Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 9 (2.3.1850)
- Date
- 1850-03-02
- Page
- Seite 35 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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35 H „ig sein möge , folgte das übliche njwh jnun Gebet, H vorauf dann noch zum Schluß Psalm 33, der bekannt- H lich eine Aufmunterung zum Lobe Gottes wegen seiner D Verheißungen und Anordnungen enthält, vorgetragen, .Daus dem wir gelegentlich auch jenen schönen und wegen ^seiner Eigenthi'rmlichkeit, da er auch von einem Könige ' ^nnd zwar von keinem konstitutionellen ausgespro- 'Dchen wurde, um so merkwürdigeren Vers hier hervor- <.Ehebett ms *]ubn p* l:aß der Monarch nicht Dcnif die Macht der Bajonette oder auf das „herrliche ^Kriegsheer" vertrauen darf, sondern daß er stets dem ^göttlichen Willen gemäß handeln muß. So schloß die s ^Feier des Konstitutionsfestes in der israelitischen Gemeinde ' H der Residenz, die sich hierzu, wegen der Emaueipation, - Deines Rechts, das das Volk Preußens in jener glorreichen Nacht vom 18. zum 19 März 1848 mit edlem Blüte theucr erkaufte, veranlaßt sah und welchem wir, sich leider die Aussichten zur Verwirklichung dieses D ersten Menschenrechtes sehr traurig gestatten, den herzlich- 'Ipen Wunsch aussprechcu, daß es nicht blos in einem H Paragraphen der bereits beschwornen Verfassungs-Urkunde . ^enthalten, sondern auch von den Männern, die das i Staatörnder lenken, in Wirklichkeit ansgeführt werde. [} P. 5 Berlin. Während der strengen Kälte, die wir i'-l im Laufe des vorigen Monats hier hatten und wodurch Din unsrer großen Synagoge, durch den ohnehin nur i spärlichen Besuch in den Wochentagen, zuweilen kaum 4 die zum öffentlichen Gottesdienst erforderliche Anzahl sich einfand, versuchte cs ein sonst sehr thatigeö Mitglied unserer Gemeinde-Repräsentanten zwei große eiserne Ocfen Pi an den Seiten wänden des Gotteshauses anbringen zu D lassen. Dieser Versuch, die für Gebet und Gottesdienst ':d erkalteten Gcmüther unserer Berliner mit irdischem Feuer •; zu erwärmen, schien jedoch den beabsichtigten Zweck nicht erreicht zu haben, denn nach wenigen Tagen schon waren ' ,l die beiden Kolosse spurlos verschwunden. Einem Gerede zufolge, soll für das schon definitiv H.! zu Ostern eingehende jüdische Seminar, vom hiesigen [■:; Vorstande ein jn di sch es Real-G ymnasium errichtet werden. ■, Wir theilen dies nur als Gerücht mit, für dessen Wahr- H heit wir nicht bürgen fömtciu :A Oesterreich. , 1 Prcrsi, im Febr. Unsere politischen Zustände ha- ' 'f’| ben die Spuren der Dcwegnngsjahre stark ausgeprägt Hz erhalten, d. h. wir sind wirklich emaneipirt, und es 1 wäre Verblendung zu glauben, daß wir diesen Schritt ohne die Erhebung gemacht, da es gewiß ist, daß wir 4 sonst in einem halben Jahrhundert dies nicht erreicht ,' hätten. Don Acrzten jüdischen Glaubens ist nun jetzt ein großes Feld der Thätigkeit eröffnet, sei es im Militar oder m sonstigen Steller: des Staates und wie es scheint werden unsere tüchtigen Aerzte auf diesem Felde der Emancipation nur Ehre machen. An unserer Universität sind nun Hr. Dr. Wessely als außerord. Professor und Hr. Dr. Kampf als Docent angestellt und hier haben wir die eigentliche Lehrwirksamkeit noch abzuwarten. Wie wir hören, werden aus diesem Felde bald noch andere Besetzungen für das Fach der Medicin und der Geschichte folgen. Die Verschmelzung der Judmstadt mit der andern wird nächstens, wie ich höre, ganz erfolgen, die gestellten Geldbedingnngeu sind gerecht, und .der Umzug in die Christenstadt findet zum Theil schon jetzt statt, wie auch die Abneigung der Philister sich dagegen sträubt. Im Militär werden jetzt auch Juden befördert, zu Gemeindeämtern werden sie zugelassen und die Regierung thnt sogar das Möglichste, auch den Umzug der Juden in judenfeindliche Städte und Gebiete zu erleichtern. Aber wie siehts ans mit der innern Emancipation, wie mit den Synagogen, mit der Schule? Trauriger als vor dem März. Ich möchte weder Hrn. Rapaport, noch Hrn. Kamps, weder Hrn. Landau noch die-sonstigen einflußreichen Männer der Gemeinde anktagen, aber daß Nichts geschieht ist eineThatsache, die Niemand leugnen kann.' Ein Rabbinen- und Schullehrer-Seminar sollte, wie ich hörte, errichtet werden; nun ist aber Alles wieder still davon und ich glaube mich nicht zu täuschen, daß die Idee dazu wieder entschlafen wird. Von einer Harmonie unter den hiesigen Geistern ist natürlich, wie schon vor dem März, keine Rede und unter dem Schutze der Disharmonie gedeiht der Schlendrian, der über kurz oder lang auch die. schöne Blüthe der Emmicipation zerfressen wird. Nächstens erhalten sie einen lleberblick von dem was von dm Jude:: hier nicht geschieht. Der Dorfgeher. Von Leopold Kompert. (Fortsetzung.) „Das heißt", sprach der Dorfgeher nachdenkend, „der Bauer hat dort mehr Geld; ich weiß nicht, ob das ganz wahr ist; cs muß noch etwas anderes daran sein. Aber Einer muß doch den Juden vorstellen? Wer bringt dem Bauer das was er braucht in's Haus, denn der muß sa daheim bleiben und kann nicht herumlaufen! Ich sag' Euch, Gast, wo keinJud' ist, stellt ihn einAnderer vor." „Ihr mögt' Recht habend, entgegnete Emanuel lachend und entzückt von dem Scharfsinn seines Vaters; „es ist nichts als Neid, Rebv Schimmel" Diese Worte Emanuel's können uns als Leitstern dienen, wie wir seinen Seelenzustand Leurtheilen müssen. Sein nächster Gedanke, wenn ihn unwillkürlich das Gefühl hinrtß, war, daß doch Clara zugegen wäre, um sich seines Vaters zu er-