Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 9 (2.3.1850)
- Date
- 1850-03-02
- Page
- Spalte 137-138 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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138 Studien. Antrdorniana von Wunderbar. Antidorniana von N. I. Wunderbar Ln Riga^ Odne meiner Bescheidenheit im Mindesten zu nahe treten zu müssen, wollte ich behaupten, daß ich bis hierzu auch bereits alle Freuden und Leiden eines Mitarbeiters des Orient genossen habe, denn ich habe schon Korrespondenzen zur Genüge geliefert, viele alte und neue biographische und bibliographische Literaturberichte gegeben, Analekten, Miecellen, geschichtliche Skizzen-mitgetheilt, Kritiken und Recensionen nicht blos über fremde, sondern selbst über eigene Werke geschrieben rc., und schon glaubte ich im Uebermaße meines literarischen Genusses mit Salomo -«Cw DHD „Alles was meine Augen wollten, versagte ich ihnen nichts ausrufen zu können, da siel mir plötzlich ein, daß sich mir ja bis hierzu noch keine Gelegenheit eine eigentliche Polemik zu schreiben dargeboten habe, und meine literarische Selbstschätzung wurde, in dem Bewußtsein, daß ich bis jetzt für die gute Sache nur einfach gearbeitet, keinesweges aber im eigentlichen Sinne des Wortes für dieselbe gekämpft habe, augenblicklich bedeutend herabgestimmt, und wie ein junger Kornut sehnte ich mich nach einem solchen ritterlichen Kampfe. Zu meinem Leidwesen blieb dieser mein so sehnlicher Wunsch jedoch immer unerfüllt. Wohl schien man mich zuweilen in den Harnisch jagen zu wollen; bald kam Hr. Dr. Beer und meinte, daß ich eine Ausgabe eines Llvira'schen Buches, bald Hr. Dr. Fürst, daß ich Carmoly's Geschichtswerk übersehen habe; hier wurde mir das Versehen, daß ich R. Js. Loria zu den D’Unsw gezählt, dort daß ich eine Stelle in Mendelssohn irrthümlich aufgefaßt hätte, herausfordernd vorgehalten; allein wie konnte ich bei solchen Kleinigkeiten den Handschuh aufheden und mich zum ernsten Kampfe deshalb stellen? Schon glaubte ich auf den schönen Genuß einer Antigraphie verzichten zu müssen, da erhalte ich LB. Nr. 40 v. S., wo Herr E—n zwar nicht eigentlich über meine licer. Leistungen, sondern über meine Wenigkeit selbst den Stab bricht; und so geht denn endlich mein langersehnter Wunsch, auch mit einem polemischen Aufsätze austreten zu können, unverhofft in Erfüllung; denn daß ich hier nicht schweigen kann und darf, wird selbst gedachter Herr E — n (insehen. Wohlan denn, m Gottes Namen. — Während eines Zeitraums von beinahe einem Deeennium, seit dem ich öffentlich literarisch aufgetreten bin, glaube ich zur Genüge bewiesen zu haben, daß mein Streben dahin zielt, lediglich zur Förderung der Wissenschaft nach Kräften mein Schärslein zu opfern; und werden mir hoffentlich auch die geehrten Leser dieses Blattes das unparteiische Zeugniß geben können, daß ich auch in demselben eine Reihe von Jahcen nur die Wissenschaft, nie aber irgend welche P e rsönlichkeit im Auge gehabt habe. Noch weniger kann mich die Beschuldigung treffen, daß ich aus irgend welcher Rücksicht, irgend eine schlechte That bemäntelt und gutgeheißen, am allerwenigsten aber, daß ich je einer böswilligen Berläumdung der Juden und des Judenthums auch nur den schwächsten Schatten von Nachsicht geschenkt hätte, und glaube ich meine Gesinnung in dieser Hinsicht bei jeder sich mirdargebotenm Gelegenheit, so wie namentlich auch jüngst bei der Recensiori der Professor Friedreich'schen Werkes genugsam bewiesen zu haben. Wie sehr mußte mich nun die Dorn-Geißet des Herrn E—n in seiner Dornlese schmerzlich überraschen, als ich daselbst die Beschuldigung gegen mich so keck ausgesprochen fand „daß ich nämlich ans leidiger Rücksichtelei,,weil mir Hr. Fr. ein Exemplar seines Werkes nebst der Anzeige, . daß er auch auf mein erscheinendes Werk bereits präNumeri rte, übersandt haben soll, deshalb meine Delikatesse gegen Fr. so weit getrieben härte, daß ich in meiner gedachten Recension seines Werkes die Nachtheile desselben fast ganz unberührt gelassen hätte." — Gern bin ich den mir unbekannten E—n nDT Ppb p und vermurhe, daß er mich keineswegs kränken wollte, sondern daß er diesen ganzen empfindlichen Passus nur als pikante Sauce seines Dorngerichtes den Lesern auszutischen gedachte; aber schon der Talmud lehrt UD^T\2 nnin D'DDn ,/Ihr Gelehrten seid behutsam in Eueren Worten:" Jedermann witzle so viel er wolle, nur kränke er dadurch auch im Mindesten seinen Nebenmenschen nicht. Ich möchte vor Allem nur wissen, wo Herr E—n in diesem oirp -in den prophetischen Geist hrrhabe, daß er so gewiß behaupten konnte, daß Herr Prof. Friedreich mir sein Werk sammt der Anzeige, daß derselbe auch auf mein Werk pränumecirt zugeschickt habe. Wie, wenn ich ihm betheuere, daß ich das fragliche Werk nur auf einige Tage von einer hiesigen Buchhandlung zur Einsicht erhielt, und Herr Fr. auf mein Werk nicht pränumerirt sondern blos subskribirt hat, würde er wohl seinen Ausspruch, daß ich jenes Werk aus Rücksicht kritisirt habe, noch begründet finden. Wollte ich partheiisch sein, so würde ich in meinem Interesse das Friedreich'sche Werk eher getadelt als gelobt haben; indem mm ja dasselbe sozusagen in mein Revier gefallen ist; allein weit entfernt wegen kleinlicher Rückstchteleien der Wahrheit auch nur um ein Jota .zu vergeben, habe ich jenes Werk ohne alle Nebenabsichten nur in strengster Unpartheilichkeit recensirt, habe was zu loben war, gelobt, und was zu tadeln getadelt. Ich frage Herrn E—n, worin denn eigentlich jene nach seiner Behauptung von mir zu weit getriebene Delikatesse gegen F. in gedachter Recension bestände? Die ganze dornige Nachlese enthält ja nicht das Mindeste, das ich nicht schon in meiner Recension gerügt habe, so die Unkenntnis; des Vers, im Hebräischen und Talmudischen, so seine Ausfälle und Verstöße gegen das Judenthum u,, nur mit dem Unterschiede, daß ich dieses Alles leidenschaftslos gethan, Herr E—n aber dieselbe Rüge in Begleitung von Stacheln wiederholte. Deshalb ist aber noch gar kein Grund vorhanden, mich einer