die Juden athmeten freier auf; mm endlich war der Berg erreicht, von da aus sie das gelobte Land der Freiheit erblicken konnten. Abgesehen von den Geldspcknlanten unter ihnen, die abgestumpft gegen jede Idee, sei sie nun eine allgemein Deutsche, oder eine speeiell jüdische, nur sich und. ihrem Gelde leben, das ihnen eine Gleichstellung vollkommen entbehrlich macht: sowie ferner abgesehen von den in Pietismus und Hyperorthodorre Versumpften, auf einen himmlischen Fürsten Hoffenden , der sie aus dem Leidensexile Hierselbst zurückführen solle m ein heiliges Vaterland, wenn überhaupt eine solche Anschauung inmitten einer europäischen Gesittung noch möglich ist: — abgesehen von diesen materiellen und buchstabcngtänbigen Gegnern der Judcnemaneipation, warm alle Juden Deutschlands erfreut und nenbelebt von dem Märzhanche des Jahres 1848, und wir irren wohl nicht, wenn wir sagen: sie standen im Marz Alle auf Seiten der Opposition. Doch gar bald schieden sie sich in zwei Heerlager, es trennten sich die Egoisten von den Männern des Princips. Jene Egoisten hatten der Revolution nur zugejauchzt, weit sie ihnen die Gleichstellung bringen sollte und brachte; wie es um die Gleichstellung Andererer, der Bauern, der Arbeiter «♦ s. w. stehen mochte, 10